Warum – auch – Ganzzeichenhäuser ?

Was haben die Ganzzeichenhäuser mit dem I Ging zu tun – genauer: mit der Ordnung der Trigramme hier?

Mit dem I Ging hatte ich mich schon länger beschäftigt, bevor ich zur Astrologie kam. Dass es aber (u.a.) zum Online-Buch über die Neun-Sterne-Astrologie kam, vor allen Dingen zu den Oktilogrammen, verdanke ich meinen (zugestanden bescheidenen) Grundkenntnissen des I Ging.

Was man oben im Bild sieht ist die „vorweltliche“ polare Anordnung der Trigramme, auch genannt die Ordung des „Frühen Himmels“. Es handelt sich um die „ewige“, „stabile“ Ordnung. Die Ordnung des Späten Himmels (hier nicht abgebildet) ist die der saisonalen Abfolge, sie zeigt die dynamische Sequenz der Trigramme. Dies ist nicht der Ort, all dem auch nur ansatzweise nachzugehen. Es fehlt ja nicht an Erläuterungen im Netz. Worum es hier geht – mit Blick auf das Thema der Ganzzeichenhäuser: Man kann die Ordnung des Späten Himmels auf die des Frühen Himmels legen. Im frühen Himmel findet sich das reine Yang, das Trigramm Kien im Süden (im Bild oben). Eben dort findet sich nun in der Ordnung des Späten Himmels das Trigramm Li, das Feuer. Nun kann man sagen: „Hinter“ den Trigrammen des Späten Himmels stehen die Trigramme des Frühen Himmels, Letztere scheinen hindurch durch die Trigramme des Späten Himmels. Beispiel: das Feuer (Li) ist im Späten Himmel im Süden, im Frühen Himmel finden wir es im Osten. Dort, im Osten, steht nun im Späten Himmel das Trigram Dschen, der „Donner“. Hinter der massiv aufbrechenden Energie (Dschen, auch „die Erschütterung“ genannt) steht die Wandlungsphase des Feuers (das Wort „Element“ sollte man mit Blick auf die Trigramme meiden, es suggeriert fälschlich etwas rein Statisches). Das reine Yang, Kien = „das Schöpferische“ findet sich in der polaren Ordnung im Nordwesten. Im Frühen Himmel steht dort Gen, „der Berg“, „das Stillehalten“.

Was hier für die Trigramme gesagt wird, hat auch Gültigkeit für jedes der 64 Hexagramme (die ja jeweils aus zwei der Trigramme zusammengesetzt sind). Es ist sehr aufschlussreich, was sich hier an Einsichten offenbaren kann. Es lohnt sich, dem kontemplierend nachzugehen. So steht hinter Hexagramm 25, „die Unschuld“, Hexagramm 22, „die Anmut“ – man denkt spontan an den berühmten Kleist-Text über das Marionettentheater. Oder: hinter der „Bescheidenheit“ (15) findet sich vielsagend „das Wachstum“ (42).

Ich denke mir in analoger Weise das Verhältnis der „frühen“ Ganzzeichenhäuser zu den „späteren“ Häusersystemen, gleich ob Koch, Placidus, Regiomontanus etc. Auf diese Weise hat sich mir manches Horoskop erschlossen – auch dem eigenen bin ich da näher gekommen.

Prognosen…

Prognosen … für den einen der Prüfstein der Astrologie, für den anderen ein vermintes Gelände, das zu betreten er sich hüten wird, für andere wiederum  eine mit allzuviel Unwägbarkeiten geschlagene Disziplin… Und dann gibt es Astrologen von Rang, die jede Form der Prognostik aus grundsätzlichen,  gar ethischen Gründen ablehnen – unter ihnen u.a. Thomas Ring, dem es gewiss nicht an der gebotenen Sachkenntnis  gefehlt hätte. (Sein Werk droht, völlig zu Unrecht, in Vergessenheit zu geraten – da ist es gut, dass das Werk, darunter die vierbändige „Astrologische Menschenkunde“ – kostenfrei online verfügbar ist.) Das Lesen der „seeds of time“ – so nennt McBeth die Kunst der drei Hexen, deren Prognosen ihn ins Verderben ziehen werden – galt und gilt vielen als unzulässige Bemächtigung und Dienstbarmachung der Zeit für eigene Zwecke. Ich finde, jede dieser Positionen sollte respektiert werden (nicht die der Hexen, wohlgemerkt).

