„Neuner“

Zu den im Eingangsbeitrag erwähnten Neunern – sie seien einmal der Einfachheit halber so genannt: Sie setzen ein mit dem Sonnenstand auf 15:00 Wassermann – steht die Sonne dort, dann haben wir, sofern wir darauf ein Horoskop erstellen, ein Wassermann-Oktilogramm vor uns – kurz OG. Näheres findet sich in meinen Beiträgen u.a. im APZ-Forum, siehe auch den entsprechenden Beitrag bei AstroWiki – Stichwort „Oktilogramm“.

Das laufende Neuner begann mit dem Jahr 2018, also mit dem Wassermann-OG jenes Jahres. Es hat Wirksamkeit bis Anfang Februar 2027. Warum ausgerechnet 2018? Nun, das ist vorgegeben durch die in China und Japan bewahrte Tradition. Derzufolge setzte 1955 ein 9 mal 9 Jahre währender Großzyklus ein: 1955 – 1964 / 1964 – 1973 / 1973-1982 … (Tatsächlich begann 1955 ein noch umfassenderer Zyklus, der von 9 mal 81 Jahren, was an dieser Stelle nicht weiter berücksichtigt wird.) Jedes Jehrnenut hat eine spezifische Grundprägung. Erstelle ich das Horoskop eines „Neuners“, dann ist dieses Horoskop in sich ein Ganzes, es bedarf nicht einer weitergehenden Kenntnis des Systems des Neun-Sterne-Ki’s. Gleichwohl erhalte ich oft eine bessere Orientierung, wenn ich den Blick auf die dort angelegten Grundthemen richte. Jedes der Jahrneunte ist im Kern bestimmt durch eines der acht Trigramme, welche in ihren Kombinationen die 64 Hexagramme des I Ging bilden. Das Jahrneunt der zeitlichen „Mitte“ ist unabhängig von den Trigrammen – es ist das Zentrum des universellen Diagramms des Lo Shu. Das Neuner, welches sich im Eingangsbeitrag findet, bestimmte wesentlich die Zeit von 1784 bis 1793. Es wurde geprägt durch das Trigramm Kan, das „Abgründige“. Es war das letzte Neuner der Epoche, die 1712 einestzte und 1793 von einem neuen Großzyklus abgelöst wurde.

Das jetzige, seit 2018 wirksame Neuner ist wesentlich bestimmt durch das Trigramm Kun – die „Erde“, das „Empfangende“. Eine nähere Beschäftigung mit diesem Trigramm erleichtert den Zugang zum Verständnis des laufenden Jahrneuntes. Kun ist Yin-geprägt, „weiblich“. Aus R.Wilhelms berühmten Buch über das I Ging: „Das Empfangende bedeutet die Erde. Sie sorgt dafür, dass alle Wesen ernährt werden. Darum heißt es: ‚Er lässt sie einander dienen im Zeichen des Empfangenden‘.“ So wird man annehmen dürfen, dass ein wesentliches Thema des laufenden Jahrneuntes das der „Versorgung“ ist – was im engeren Sinne zunächst den Bereich der landwirtschlichen Produktion bedeutet – und möglicherweise auch die dort sich abzeichnenden (notwendigen) Neuformierungen. Zu den Grundqualitäten des Trigramms Kun zählt die Tradition auch das Thema der „Sparsamkeit“. Diese mag sich erzwungenermaßen einstellen (dank der Verknappung der Ressoucen), sie mag sich aber auch entwickeln durch die kollektive Einsicht in die ökonomischen und ökologischen Notwendigkeiten. Dann aber ist auch das Thema des „Volkes“ , der „Menge“ wesentlich durch dieses Trigramm gegeben. Hier können sich die Schattenseiten des Trigramms ergeben. Das letzte Jahrneunt, welches durch Kun bestimmt war, war die Zeit von 1937 bis 1946, die unheilvollsten Jahre des vergangenen Jahrhunderts. „Kun“ beinhaltet auch die Form, die Formung des Volkes zum „Kollektiv“. Mithin ist hier die Gefahr der totalitären Vereinnahmung des „Volkswillens“ gegeben.

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