Astrologische Zuordnungen von Sprachen

Mancher unterliegt ja gelegentlich dem Zwang, „alles und jedes“ astrologisch „zuordnen“ zu müssen. Begreiflich – schließlich schult dies ja auch die Wahrnehmung. Schon in der Antike wurden Länder – besser vielleicht: Regionen astrologisch zugeordnet. Manches ist schon damals unterschiedlich gesehen worden, manches ist bis in die Gegenwart geblieben – so z.B. die Gleichung Germania/Deutschland=Widderland. Nicht selten aber wird dann manches vermischt was besser getrennt werden sollte. So ist die Sprache einer Region oft oder gar meist nicht dem Zeichen zuzuordnen, das gemeinhin als bestimmend für das Land gilt. Dieser Differenz nachzugehen, kann übers bloße Kategorisieren hinausgehen. Sprachen werden oft leichtfertig etikettiert: leicht-schwer, schön-unschön … dabei aber wird oft Sprache aufs bloße Phonologische, den Lautcharakter reduziert. „Französisch ist schön -Deutsch hässlich“ etc. – Deutsch ist nicht die Sprache des Widders (die traditionelle Landeszuordnung), sondern steht eindeutig unter der Regie des Steinbocks. Daher gerade die für das Ohr des Nichtdeutschen so prägnante, nicht selten unangenehme Härte des Deutschen – eine Härte, die im Mittelhochdeutschen gemildert war (man denke an die Dichtungen der Minnesänger), mit dem Ausklingen des Mittelalters dann aber zunehmend vernehmbarer wurde. Interessant ist es, einem Deutsch sprechenden Italiener zu hören. Auch wenn er das Deutsche gut beherrscht, wird es ihm (unbewusst) widerstreben, ein Wort mit einem harten Konsonant zu schließen – was ja für das Deutsche charakteristisch ist. Er, der Italiener, wird, kaum vernehmlich, eine leichte Vokalisierung vornehmen (die einen reizenden Akzent erbringen wird), die unangenehme Härte des Konsonanten vermeidend. Ähnlich auch das Französische: „Il pleure dans mon coeur comme il pleut sur la ville….“ Offenkundig haben die romanischen Sprachen, vor allem das Französische, eine lunare Färbung, die dem Deutschen abgeht – obwohl doch gerade den Deutschen die romantisch-lunare Gefühlsstimmung nachgesagt wird. Dabei ist Frankreich unstreitig das Land des Löwen – da herrscht ein klarer Konsens.

Was nun die „Verhärtung“ zum Konsonantischen angeht: Diese Entwickung hat sich in den anderen germanischen Sprachen, so z.B. im Niederländischen, im Dänischen oder im Schwedischen nur in verhaltenerer Weise durchgesetzt. Dies gilt auch für das Englische – auch hier tendiert die Sprache dahin, den Auslaut nach Möglichkeit zu „mildern“. England wird der Achse Steinbock-Krebs zugeordnet („My home is my castle.“). Die Sprache indessen, zur Weltsprache avanciert, scheint deutlich stärker von der Achse Zwillinge-Schütze geprägt zu sein. Im Gegensatz zum Deutschen sucht die englische Sprache das „Linking“, damit einen „Flow“ erzeugend, der dem Deutschen abgeht. Typisch ist der Drang zur Verbalisierung des Nomens – erkennbar u.a. im Gerund und in den Partizipialkonstruktionen. Es heißt ja, dass derjenige das Englische hinreichend beherrsche, der die Progressivformen in der richtigen Weise anwende. Der Zug in die Verbalisierung aber gibt dem Englischen einen entschieden dynamischen Impuls. Es wird erkennbar, wie es diesem Land möglich war, mit vergleichsweise geringen Mitteln ein weltumspannendes Imperium aufzubauen. – Das Deutsche dagegen tendiert hin zur „Sachlichkeit“, zur Konkretion, zur genauen Begrifflichkeit, dies verbunden mit dem Zug ins Nominale – der genaue Gegensatz zum Englischen also. Dementsprechend neigt das Deutsche dazu, das Verb nach hinten, oft gar ans Satzende zu verschieben – was das Erlernen der Sprache nicht eben erleichtert. Dass hier die Gefahr der „Verholzung“ – Steinbock – gegeben ist, ist vielfach beschrieben und auch beklagt worden. Die erwähnten Partizipialformen im Englischen haben einen dynamischen Charakter, im Deutschen einen „statischen“. Auch die berühmt-berüchtigten Schachtelsätze, die sich nicht nur im Amtsdeutsch finden, sind Ausdruck der (überzogenen) Nominalisierung.