Ich war in der Astrologie noch ein Frischling, das war ca. 1986/87, da habe ich den Kollaps des Ostblocks für 1989 vorhergesagt – damit Heiterkeit und Ungläubigkeit ausgelöst. Warum konnte ich das? Ich war ein „tumber Tor“, mir reichten einige wenige Ingresse. Das war kein Grund für Selbstbelobigung, als es dann so weit war – denn das war einfach die Folge einer  gehörigen Portion an Naivität gewesen. Das war eine Unschuld, die irgendwann verloren ging – mit zunehmender Kenntnis der Materie, paradoxerweise.

Mitunter wird aufgelistet, wer wann die richtigen, wer die falschen Prognosen gemacht hat, spezfisch wenn es um mundanes Geschehen geht. Das ist ein auf die Dauer wenig ergiebiger Wettbewerb – es sei denn, es lässt sich sachlich begründen, warum die Prognose hier richtig, dort falsch lag. Leider fehlt es dann oft an der gebotenen Reflexion.

So haben nicht wenige, auch „namhafte“ Astrologen, für das Frühjahr 2020 die Demission A.Merkels vorhergesagt – ihre Popularitätswerte seien im Keller. Nun, sie, die Werte, sind in diesen Tagen höher als noch vor ein paar Jahren, auch die ihrer Partei, der schon ein SPD-Schicksal in Aussicht gestellt worden war.  Die genannten Prognosen bezogen sich wesentlich auf die in der Tat schwierigen Transitaspekte, denen sich die Kanzlerin zu stellen hatte. Sie ist- jedenfalls bislang – nicht daran zerbrochen –  sie hat die Herausforderungen (in den Augen der Mehrheit der Bevölkerung) meistern können. Dies ist nun kein Grund, die Qualifikation der eben erwähnten Astrologen in Zweifel zu ziehen, die gewiss auf langjährige Erfahrungen zurückblicken können, gewiss auch auf eine Reihe stimmiger Prognosen. Doch man erinnere sich an die vielen falschen Prognosen, den Brexit betreffend, auch und gerade die letzten US-Präsidentschaftswahlen.

Woran liegt dies? Zum einen: Immer wieder schleichen sich in suggestiver Weise subjektive Erwartungshaltungen (Hoffnungen, Befürchtungen, falsche Gewissheiten…) mit ein und üben einen nachteiligen Einfluss aus. Dann: Spätestens seit dem Berliner Mauerfall sollte eigentlich bekannt sein, dass die Geschichte zuweilen unversehens dem Unerhörten, dem gänzlich Unerwarteten eine Bresche schlägt. Mal feiert sie ihre (leider seltenen) Feste, mal (leider derzeit häufiger) schlägt sie uns mit  gänzlich unerwartetem Unheil. – Fazit: Nie war es schwieriger als in Zeiten der großen Unübersichtlichkeiten, mundane  Prognosen zu geben. – Übrigens: Manchmal bedarf es keiner Astrologie, da reicht ein klarer Kopf und eine unvoreingenommene Sichtung der Dinge. So hat Bill Gates vor einigen Jahren vor der Wahrscheinlichkeit bevorstehender Panepidemien gewarnt. Doch selbst die Vorhersage eines weltweit bekannten Prominenten war hier in den in den Wind gesprochen.     

