Trump: Hexagramm 52

Mit dem Yi Jing (diese Transkription ist angemessener als „I Ging“) habe ich mich befasst, bevor ich zur Astrologie kam – und ich komme immer wieder darauf zurück – weil oder obwohl es ein Fass ohne Boden scheint. Auf diese Weise kam ich u.a. zur Astrologie der „Neun Sterne“ (engl. Nine Star Ki).

Nach Wen Kuan Chu / Wallace A.Sherrill („Astrologie des I Ging“) gibt es die Möglichkeit, das der Geburt entsprechende Hexagramm eines Nativen zu finden sowie die dort für den Betreffenden spezifische (sich bewegende) Linie.

Hier das Hexagramm für Donald Trump: Gen, Nr 52, das „Stillehalten“. Es gehört zu den Hexagrammen, die aus identischen Trigrammen zusammengesetzt sind – hier ist es das Trigramm des „Berges“. Die Eranos Übersetzung nennt das Hexagramm das der „Begrenzung“. Hier wird sich bei manchem augenblicklich das konkrete Bild der von Trump geforderten und in Teilen realisierten Mauer entlang der Grenze zum südlichen Nachbarstaat einstellen. Oft findet man einen guten Zugang zum Hexagramm, wenn man dessen Kernhexagramm nachgeht (Näheres in jedem halbwegs ausführlichen Buch zum Thema). Da findet sich in diesem Fall das Gegenhexagramm 40, die „Befreiung“: „Dem durch eine Beschränkung eingegrenzten Blickfeld ist die Eröffnung weiterer Einsichten durch Analyse gegenübergestellt“ (Eranos-Übersetzung). Gemeint ist die Befreiung auf der Grundlage der analysierenden Betrachtung. Ein wensentliches Merkmal von Hexagramm 52 ist die „Konfrontation mit einer Begrenzung, die das Blickfeld einschränkt und zum Innehalten zwingt“ (Eranos). Zu den vielen tradierten Bildern von Gen gehört auch die geschlossene Tür, auch der in sich ruhende, unbewegliche Berg. Gen kann beinhalten die Selbstdisziplin, die Meditation – in kritischeren Fall aber Immobilität bis hin zum hartnäckigen Sichverweigern. Ein weiteres mit Gen verbundenes Bild ist das der Wache, auch das des treuen Wachhundes (wobei es interessant ist, dass Trump in einem chinesischen Jahr des Hundes geboren wurde – 1946. Tatsächlich sieht er sich als verlässlicher Bewahrer und Beschützer des ihm anvertrauten Landes. Stimmig ist auch das sich hier einstellende Bild des Turms (der ja traditionell immer auch ein Wachturm war – Trumps hochgeschossiges Domizil in New York City nennt sich ja „Trump Tower“).

Das Eine ist die mit dem Hexagramm verbundene Immobilität, die gar zum Starrsinn führen kann (man kennt den diesbezüglichen charakteristischen Gesichtsausdruck Trumps zur Genüge). Das Andere ist das, was im Berg „kreißt“, das was sich in ihm langsam an Kräften aufbaut (man denkt dabei natürlich auch an den Vulkan, der unversehens erwachen kann). Die Ordnung des Yi Jing kennt die sog. „vorweltliche Ordnung“ der Trigramme. Sie liegt der „saisonalen“ Ordnung wie eine Matrix zugrunde. „Hinter“ einem jedem Hexagramm steht das korrespondierende Hexagramm der Matrix. Das ist im Falle von Gen Hexagramm 51: Dschen, das Erbeben, der Donner. Das Erbeben erschreckt, es erschreckt gerade auch, weil es unvermittelt (und meist ungebeten) kommt. Sattsam bekannt sind die affektgesteuerten impulsiven Entscheidungen Trumps („You’re fired!“).

Trumps bestimmende Linie seines Hexagramms ist die zweite. Der Originaltext (Eranos-Übersetzung):

„Die Begrenzung: Die eigenen Waden. / Nicht retten: Das eigene Folgen. / Das eigene Herz nicht begeistert.“

Bei Richard Wilhelm: „Er kann den nicht retten, dem er folgt. Sein Herz ist nicht froh.“

Man kennt Trumps brachialen, oft brutal verletzenden Humor, ein froher Mensch ist er nicht. Wem „folgt“ er? Wen kann er nicht retten? Die traditionellen Leitlinien seines Landes? Eine bewegende Linie wandelt das Hexagramm – es entsteht in diesem Fall Hexagramm 18, „die Arbeit am Verdorbenen“.