Andererseits: kaum eine andere Sprache verfügt über einen solchen Reichtum der Wortbildung wie die deutsche, positiv gesehen Ausdruck des Drangs in die sprachliche Präzisierung (wiederum Steinbock!) – gemeint sind die berühmten Compositabildungen (deren Schattenseite indessen die Überlänge mancher Nomen ist). Und wohl nur wenige Sprachen sind, was die Möglichkeiten der Syntax angeht, so flexibel wie das – nur auf den ersten Blick – „steif-verhärtete“ Deutsch. Und es ist gewiss kein Zufall, dass etliche der bedeutenden Philosophen von Weltrang Deutsche bzw. Deutsch Schreibende waren: Kant, Fichte, Schelling. Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Wittgenstein, Heidegger…

T.S.Eliot / Waage

„Waage“ hat sowohl mit Wiegen im Sinne von Abwiegen und Abwägen zu tun – und mit Wagen, dem Wagnis. Dies prägt wesentlich die Dichtung von T.S.Eliot – hier mit den GZH:

So ein Blog wie dieser ist ja letztlich fast ausschließlich ein Selbstgespräch. Ähnlich aber das erste große Gedicht von T.S.Eliot – mit nur 27 Jahren, 1915, veröffentlicht – und ohne jeden Zweifel ein Schlüsselgedicht des XX. Jahrhunderts: „The Love Song of J. Alfred Pufrock“. (Es gibt Texte, die lassen einen ja über Jahrzehnte nicht los…mit diesem hatte ich mich schon im Studium zu befassen.)

Der gesamte Text ist mühelos mehrfach zu finden im Netz, u.a. auch eine Lesung des Autors selbst auf Youtube. Die Schlusszeilen des Gedichtes – sorry, kein echter Zeilenbruch:

„I grow old . . . I grow old . . .

I shall wear the bottoms of my trousers rolled. /  Shall I part my hair behind? / Do I dare to eat a peach? / I shall wear white flannel trousers, and walk upon the beach. / I have heard the mermaids singing, each to each. /

  I do not think they will sing to me.  

I have seen them riding seaward on the waves / Combing the white hair of the waves blown back / When the wind blows the water white and black.  / We have lingered in the chambers of the sea / By sea-girls wreathed with seaweed red and brown / Till human voices wake us, and we drown.“

Sorry, das kann man einfach nicht übersetzen – da geht der berühmte „Flow“ des Englischen komplett verloren.

Jahresregent Saturn, Stunde Mond… für T.S.Eliot war es die Vergangenheit, die Oberhand gewann über die Gegenwart- „past superior to present“. Eliot ging es um das Thema Zeit und Ewigkeit, das Ringen um die Wiedergeburt des Geistes und Aussöhnung mit den Ansprüchen und Forderungen der Vergangenheit. Aber er hätte es leichter gehabt, wäre er ein schlichter Mann von gestern gewesen, ein Konservativer der alten Schule – aber das Entscheidende: Eben dies war er (auch) nicht. „…like a patient etherized upon the table…“ – gemeint ist der Abend (oder das Ich selbst?), dessen Eichendorffscher Blütenschimmer von keinem Himmel mehr still geküsst wird. Weder Romantik noch „Realität“. Er ist ein Unzeitgemäßer, wie es ihn häufiger gab in den ersten Jahrzehnten des XX. Jahrhunderts (und wie es ihn gerade in diesen Jahren wieder zu geben scheint) – siehe die oben eingebrachten Schlusszeilen: Der Versuch, Zuflucht in den Bildern der romantischen Tradition zu finden scheitert – die „mermaids“ bekümmern sich nicht um ihn – und es sind dann die „human voices“ des Hier und Jetzt, die ihn ertrinken lassen. Er findet hier wie dort kein Zuhause. „Der unbehauste Mensch“, das war mal eine Metapher für den Menschen des letzten Jahrhunderts.