1870 – 1945 -2020

Zahlen sind keine leeren Chiffren, sie sind gestaltbildende Kräfte. Bittet man jemanden, der keine Kenntnis der Astrologie hat, sich die Zahl 4 in geometrischer Weise vorzustellen, dann wird der Betreffende vermutlich oder gar sehr wahrscheinlich ein Quadrat oder ein Rechteck nennen (ja, auch ein Quadrat ist ein Rechteck…). Bei der 3 wird es ganz einfach (Dreieck), ein Pentagramm bei der 5 wird gewiss nicht mehrheitlich genannt werden. Die 6 wiederum erscheint anschaulicher – ihrer Regelmäßigkeit wegen (siehe den Davidstern, siehe die regelmäßig-ökonomisch gebauten Waben der Bienen). Die 7 ist die erste Zahl, die sich die meisten nicht mehr in geometrischer Abbildung zwanglos vorstellen können.

 Hier nun geht es um die 100, die Potenz der 10, die 100, ist die 10 in Vergrößerung. Die 10 aber ist so etwas wie die Finalität der 4: 1+2+3+4=10. Diese Zusammenhänge sind anschaulich erläutert bei Ernst Bindel: Die geistigen Grundlagen der Zahlen (meines Wissens leider vergriffen). Die 10 ist der 4 wesensverwandt. In der Imagination der 10 taucht aufs Neue das Quadrat auf, nun aber erscheint das Quadrat inmitten eines Kreises. Und da ist es interessant, dass das Arcanum X des Tarot, das Schicksalsrad zeigt. Tatsächlich bildet sich imaginativ  der Kreis noch deutlicher ab, wenn ich die Potenz der 10, die 100 veranschauliche.

Nun scheint die 100 in keinem unmittelbar erkennbaren Zusammenhang mit dem Tierkreis zu stehen. Doch beide, der Tierkreis wie die 100, sind durch die 4 teilbar. Im Falle des Tierkreises erhalte ich die Quadranten, das Gegenstück wäre die 100 als das Vierfache der Potenz von 5, der 25. Würde ich den Tierkreis nicht aus 360 Graden mir denken, sondern aus insgesamt 100 „Einheiten“, würde dann auch dieser Tierkreis mit dem ersten Grad Widder beginnen, dann entspräche die 25 dem ersten Grad Krebs, die 50 dem Anfang der Waage und die 75 dem ersten Grad des Steinbocks. Drittele ich den auf 100 Einheiten reduzierten Tierkreis, dann entspricht die erste der „Einheiten“ dem ersten Grad Widder, mit 33 und 1/3 gelange ich auf den ersten Grad Löwe, dann mit 66 und einem Drittel (oder 66, 666…) gelange ich auf den ersten Grad des Schützen – es ergibt sich das Feuertrigon. Der Dreierschritt –  33 und ein Drittel mal 3 = 100 – ist von Jupiternatur. Er ist wiederholt von R.Steiner beschrieben worden und in der Geschichte, oft auch im individuellen Lebensgang, unschwer nachzuweisen. Beispiel: 1814/1815 schafft der Wiener Kongress eine europäische Ordnung, die zwar Stabilität erbringt, jedoch jede Form von Volkssouveränität tabuisiert. 33 Jahre später rebellieren große Teile Europas gegen diesen Zwang. Wiederum 33 Jahre später, 1881, fallen der Zar und der US-Präsident Attentaten zum Opfer, in Europa erstarkt der Anarchismus. 1914 schließt sich der Kreis, 100 Jahre nach dem Wiener Kongress zerfällt endgültig die dort geschaffene europäische Ordnung. Ein weiteres Beispiel: 1956 befindet sich die Welt auf einem Höhepunkt des Kalten Krieges, gleichzeitig erfolgt die erste tiefgreifende Zäsur nach dem II. Weltkrieg: In der Suez-Krise zeigen sich deutlich die Konturen der künftigen Konfrontation im Nahen Osten, zeitgleich läutet das Jahr das Ende des britischen Empires ein und erbringt eine Forcierung der globalen Entkolonialisierung. Und 1956 zeigen sich im Ungarnaufstand erste Risse im scheinbar festgefügten Ostblock. Schließlich, wiederum 33 Jahre später, 1989, zerfällt innerhalb eines Jahres das gesamte Sowjetimperium. So bleibt abzuwarten, was das Jahr 2022 erbringen wird – zum Jahr 2022 siehe den vorhergehenden Blogbeitrag.