Man kann hier einen Schritt weitergehen. Mit rund 40 Jahren (ist im jeweiligen Fall genau zu bestimmen) kommt zum Einfluss des Grundhexagramms ein ihm folgendes, das sich ergibt daraus, dass das obere Trigramm des Basisbildes zum unteren wird, das untere gelangt nach oben – dabei bliebt die bestimmende Linie (die zweite bei Trump) dergestalt erhalten, dass sie mitwandert. D.h.bei Trump ist im Folgehexagramm die fünfte Linie gegeben im Hexagramm 53: Die Entwicklung. Der Kommentar zu 53/5 ist rätselhaft – das Ziel ist erreicht – nach Phasen der Vereinsamung, der „falschen Menschen“ (Berater?) – mit der Gefahr der Sterilität, des Fehlschlages. Am Ende aber kann das Überwinden dieser Hindernisse stehen. Offen bleibt hier, wann „das Ende“ erreicht ist, die Wandlung erfolgen kann. Offenkundig nicht in der noch währenden Amtszeit… Dennoch: die Wirkungen des Basishexagramms treten etwas stärker in den Hintergrund, sie bleiben indessen zeitlebens erhalten.

Man kann hier noch einen Schritt weitergehen und den zeitlichen Auslösungen nachgehen. Eine Yin-Linie entspricht einem Jahrsechst, eine Yang-Linie einem Jahrneunt. Derzeit (seit 2-3- Jahren) ist für Trump die Yang-Linie drei des Hexagramm 53 wirksam. „…Diser Mensch neigt dazu, aufgrund einsamer Entschlüsse zu handeln. Bei seinen Vorhaben und Geschäften möchte er den Erfolg herbeizwingen und ist manchmal sehr rücksichtslos, wenn sein Fortschritt auf dem Spiel steht…“ (Sherrill/ W.K.Chu, Astrologie des I Ging).

Hegel – geboren in einem Jahr der Fünf

1770 – vor 250 Jahren geboren: Hölderlin Hegel, Beethoven.

Ein jeder ein Idealist – aber dies auf je unterschiedliche Weise. 1770 – wen wundert’s: ein Jahr des Jupiter. Hegel: 27.08.1770 – eine Uhrzeit findet sich nicht – (und alle spekulativen Uhrzeiten werden von mir ausnahmslos ignoriert). Darin seinem Freund (?) Goethe verwandt: Das Weltgeschehen ist ein vernünftiges, und es ist allein mit der Vernunft zu begreifen. Beide wurden mit einer Jungfrau-Sonne geboren. 1770: nach der Ordnung der „Neun Sterne“ ein Jahr der Fünf – und Hegel wurde zudem geboren in einem Monat der Fünf. Die Fünf steht in der Mitte – und sucht die Stabilisierung aus dieser Mitte. Die elementaren Strategien der Fünf: konsolidieren, führen, ordnen, katalysieren. Das Weltgeschehen mag auf den ersten Blick ein chaotisches sein – und in seiner mitunter grotesk anmutenden Wortwahl spricht Hegel vom Walten des Weltgeistes als das eines mal hier, mal dort werkenden Maulwurfs (dieses Bild wohl entlehnt aus dem „Hamlet“). Der Weltgeist aber ist bei all seinem oft widersprüchlich anmutenden Agieren die steuernde Mitte – eben das Walten der Kräfte der Fünf.

Als Zentrum des magischen Quadrates, des BaGua, stellt die Fünf auch die Nabe des sich drehenden Rades dar. So können Menschen, die in einem Jahr der Fünf geboren wurden, Katalysatoren im Leben anderer sein – im problematischen Fall aber sind sie als nicht immer willkommenes Korrektiv wirksam. Die „doppelte Fünf“ – Jahr wie Monat im Zeichen der Fünf – stellt eine Potenzierung bis hin zur (im kritischen Fall) Zwangsfixierung, „Sturheit“ dar. Kein Wunder, dass Hegel die Überzeugung pflegte, der Weltgeist habe zu sich selbst durch ihn, ben Hegel gefunden, gewissermaßen in diesem und mit dessen Werk die Augen aufgeschlagen. Diese offenkundige Selbsterhöhung wird nicht jedermanns Beifall finden – was nun nicht bedeuten muss, dass es sich nicht lohnt, sich ein wenig auf das Hegelsche Denken einzulassen. – es muss ja nicht gleich die „Phänomenologie des Geistes“ sein – ein zugestanden schwer verdaulicher Brocken.