Saturn ist in der Waage erhöht – und – der Hinweis sei erlaubt – indisch-vedisch aspektiert er das erste Haus, legt seinen Schatten darüber. Sonne wie Mond stehen in Luftzeichen – Alles und Jedes hat sich der mentalen Diagnose zu stellen – mit der Folge, dass es allzu oft nicht reicht zum finalen Entschluss. So fehlt es auch nicht an komischen Elementen: „Do I dare to eat a peach?“ – Too much of a good thing – mit Blick auf das massive erste Haus,- welches dem ständigen Wiegen-Abwägen ausgesetzt ist “ : … time for a hundred indecisions…“ Wie ein roter Faden zieht sich die „overwhelming question“ durch das Gedicht – und oft genug sind es nicht die wirklich „existentiellen“ Fragen, sondern die des trivialen Alltagsgeschehens, die dem Ich des Gedichtes den Weg ins Dasein verstellen. Der Rahmen des Gedichtes ist offenbar eine Art großbürgerliche Party – das wird immer nur angedeutet- und es will dem Autor dank seiner Verzagtheiten nicht gelingen, den Schritt aus seiner Reflexionsfalle zu tun, er hat keine Beziehungsfähigkeit entwickeln können, unterliegt dann – wiederum die Waage – dem steten vergeblichen Drang, am Ende doch zu eben dieser Beziehungsfähigkeit zu gelangen.

Zum Schluss des Gedichtes – das Ertrinken des Ichs: In der Wage haben die Fische ihre „Ausfließen“ (siehe F.Frickler) – die Waage ist das achte, „finale“ Haus der Fische. Das Thema des Ertrinkens wird übrigens aufgegriffen in Eliots wohl wirkmächtigstem Langgedicht, „The Waste Land“.

Nachtrag: Nun fand ich doch eine, wie mir scheint, gelungene Übersetzung – hier aber nur der oben wiedergegebene Schluss:

Ich will weiße Flanellhosen tragen und wandern am blauen Meer. / Ich höre die Meermädchen singen, hin und her. / Ich glaube nicht, dass ihr Gesang mir gilt. / Ich sah sie meerwärts auf den Wellen reiten / und kämmen weißes Wellenhaar im Flug, / Als Wind das Wasser weiß und schwarz zerschlug.

In Meergewölben ward uns Aufenthalt / Bei Meermädchen in rotbraunen Seetangs Winken, / Bis Menschenlaut uns weckt, und wir ertrinken.

(Übersetzung K.G.Just)

Thomas Ring -tropisch/indisch

Was die Transsaturnier angeht, ist unter indisch-vedischen Astrologen die Meinung geteilt. Der eine nimmt sie als Ergänzung, der andere schenkt ihnen keine Beachtung. Beide Seiten können stichhaltige Argumente ins Feld führen. Ich nehme sie, die Transsaturnier meist hinzu, wenn ich ein Horoskop „indisch“ betrachte – aber erst, nachdem ich versucht habe, dem Horoskop allein auf der „klassischen“ Ebene auf die Spur zu kommen.

Über die Möglichkeit der vedischen Astrologie auf der Grundlage des tropischen Tierkreises (wie u.a. von Ernst Wilhelm angeregt und praktiziert) habe ich hier schon an anderer Stelle geschrieben. (Siehe dazu auch die lesenswerten Beiträge im Astrologie-Blog Starfish.)