Hat die 33 (33,3….) eine deutliche Jupiterqualität, so hat der Viererschritt (4 mal 25) offenkundig eher lunar-saturnale Eigenschaften. Im letzten Jahr schrieb Claude Weiss in einem Artikel darüber – ohne indes den Bezug der 25 auf die 100 explizit miteinzubeziehen. So verweist er auf den 25er Schritt 1914 – 1939. Im eben erwähnten Jahr 1989 konvergieren die genannten Rhythmen: der Beginn des II. Weltkrieges liegt 50 Jahre zurück. 25 Jahre nach 1989, 2014, werden weltweit neue Polarisierungen sichtbar (u.a. die Krimkrise), Entwicklungen, die weiterhin im Fluss sind.

Eine der interessantesten historischen Darstellungen der letzten Jahre ist Keith Lowes „Furcht und Befreiung“. Wie der Zweite Weltkrieg die Menschheit bis heute prägt“ (Klett-Cotta 2019). Lowe greift den Begriff der „Stunde Null“ auf, der bekanntlich zunächst für die Situation des geschlagenen Deutschlands 1945 verwendet wurde. Er weist nach, dass sich damals erstmals ein (in Teilen existenzialistisch geprägtes) Bewusstsein globaler Verantwortung bildete. Das ungemein inhaltsreiche (zudem sehr lebendig geschriebene) Buch kann hier nicht einmal ansatzweise referiert werden. Mit Blick auf Deutschland: das Reich entsteht noch während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 (Reichsgründung am 18.01.1871). 75 Jahre später liegt dieses Reich in Trümmern. Nun, 2020, 75 Jahre nach dem Ende des umfassendsten Krieges der Weltgeschichte, stellt sich auf ein Neues, veranlasst und beschleunigt durch die Corona-Krise, analog zu 1945, ein Bewusstsein globaler Verantwortung ein, verbunden mit dem Empfinden eines „existentiellen Ausgesetztseins“. Etliche vermeintliche Sicherheiten sind beinahe über Nacht abhandengekommen, kaum jemand vermag zu prognostizieren, in welchem Zustand sich die Welt in einem Jahrzehnt präsentieren wird (nein, wohl auch kaum ein Astrologe). Ich selbst glaube – siehe dazu den vorhergegangenen Beitrag -, dass das Jahr 2022 diesbezüglich deutliche Umrisse sichtbar machen wird – gerade auch bezogen auf Europa und die Mitte des Kontinentes. Eine nähere Untersuchung hätte das deutsch-französische Verhältnis miteinzubeziehen – die Jahre 1870-1945 sind tiefgreifende Zäsuren auch in der französischen Geschichte. Und zudem Zäsuren der italienischen Geschichte, denn 1870 vollendet sich die Einigung des Landes (September 1870: Ende des Kirchenstaates, Anfang Oktober: Rom wird Hauptstadt des Landes). Es ist bezeichnend, dass im Verlauf der Corona-Epidemie Verwerfungen im deutsch-französisch-italienischem Dreieck drohen (Stichwort: Corona-Bonds).  Wenn 1945 den Nullpunkt der Weltordnung markiert, dann bedeutet dies, dass wir nach 75 Jahren im genannten Viererschritt den ersten Grad Steinbock erreicht haben – oder, in Analogie, wir befinden uns in der Situation des abnehmenden Halbmondes. Ein Pendant dieser Situation: Die Staatsgläubigkeit erreicht in der Krise ungeahnte Dimensionen. Nun, das schreiben die besseren Zeitungen schon jetzt…

Ein Jahr der „5“: 2022

Die Rede war in vorhergehenden Beiträgen von den Jahrneunten. Jedes Jahrneunt hat einen Grundcharakter, angezeigt durch das prägende jeweilige Trigramm (wie erinnerlich: das laufende Jahrneunt 2018-2027 ist weithehend bestimmt durch das Trigramm Kun). Jedes der neun Jahre innerhalb dieses Jahrneuntes ist wiederum selbst bestimmt durch eine der Zahlen. Das erste Jahr (in diesem Fall 2018) durch die 9, dann das folgende durch die 8, 2020, also das gegenwärtige durch die 7 – etc. Den Schlusspunkt stellt dann das Jahr der 1 dar.

