Prognosen…

Prognosen … für den einen der Prüfstein der Astrologie, für den anderen ein vermintes Gelände, das zu betreten er sich hüten wird, für andere wiederum  eine mit allzuviel Unwägbarkeiten geschlagene Disziplin… Und dann gibt es Astrologen von Rang, die jede Form der Prognostik aus grundsätzlichen,  gar ethischen Gründen ablehnen – unter ihnen u.a. Thomas Ring, dem es gewiss nicht an der gebotenen Sachkenntnis  gefehlt hätte. (Sein Werk droht, völlig zu Unrecht, in Vergessenheit zu geraten – da ist es gut, dass das Werk, darunter die vierbändige „Astrologische Menschenkunde“ – kostenfrei online verfügbar ist.) Das Lesen der „seeds of time“ – so nennt McBeth die Kunst der drei Hexen, deren Prognosen ihn ins Verderben ziehen werden – galt und gilt vielen als unzulässige Bemächtigung und Dienstbarmachung der Zeit für eigene Zwecke. Ich finde, jede dieser Positionen sollte respektiert werden (nicht die der Hexen, wohlgemerkt).

Ich war in der Astrologie noch ein Frischling, das war ca. 1986/87, da habe ich den Kollaps des Ostblocks für 1989 vorhergesagt – damit Heiterkeit und Ungläubigkeit ausgelöst. Warum konnte ich das? Ich war ein „tumber Tor“, mir reichten einige wenige Ingresse. Das war kein Grund für Selbstbelobigung, als es dann so weit war – denn das war einfach die Folge einer  gehörigen Portion an Naivität gewesen. Das war eine Unschuld, die irgendwann verloren ging – mit zunehmender Kenntnis der Materie, paradoxerweise.

Mitunter wird aufgelistet, wer wann die richtigen, wer die falschen Prognosen gemacht hat, spezfisch wenn es um mundanes Geschehen geht. Das ist ein auf die Dauer wenig ergiebiger Wettbewerb – es sei denn, es lässt sich sachlich begründen, warum die Prognose hier richtig, dort falsch lag. Leider fehlt es dann oft an der gebotenen Reflexion.

So haben nicht wenige, auch „namhafte“ Astrologen, für das Frühjahr 2020 die Demission A.Merkels vorhergesagt – ihre Popularitätswerte seien im Keller. Nun, sie, die Werte, sind in diesen Tagen höher als noch vor ein paar Jahren, auch die ihrer Partei, der schon ein SPD-Schicksal in Aussicht gestellt worden war.  Die genannten Prognosen bezogen sich wesentlich auf die in der Tat schwierigen Transitaspekte, denen sich die Kanzlerin zu stellen hatte. Sie ist- jedenfalls bislang – nicht daran zerbrochen –  sie hat die Herausforderungen (in den Augen der Mehrheit der Bevölkerung) meistern können. Dies ist nun kein Grund, die Qualifikation der eben erwähnten Astrologen in Zweifel zu ziehen, die gewiss auf langjährige Erfahrungen zurückblicken können, gewiss auch auf eine Reihe stimmiger Prognosen. Doch man erinnere sich an die vielen falschen Prognosen, den Brexit betreffend, auch und gerade die letzten US-Präsidentschaftswahlen.

Woran liegt dies? Zum einen: Immer wieder schleichen sich in suggestiver Weise subjektive Erwartungshaltungen (Hoffnungen, Befürchtungen, falsche Gewissheiten…) mit ein und üben einen nachteiligen Einfluss aus. Dann: Spätestens seit dem Berliner Mauerfall sollte eigentlich bekannt sein, dass die Geschichte zuweilen unversehens dem Unerhörten, dem gänzlich Unerwarteten eine Bresche schlägt. Mal feiert sie ihre (leider seltenen) Feste, mal (leider derzeit häufiger) schlägt sie uns mit  gänzlich unerwartetem Unheil. – Fazit: Nie war es schwieriger als in Zeiten der großen Unübersichtlichkeiten, mundane  Prognosen zu geben. – Übrigens: Manchmal bedarf es keiner Astrologie, da reicht ein klarer Kopf und eine unvoreingenommene Sichtung der Dinge. So hat Bill Gates vor einigen Jahren vor der Wahrscheinlichkeit bevorstehender Panepidemien gewarnt. Doch selbst die Vorhersage eines weltweit bekannten Prominenten war hier in den in den Wind gesprochen.     

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