Unbestritten ist Thomas Ring (28.11.1892, Nürnberg 18:00 LMT) einer der bedeutendsten deutschen Astrologen des vergangenen Jahrhunderts, für nicht wenige gar der bedeutendste. Ihm verdanke ich, dass ich näheren Zugang zur Astrologie fand. Leider werden seine Bücher nicht mehr aufgelegt, seine Begrifflichkeit gilt als „schwierig“ – möglicherweise der Grund dafür, dass er (meines Wissens) nie in andere Sprachen übersetzt worden ist. Dankenswerterweise aber hat man sich entschlossen, seine wichtigsten Titel online verfügbar zu machen, darunter sein Hauptwerk, die vierbändige „Astrologische Menschenkunde“ – kostenfrei aufzurufen im „Astrodienst“.

Gelegentlich ist zu hören, Th.Ring habe seine Astrologie fälschlicherweise als „traditionell-klassische“ ausgegeben. Gemeint ist u.a., dass er wenig Bezug auf die klassischen Würden genommen habe. Richtig aber ist, dass Th.Ring den Begriff „klassische Astrologie“ kaum je verwendet hat, er sprach von der „revidierten Astrologie“.

Untenstehend das Horoskop mit der Dispositorenstruktur – Th. Ring, der den Begriff „Dominantenverkettung“ verwendete, hat diese gerne berücksichtigt (Näheres u.a. in Band III der „Astrologischen Menschenkunde“). In diesem Horoskop sind es Mars und Jupiter, die „oben“ in der Sequenz der Verkettung stehen. Beide stehen in wechselseitiger Rezeption, was einen guten Zugang zum Verständnis des Horoskops an die Hand gibt. Mars ist aus vedischer Sicht für einen Krebs-Aszendenten der günstigste Planet (er herrscht über die Häuser fünf und neun). Hinzu kommt, dass beide, Mars wie Jupiter, im Zeichen eines Freundes stehen. Wir haben damit ein mächtiges Raja-Yoga vor uns, ein sicherer Hinweis darauf, dass es hier zu herausragenden Leistungen kommen konnte.

Weniger bekannt ist, dass Ring auch auf dem Felde des Künstlerischen, der Malerei, Bemerkenswertes schaffen konnte – siehe u.a. die Venus im fünften Haus, aus dem Kendrahaus (=Kardinalhaus) vier kommend. Eine Reihe weiterer Yogas in diesem Horoskop könnte hier aufgezeigt werden. An dieser Stelle soll nur auf das Viparita-Yoga hingewiesen werden, das sich hier durch den Herrscher über Haus 12 in Haus 6 ergibt: Erfolg nach ertragenen Schwierigkeiten oder gar Schicksalsschlägen (traumatische Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg, als Kriegsgefangener in Großbritannien wegen „Meuterei“ zum Tode verurteilt, dann begnadigt, Tod der ersten Ehefrau infolge schlechter Versorgung in französischer Deportation nach Ende des II. Weltkrieges).

Ein Wort noch zu Saturn erhöht in der Waage im vierten Haus: das ist ein sog. Sasa-Yoga. Da heißt es, der Native entwickle Autorität und Strenge aus der Erfahrung von Ängsten heraus. In der Tat: Ring macht es sich in seinen Büchern nie leicht – mitunter scheint er gar zu „ringen“ – wenn das zugestanden etwas saloppe Wortspiel hier erlaubt ist. Bezeichnenderweise geht Ring in der „Astrologischen Menschenkunde“ wiederholt auf analoge saturnische Anfechtungen ein. Da aber Saturn einen Aspekt des Wohltäters Jupiter erhält – verstärkt durch die Regentschaft Jupiters über Haus neun – blieben dem Nativen selbstdestruktive Tendenzen wohl erspart.