Nachfolgend ein Auszug aus dem bereits erwähnten Online-Text über die Neun Sterne, der das Thema der 5 verdeutlicht, also Funktion und Wirkungsweise der 5 in der Ordnung der neun „Zahlen“ anschaulicher machen soll. Dieser Textauszug erscheint hier, weil er das Verständnis des kommenden Jahres der 5, eben das Jahr 2022, erleichtern soll:

Im Gegensatz zu dem, was man auf den ersten Blick meinen könnte, ist mit der 5 keineswegs die stabile Mitte gewährleistet. Tatsächlich kann sie zur Zahl der Gefahr werden, genauer: zur Zahl der drohenden Instabilität, des Verlustes der Ordnung. Für den 5er gilt es, diese Ordnung stets neu zu erwerben und zu sichern. Die 5 hat den gesamten Zyklus der neun Zahlen im Auge zu behalten. Sie spürt die drohende Fragilität des Ganzen. Umso mehr ist ihr an einer Sicherung der Balance gelegen. Sie neigt somit auch zur umsichtigen Kontrolle. Mit der 5 ist nicht notwendig die Gefährdung, wohl aber das Bewusstsein der steten Möglichkeit einer solchen gegeben. Das Beispiel Bismarcks, des ersten deutschen Reichskanzlers (geboren am 1.4.1815) ist hier sehr instruktiv. Vielen ist Bismarck als der Kanzler der gewaltsamen Einigung („Blut und Eisen“) ein Begriff. Schließlich führte Bismarck innerhalb von sieben Jahren nicht weniger als drei Kriege, zwei davon gegen europäische Großmächte. Doch dabei wird schon einmal übersehen, dass der Großteil der politischen Karriere Bismarcks der Sicherung des einmal Erreichten gewidmet war. Dies galt in innen- wie in außenpolitischer Hinsicht. Im Inneren versuchte Bismarck mit der Schaffung der weltweit ersten Sozialgesetzgebung eine Stabilisierung der prekären Lage herzustellen. In der Außenpolitik sorgte er sich beständig um die Sicherung des eben gegründeten Reiches in der Mitte(!) Europas. Dies gelang ihm mit Hilfe eines komplexen Bündnissystems, welches das System der fünf (!) Großmächte auf eine dauerhafte Grundlage stellen sollte. – Mit Blick auf das Stichwort „Kontrolle“: Wie bei jeder Zahl (und generell bei jedem astrologischen Thema) gilt auch hier, dass die Tendenzen ins Überwertige, ins Extrem laufen können. Wir nennen das Beispiel des 5ers Stalin (18.12.1878), bei dem die Neigung zur Kontrolle zu einer Obsession wurde, die den Tod ungezählter Opfer erzwang. Das ganze Bemühen des 5ers Karl V. (01.03.1500, Gent), Luthers Gegenspieler, war darauf gerichtet, die Einheit des Reiches zu sichern. Instinktsicher erkannte Karl, dass die Durchsetzung der Reformation zu Lasten der kaiserlichen Zentralgewalt gehen würde, damit dem Reich womöglich irreparablen Schaden zufügen würde. Unnötig zu betonen, dass auch die Strategie eines 5ers scheitern kann. Die über Jahrzehnte verfolgte Strategie des Kaisers in dessen „Reich die Sonne nicht unterging“, erweis sich am Ende als Fehlschlag, die erstrebte Kontrolle durch die Wahrung der Mitte wollte nicht gelingen, als allzu groß erwiesen sich die zentrifugalen Kräfte im Reich.

Jahre der 5 tendieren dazu, gefährliche Situationen aufzurufen. Wir geben einige Bespiele: Das Jahr 1077 galt den Zeitgenossen in Europa als Jahr der „Erschütterung der Welt“. Es ging um den Höhepunkt des Investiturstreites zwischen Kaiser und Papst, der den Ersteren auf den sprichwörtlich gewordenen Weg nach Canossa zwang. Das erste 5er Jahr des 20. Jahrhunderts war das Jahr 1905. In diesem Jahr kam es zur ersten schweren Revolte in Russland. Es war auch das Jahr, in dem sich die Fragilität der für sicher geglaubten europäischen Bündnisse zeigte (zunehmende Isolierung Deutschlands). 1905 war das Jahr, in dem der deutsche Expressionismus verstärkt ins Bewusstsein der Menschen eindrang (Gründung der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“). Es zeichneten sich die Instabilitäten in der bis dahin für so sicher geglaubten Welt ab. Im 5er-Jahr 1914, dem Jahr der europäischen „Urkatastrophe“, zerbrach diese Welt. Das folgende Jahr der 5, 1923 war eines der schweren Krisenjahre der jungen deutschen Republik, das Jahr der Inflation. Das darauffolgende Jahr der 5 war das von Februar 1932 bis Februar 1933, das Jahr, das Hitlers Aufstieg sah. (In den letzten Tagen des 5er-Jahres erfolgte seine Ernennung zum Reichskanzler.) Das 5er-Jahr 1941 erbrachte die Ausweitung des Krieges zum Weltkrieg. 1950 stellte mit dem Beginn des Korea-Krieges einen ersten Höhepunkt des Kalten Krieges dar.

Noch etwas zum Thema „Mitte“ – was auch das Verständnis der noch ausführlich zu erläuternden  Monatsbilder erleichtern mag. Die „Mitte“ ist dort in doppelter Weise ins Bild gesetzt: a) durch den ersten Grad der Monatsbilder auf je 15:00 Grad der Zeichen und b) dadurch, dass der erste Grad der Zeichen in die Mitte der Monatsbilder rückt – also dort „15 Grad“ innerhalb der 30 Grade belegt.
Aus der Mitte kommt „die Kraft“ – auch die dort „ruhende“, gleichwohl steuernde. Wie schon gesagt: Die Oktilogramme (OGs) bilden den sich verdichtenden Willensimpuls ab, das Intentionale. Es scheint demgegenüber, dass die Kardinalingresse dann mehr ins Phänomenologische tendieren.

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Soweit der Textauszug. Hier nun das „Jahr der 5“ 2022, und zwar bezogen auf den geographischen Punkt 0 Grad Länge/ 0 Grad Breite (ich folge hier dem Vorschlage Bernd Westphals, wiederholt durch Beispiele in den Foren nachdrücklich bestätigt) :

Europa ist der Kontinent der Mitte, innerhalb Europas ist Deutschland das Land der Mitte. Diese geographisch so exponierte Situation ist eine geschichtliche Konstante. Sie hat sich von jeher dahingehend geäußert, dass das Land Ausgangspunkt kontinental wie global wirkender geschichtlicher Impulse war (siehe u.a. die Reformation), seinerseits aber in Umkehrung oft Gravitationszentrum kontinentaler und globaler Impulse wurde- und weiterhin werden wird. Dass dies zum Guten wie hin zum Üblen ausschlagen kann, lehrt die Geschichte. Das kommende Jahr der 5, das Jahr 2022, wird auf Jahre hin die Gestalt Europas (neu) bestimmen. Das Horoskop, das natürlich auf jeden beliebigen Ort global bezogen werden kann, scheint aber eher eine Situation der Schwäche physischer wie psychischer Passivität anzuzeigen, so dass, was sich dort neu formieren mag, eher einen bloß reaktiven, der Not gehorchenden Stempel trägt.