Bezeichnend ist, dass Ring immer auf die von ihm so genannte „Aussagegrenze“ (Saturn!) verwies, dort wo es um die astrologische Aussagegrenze ging. Dementsprechend zeigte er sich jeder Prognose gegenüber skeptisch bis ablehnend.

Th.Ring wurde fast 91 Jahre alt – eine Lebenszeit, die der Mehrheit der Männer meist verwehrt bleibt ( Frauen haben bekanntlich ein im Schnitt längeres Alter). Auch hier dürfte Saturn maßgeblich beteiligt gewesen sein. Es heißt, Saturn als Herrscher über Haus acht in einem Kardinalhaus im Domizil oder erhöht (wie hier gegeben) gewähre i.d.R. ein vergleichsweise langes Leben.

Die Lektüre Th.Rings lohnt nicht zuletzt der tiefreichenden Bildung des Autors wegen (was nichts zu tun hatte mit den bourgeoisen Etiketten „schöngeistiger Bildung“) und wegen ihres ungewöhnlichen begrifflichen Differenzierungsvermögens.

Albrecht Dürer

Wie so oft: auch beim wohl bedeutendsten deutschen Künstler gibt es Probleme mit der Geburtszeit. Die Fahrlässigkeit, mit der über Geburtszeiten oft verfahren wird, ist frappierend, nicht selten gar deprimierend. Am unangenehmsten dabei ist der Fall von Nativitäten, von denen es keine verlässlich dokumentierten Uhrzeiten gibt, für die dann munter spekulative Zeiten notiert werden – und bedenkenlos kopiert werden. Gegen Vermutungen, auch Überzeugungen ist nichts einzuwenden – so lange wie sie als solche kenntlich gemacht werden – was leider allzu oft nicht der Fall ist. Dann werden Spekulationen allzu oft zu falschen Sicherheiten umgebogen – und über kurz oder lang finden sie sich in diversen Publikationen als „verifiziert“ wieder. Mitunter aber ist dann nicht einmal dieses Etikett angegeben. – In der Wissenschaft ein bekanntes Phänomen: die Multiplikation von Fehlern. Aber da pflegen ja manche Astrologen die Nase zu rümpfen – iiih, „Wissenschaft“.. Nun, ein wenig an Selbstdisziplin, was Daten angeht, wird man schon erwarten dürfen.

Das Horoskop Dürers – ist die Zeit verlässlich? Befragt man das Netz, so findet sich die Angabe „11 Uhr“ – eine Quelle sucht man dann vergeblich. Das führt dann zu einem Jungfrau-AC. Nach Th.Ring („Genius und Dämon“) ist die Zeit 10:20 Ortszeit verbürgt: „..laut Angabe des Vaters und der Berechnung von Lorenz Behaim..“ Nun, auch das gibt nicht die letzte Sicherheit. Immerhin aber haben wir es mit einem Rückgriff auf eine klar benennbare Dokumentierung zu tun.

Es soll nun davon abgesehen werden, die Geburtszeit zu „verifizieren“. – Was mich hier interessierte: das Thema der Doppelregentschaft. Ich halte nun einmal fest an der klassischen Dipsositorenlehre (und halte es für einen schweren Fehler, diese kurzerhand als „überholt“ zu entsorgen).

Dahinter steht, zugestanden, auch die persönliche Situation – in meinem Fall sind die „Lichter“ beide vom Mars beherrscht, und dessen Situation stellt einen Schlüssel zum Verständnis meines Horoskopes dar (was nun für den Leser weiß Gott kein Grund sein muss, dem näher nachzugehen). Zum Thema Doppelregentschaft: bei Dürer regiert Merkur den mit vier Planeten besetzten Zwilling, dort vor allem auch Sonne und Mond. Zudem ist er der Dispositor des Jupiters- des „Lebensoptimums“ schlechthin. Merkur findet sich in Haus 10 in Konjunktion mit dem MC. Da mag der (wohl überflüssige) Hinweis genügen, dass Dürers größte Errungenschaften sich in seinem graphischen Werk finden.