Neuner 1964-1973

Das nachstehende Horoskop ist das Neuner-Horoskop 1964, Bezug Paris. (Ich setze hier fort, was in den vorhergegangenen Beiträgen thematisiert wurde.) Das Thema der Neun Sterne ist hier natürlich nicht in Kürze abzuwickeln, es soll bei Hinweisen bleiben. Näheres findet sich im Online-Text (M.Keller/K.Wessel) über die Neun Sterne, abrufbar unter „Materialien“ im Forum Astrologisch eu. (Der Text ist in Überarbeitung und wird in Kürze auch hier abrufbar sein.) Auch dieses Text kann hilfreich sein, will man mehr über die Neun Sterne erfahren: http://www.baytallaah.com/bookspdf/39.pdf

Zur Erinnerung: die 60er Jahres waren turbulent – Revolten, sexuelle Revolution, Bürgerrechtsbewegungen, der aufkommende Feminismus, Pop-Kultur, Hippies…Ein Zentrum der Umbrüche, gewissermaßen der europäische Kristallisationspunkt, war Paris, wo es im Frühjahr 1968 zur Mai-Revolte kam, die Staat und Regierung in eine schwere Krise stürzte. Die Uranus-Pluto-Konjunktion, die wesentlich die genannten Entwicklungen verursachen und beschleunigen sollte, wurde 1965/66 exakt, ging aber bereits in das hier abgebildete Neuner mit ein. Die Umbrüche, zu denen es weltweit kam, wirken bis in die Gegenwart hinein. Sie betrafen vor allem auch die Sozialstrukturen und die Arbeitswelt, entsprechend den in der Jungfrau angelegten Themen. Nicht zuletzt kam es hier zu einem Angriff auf die tradierten Hierarchien in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Beziehen wird das Horoskop auf Bonn, den damaligen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland, so findet sich der AC präzise auf Pluto. Weniger „brachial“, dafür aber langfristiger wirksam waren die gesellschaftlichen Veränderungen in der noch jungen deutschen Republik: das Aufbrechen des Verdrängten, das Aufkommen der „kritischen Generation“ – nicht zufällig war Theodor Adorno (Sonne und AC in der Jungfrau) die zentrale Gestalt der aufs Neue inszenierten Aufklärung. Es beginnt die Zeit des steten „Diskurses“, der „Herrschaft der Intellektuellen“, was durch den Skorpion-Mond (der „destruktive Zweifel“) als Regent über Haus 11 im dritten Haus recht klar abgebildet erscheint. (In der klassischen Astrologie heißt es, der Mond habe seine „Freuden“ im dritten Haus.)

Es ist oft aufschlussreich – ich folge da der vedisch-indischen Tradition – das Zeichen des Mondes als erstes Haus zu nehmen (dann gilt: Zeichen = Haus – wie in den Ganzzeichenhäusern). Aus dieser Perspektive findet sich die Uranus-Pluto-Konjunktion im elften Haus. Dies gilt nun global, und tatsächlich blieb kein Kontinent, kaum eine Nation von den massiven Brüchen und Verwerfungen verschont – man denke etwa an die 1966 einsetzende, so destruktiv wirkende „Kulturrevolution“ in China.

„Neuner“

Zu den im Eingangsbeitrag erwähnten Neunern – sie seien einmal der Einfachheit halber so genannt: Sie setzen ein mit dem Sonnenstand auf 15:00 Wassermann – steht die Sonne dort, dann haben wir, sofern wir darauf ein Horoskop erstellen, ein Wassermann-Oktilogramm vor uns – kurz OG. Näheres findet sich in meinen Beiträgen u.a. im APZ-Forum, siehe auch den entsprechenden Beitrag bei AstroWiki – Stichwort „Oktilogramm“.

Das laufende Neuner begann mit dem Jahr 2018, also mit dem Wassermann-OG jenes Jahres. Es hat Wirksamkeit bis Anfang Februar 2027. Warum ausgerechnet 2018? Nun, das ist vorgegeben durch die in China und Japan bewahrte Tradition. Derzufolge setzte 1955 ein 9 mal 9 Jahre währender Großzyklus ein: 1955 – 1964 / 1964 – 1973 / 1973-1982 … (Tatsächlich begann 1955 ein noch umfassenderer Zyklus, der von 9 mal 81 Jahren, was an dieser Stelle nicht weiter berücksichtigt wird.) Jedes Jehrnenut hat eine spezifische Grundprägung. Erstelle ich das Horoskop eines „Neuners“, dann ist dieses Horoskop in sich ein Ganzes, es bedarf nicht einer weitergehenden Kenntnis des Systems des Neun-Sterne-Ki’s. Gleichwohl erhalte ich oft eine bessere Orientierung, wenn ich den Blick auf die dort angelegten Grundthemen richte. Jedes der Jahrneunte ist im Kern bestimmt durch eines der acht Trigramme, welche in ihren Kombinationen die 64 Hexagramme des I Ging bilden. Das Jahrneunt der zeitlichen „Mitte“ ist unabhängig von den Trigrammen – es ist das Zentrum des universellen Diagramms des Lo Shu. Das Neuner, welches sich im Eingangsbeitrag findet, bestimmte wesentlich die Zeit von 1784 bis 1793. Es wurde geprägt durch das Trigramm Kan, das „Abgründige“. Es war das letzte Neuner der Epoche, die 1712 einestzte und 1793 von einem neuen Großzyklus abgelöst wurde.

Das jetzige, seit 2018 wirksame Neuner ist wesentlich bestimmt durch das Trigramm Kun – die „Erde“, das „Empfangende“. Eine nähere Beschäftigung mit diesem Trigramm erleichtert den Zugang zum Verständnis des laufenden Jahrneuntes. Kun ist Yin-geprägt, „weiblich“. Aus R.Wilhelms berühmten Buch über das I Ging: „Das Empfangende bedeutet die Erde. Sie sorgt dafür, dass alle Wesen ernährt werden. Darum heißt es: ‚Er lässt sie einander dienen im Zeichen des Empfangenden‘.“ So wird man annehmen dürfen, dass ein wesentliches Thema des laufenden Jahrneuntes das der „Versorgung“ ist – was im engeren Sinne zunächst den Bereich der landwirtschlichen Produktion bedeutet – und möglicherweise auch die dort sich abzeichnenden (notwendigen) Neuformierungen. Zu den Grundqualitäten des Trigramms Kun zählt die Tradition auch das Thema der „Sparsamkeit“. Diese mag sich erzwungenermaßen einstellen (dank der Verknappung der Ressoucen), sie mag sich aber auch entwickeln durch die kollektive Einsicht in die ökonomischen und ökologischen Notwendigkeiten. Dann aber ist auch das Thema des „Volkes“ , der „Menge“ wesentlich durch dieses Trigramm gegeben. Hier können sich die Schattenseiten des Trigramms ergeben. Das letzte Jahrneunt, welches durch Kun bestimmt war, war die Zeit von 1937 bis 1946, die unheilvollsten Jahre des vergangenen Jahrhunderts. „Kun“ beinhaltet auch die Form, die Formung des Volkes zum „Kollektiv“. Mithin ist hier die Gefahr der totalitären Vereinnahmung des „Volkswillens“ gegeben.

Start

Ein Blog – ich weiß: es gibt deren reichlich.
Dieser kommt schmucklos daher, gibt sich eher karg, verzichtet auf bildliche Aufhübschung.
Die einzigen Bilder, die hier erscheinen werden, sind Horoskopabbildungen.

So z.B. die untenstehende. Das ist ein Neunjahreshoroskop, basierend auf den Rhythmen des Neun-Sterne-Ki-Systems, auf das ich in der Folge häufiger zurückgreifen werde. Das hier abgebildete „Neuner“ erfasst die Zeit von Februar 1784 bis Februar 1793, mithin die Vorgeschichte sowie die ersten Phasen der Französischen Revolution. Im Außenring sehen wir eine spezifische Direktion: sie ist auf den Tag der Proklamation der Republik (21.09.1792) berechnet. Sonne und Jupiter befinden sich auf dem ersten Grad Wassermann, Jupiter ganz exakt auf 00:00 Grad dort – das Ende der Monarchie ist gekommen. Der erwähnte Direktionsschlüssel ist der Wert 40: mit diesem „megagroßen“ Wert wird das Neuner in der Zeit seiner Wirksamkeit (so gut wie ganz) exakt durchlaufen. Weitere Beispiele und Überlegungen sollen folgen.

Schreiben war mir schon immer ein Bedürfnis, es zwingt zum Nachdenken und bewahrt (meistens) vor allzu leichtfertigen Schlüssen.