Merkur auf 18 Grad Stier – damit engstens liiert mit der deutschen Schicksalsachse 17-18 Grad Stier/Skorpion. Kein Wunder, dass er zum deutschesten aller deutschen Künstler erklärt wurde – dem einen recht, dem anderen ein Graus. Nun, sein Rang als Künstler mit Weltgeltung ist so oder so gegeben. – Wie dem auch immer sei: Es lohnt sich, diesen Doppelregentschaften nachzugehen.

X und sein/ihr Land/Staat

Will man den wechselseitigen Bezüge zwischen einem Land und einem dort „mundan“ Wirkenden nachgehen, dann pflegt man üblicherweise den Blick auf die synastrischen Verbindungen zu richten. Ohne Frage zeigen sich hier markante Themen („Welche Aspekte bilden sich?“ etc). Was nach meinen Erfahrungen weitere Aufschlüsse erbringt: Ich nehme das entsprechende Staatshoroskop und berechne für den Tag der Geburt des Nativen die Tertiärprogressionen I (TP I – manchmal auch Tertiärdirektionen genannt, obwohl der andere Begriff der korrektere ist). Die Regentschaft von Königin Elisabeth II. von Großbritannien neigt sich dem (baldigen?) Ende zu. Auch wenn mancher sich als ihren Nachfolger Prinz William wünscht: Es wird wohl dessen Vater sein, der, wenngleich schon über die 70, es sich nicht nehmen lassen wird, britischer Monarch zu werden. Spekulationen darüber, wann dies sein mag, sollen hier unterbleiben.

Ein Blick auf die TP I von Großbritannien (1.1.1801, 0:00 Ortszeit, London) für den 14.11.1948, Tag der Geburt von Prinz Charles:

(Häuser Porphyrios: gleich große Häuser in den einzelnen Quadranten)

Die öffentliche Wahrnehmung des Prinzen wird für immer verbunden sein mit der gescheiterten Ehe Charles-Diana – auch wenn mit zunehmendem zeitlichen Abstand wo nicht Vergessen, so doch längst zumindest Nachsicht eingesetzt hat. Wir sehen eine präzise SA-UR-Konjunktion in der Waage in scharfer Opposition auf Venus. Saturn-Uranus: die Trennung aufgrund von Disharmonie und Unvereinbarkeit. Charles soll schon wenige Wochen nach der Hochzeit in zutiefst depressiver Stimmung im engeren Freundeskreis gesagt haben, er habe mit der Eheschließung den größten Fehler seines Lebens gemacht. Interesssant scheint mir auch, dass Mars und Venus beide im Exil stehen – aber dank wechselseitiger Rezeption in verdeckter – problematischer – Konjunktion stehen. Dass die Ehe nicht auf Rosen gebettet war, gelangte alsbald in die öffentliche Wahrnehmung (das besorgte in aller Schärfe die jegliche Initimität missachtende Yellow Press des Landes – siehe hierzu die Mars-Merkur-Konjunktion im dritten Haus).

Die Stimmigkeit dieser Horoskope erweist sich nicht zuletzt darin, dass sie auf Transite ansprechen. So auch hier: Im Dezember 1992 wurde die Krise zum öffetlichen Skandal. Damals stand Saturn auf dem AC, Pluto stand in präziser Konjunktion mit dem Mond.

Charles ist „modern“ (AC) wie „konservativ“ (SA-UR – der konservative Rebell). So geißelte er wiederholt die moderne Architektur, und stieß damit manchen renommierten Architekten vor den Kopf. Zudem lässt er keinen Zweifel daran, dass er den monarchischen Traditionen treu bleiben wird. Andererseits gilt er als „progressiv“ in sozioökonomischer Hinsicht. Mancher fürchtet, dass diese Anlagen und Interessen in seine Regentschaft eingehen könnten, m.a.W., dass Charles die gebotene Neutralität nicht gebührend achten wird.

Ein weiteres Beispiel: USA (4.7.1776, AC 7,5 Grad Schütze – A.Lincoln):

Diese Horoskope können selbstverständlich nicht die sorgsame Betrachtung der jeweiligen Geburtshoroskop ersetzen. Auch sollte man diese TP-Horoskope nicht „überstrapazieren“, sich auf elementare Aussagen konzentrieren. Diese aber können klare Konturen die Relation des Nativen zu seinem Land betreffend aufweisen: So auch bei Abraham Lincoln. Im Wassermann-AC finden sich „Progressismus“ (unter Lincoln wurde die Industrialisierung des Nordens massiv forciert) wie auch der Gleichheitsgedanke – Lincoln verabscheute die Sklaverei zutiefst. Der Altregent des Wassermanns, Saturn, steht auf dem ersten Grad Skorpion im neunten Haus. Hier ist jemand von klar umrissenen Leitgedanken gesteuert, die (auch) verbindliche weltanschauliche Orientierung geben. Neuregent Uranus steht im vierten Haus – dort ist das Land gespalten. Indirekt ist Mars-UR (siehe Abb.) gegeben. Als der laufende Mars am 12.04.1861 das IC („das Innere des Landes“) erreichte, begann der Sezessionskrieg, der die Teilung des Landes erst vertiefte, dann überwand (wenngleich sich Wunden erhalten haben, die bis in die Gegenwart nachwirken).

Wallenstein vedisch-tropisch

Ich knüpfe an das am 10.05.2020 Geschriebene an (siehe dort, Thema „Aspekte indisch“). – Vedische Astrologie tropisch – „Ist das legitim?“ Nun, wie schon gesagt, nicht wenige vedische Astrologen tun dies, sie folgen Ernst Wilhelm, der auf die Quellenlage verweist, derzufolge in Indien urspünglich der tropische Tierkreis Verwendung fand. Das bedeutet nun aber nicht die definitive Abkehr vom siderischen Tierkreis. Dieser aber findet Anwendung nur dort, wo es um die Stellung der Planeten und des ACs in den Mondhäusern, den Nakshatras geht. Auch die wichtigste der planetaren Zeitrhythmen, die Vimshottari Dasas, bleiben erhalten (sie basieren auf den Nakshatras).

Das Horoskop Wallensteins hat nicht nur unter Astrologen Bekanntheit erlangt, auch die Biographen des berühmtesten Feldherrns des Dreißigjährigen Krieges pflegen darauf ausführlich einzugehen. Die Deutung des Wallenstein-Horoskops wurde auch deswegen so bekannt, weil kein Geringerer als Kepler sie niedergeschrieben hat (dies gleich zweimal).

Hier nun das Horoskop Wallensteins, in indisch-klassischer Weise (Ganzzeichenhäuser), ohne Transsaturnier, aber tropisch berechnet.

Eine ausführliche Deutung kann hier nicht erfolgen, es bleibt bei einigen Hinweisen auf das Augenfälligste.

„Er liebt es, bewusst oder nicht, mit kollektiven sozialen oder okkulten Kräften umzugehen, und er muss definitive materielle Ergebnisse sehen, wenn er zufrieden sein soll….“ Dies schreibt Dane Rudhyar („Der Sonne/Mond-Zyklus“) über den Glückspunkt im Stier. In Teilen der klassischen Astrologie (vor allem der hellenistischen) gilt die Berücksichtigung des Glückspunktes als elementar für die Gesamtdeutung. Er kann dann als ergänzender AC genommen werden. Dies bedeutet hier, dass der Herrscher des zweiten Hauses (gesehen vom Glückspunkt), Merkur, im Domizil steht und zudem durch Jupiter aspektiert wird, der gleichfalls im Domizil steht, und dies im elften Haus (wiederum gesehen vom Glückspunkt). Das elfte Haus aber ist aus indisch-vedischer Sicht das Haus (u.a.) des Gewinnstrebens.

Schon diese knappe Sichtung des Horoskops zeigt einen wesentlichen Teil der Biographie Wallensteins auf, der seinen Reichtum mit dem und durch den Krieg machte, in dem er als selbständiger Unternehmer agierte. Den ersten Schritt zum Wohlstand aber bildete die Heirat mit einer älteren, sehr vermögenden Witwe. Auch hier gibt der Glückspunkt Auskunft: der Herrscher über den Glückspunkt, die Venus, steht von diesem aus gesehen in Haus sieben. Der Großteil des Vermögens Wallensteins war sein bedeutender Grundbesitz. Wieder gibt der Glückspunkt Auskunft: er steht im Erdzeichen Stier im vierten Haus („Grund und Boden“).

(Ein Hinweis auf das Thema „Exil“ – dort finden sich Mars und Venus in diesem Horoskop: Die indisch-vedische Astrologie kennt den Begriff des Exils nicht – und wo sie dennoch den Blick darauf wirft, sieht sie hier keine wirklich gravierende Schwächung. Oft ist es in diesem Fall so, dass die Umwelt des Betreffenden dessen Aspirationen nur wenig an Unterstützung gewährt, und nicht selten wirkt der Native abseits seiner Heimat – so auch bei Wallenstein. Im Übrigen: ein exilierter Planet aspektiert ja aus indischer Sicht mittels Opposition sein eigenes Zeichen und stärkt dieses dadurch.)

Das dritte Haus ist in der vedischen Perspektive bestimmt durch die Themen „Mut“, „Initiative“, – eben „Courage“ (die Courage eines Wallensteins hatte diejenige der Brechtschen „Mutter Courage“ zur Folge). Dort regiert Mars – und er findet sich im „Gunst verleihenden“ neunten Haus. Aber natürliche Übeltäter im neunten Haus können sich nachteilig auf das Ethos des Nativen auswirken. Die in schwindelnde Höhen führende Karriere Wallensteins aber verdankt sich wohl vor allem der gegenseitigen Rezeption der Regenten über Haus 9 und 10. (ein „Adipathi-Yoga – ein kraftvolles Raja (=König)-Yoga.

Mars ist „Atmakaraka“ – d.h. der Planet, der den höchsten Grad im Zeichen erreicht, das „Selbst“ repräsentierend – ein zugestanden unscharfer Begriff, aber er dürfte gebunden sein an die „höchsten“ Aspirationen des Nativen – im Falle Wallensteins eben das Militärische. – Zurück zum Thema „Exil“ – bezeichnend ist ja, dass es Wallenstein nach den Höhen und Tiefen der militärischen Karriere zurückzog ins inzwischen überaus opulente Heimische in Böhmen, bevor er dann, vom Kaiser gefordert, sich aufs Neue ins Kriegerische begab – letztlich zu seinem Unglück.

Der Mond ist laut Kepler hier „verworfen“ – gemeint ist wohl der Steinbock, aber in den GZH kommt hinzu die Stellung im zwölften Haus (bei Kepler, Häuser nach Regiomontanus-Manier, im elften). Aus vedischer Perspektive: der Mond im „Kemadruma“ – d.h. kein Planet in den beiden flankierenden Häusern, Rahu (=aufsteigender Mondknoten) zählt hier nicht. Ein Kemadruma-Mond hat in der Regel Probleme damit, sich einen Platz in den gewohnten sozialen „Netzwerken“ zu verschaffen. Folglich war Wallenstein ein Fremdling – geachtet, gefürchtet – aber nicht geliebt.

In der gesamten Zeit seiner militärischen Karriere regierte in den Vimshottari-Dasas Rahu, der nördliche Mondknoten. Er steht im elften Haus – dem der materiellen Gewinne, und dies war wohl das leitende Motiv im Leben Wallensteins („Der Krieg muss den Krieg ernähren“). Der Regent über den Mondknoten ist im zweiten Haus zu finden – auch hier der Hinweis auf den Drang zur Sicherung und Erweiterung des Eigenbestandes.