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Fortsetzung der Ausführungen zum Thema „Einfließen-Ausfließen“. Man gewinnt vertiefte Einsichten in den Zodiak, wenn man den Überlegungen Fricklers folgt. Wie zu erwarten, zeigt sich hier eine klare Ordnung: Die Kardinalzeichen erfahren Einfluss aus den veränderlichen Zeichen und üben ihren Einfluss aus in den fixen Zeichen, die fixen erfahren Einfluss aus den kardinalen Zeichen und münden in den veränderlichen. Die veränderlichen Zeichen erfahren ihren Einfluss aus den fixen und üben ihrerseits Einfluss auf die kardinalen aus. Zudem gilt, dass die Feuerzeichen Einfluss haben aus den Erdzeichen und Ausfluss haben in den Wasserzeichen. Luft wirkt auf Erde, Erde auf Feuer, Wasser auf Luft, Luft auf Erde und Feuer auf Wasser und Wasser auf Luft.

Manches scheint auf den ersten Blick sperrig. Wieso „mündet“ der Krebs in den Wassermann – wieso erfährt dieser Einfluss aus jenem Wasserzeichen? Man kann dem z.B. „substantiell“ nachgehen: Friert Wasser, so wird es zu Eis, also zu fester Substanz – der Wassermann ist ein fixes Zeichen! Oder Wasser kondensiert und nimmt die Form von Schneekristallen an. Im Wassermann kommen das „Uniforme“ und das Mannigfache zusammen – oft in paradoxer Weise. Jeder Schneekristall hat seine eigene individuelle Form (es soll bisher nur einmal gelungen sein, zwei der Form nach identische Schneekristalle gefunden zu haben). Aber bei jedem dieser Kristalle bleibt es bei dem regelmäßigen „uniformen“ Sechseck. Letzteres aber verweist auf die Jungfrau, das Zeichen, in dem der Wassermann finalen Ausdruck erfährt. Die Zahl Sechs ist eine merkurische, spezifisch die Zahl der Jungfrau – die der ökonomischen Formgebung und -verwendung (siehe z.B. den Bau der Honigwaben). – Man kann diese Zusammenhänge aber auch auf der Ebene des Gemeinschaftlichen /Gesellschaftlichen aufzeigen. Der im Krebs geborene J.J.Rousseau sieht die Befreiung des Einzelnen in der Gemeinschaft der Gleichen gegeben – im Raum des Wassermanns, in dem die Wiederherstellung des „reinen Menschenbildes“ möglich sein soll. Auch hier zeigt sich der fixe Charakter des Wassermanns, denn auch der „allgemeine Wille“, von dem Rousseau spricht, wird in diesem Kontext plausibler. In der Tat galt Rousseu als Vater der Französischen Revolution, die dann aber den Gedanken der Gleichheit auf gewaltsame, gar tödliche Weise forcierte. – Staaten und Gesellschaften, die stark vom Wassermann geprägt sind, entwickeln einen Sozialgedanken, der sich niederschlägt in der Arbeits-und Sozialordnung – wie sie in der Jungfrau gegeben ist, dem Zeichen, in dem der Wassermann ausfließt. Man denke etwa an stark calvinistisch geprägte Länder wie die Niederlande, in denen das Arbeitsethos betont wurde und wo es auch in irreligiösen Zeiten weiterhin wirksam ist. Wird der uranische Gleichheitsgedanke – gleich ob in rechten oder linken Gesellschaften – überwertig, so schlägt sich dies nieder in der Sozialordnung, in der nun Zwang sichtbar wird. So war die erste Phase des Nationalsozialismus insbesondere auf die Steuerung und Intensivierung des Arbeitsprozesses ausgerichtet – man denke etwa an die deutsche „Arbeitsfront“, den Reichsarbeitsdienst und vergleichbare Organisationsformen. In extrem pervertierter Form äußerte sich dies im berüchtigten Satz „Arbeit macht frei“ über dem Eingang zum KZ Auschwitz.

Oft gibt die Kunst hier reichlich Anschauung. Um zum Verhältnis Krebs-Wassermann zurückzukehren: das berühmteste Gemälde Rembrandts ist die „Nachtwache“ – und hier (wie auuch in anderen Bildern des Malers) wird das parataktische Prinzip des Wassermanns sichtbar. Es handelt sich um ein Gruppenbild, das die Gleichwertigkeit der Abgebildeten betont, eine übermäßige Zentrierung wird vermeiden – sieht man ab von der herausgehobenen Gestalt des Offziers.

Oder: warum das Ausfließen des Steinbocks in den Löwen? Wir werden hier erinnert an das alte Thema der Alchemie: die Verwandlung von Blei zu Gold. Zudem zeigt sich in der organisch-zentrierenden Weise des Löwen das hierarchische Element, das im Steinbock angelegt ist. Bezeichnend ist, dass auch (oder gerade) der so dominante Löwe Napoleon auf die Dauer nicht auf bewährte tradierte Ordnungen verzichten wollte. – Ich denke, die Beispiele belegen, dass es sich lohnt, näher diesen Zusammenhängen und ihren konkreten Erscheingsformen nachzugehen. Und: warum das Ausfließen der Fische in die Waage? Mit Blick auf die Kunst (wie auch auf den Mythos) ist hier augenfällig das Thema der Venus, der „Schaumgeborenen“. Hier wäre u.a. der in den Fischen geborene Maler Renoir zu nennen, der in zahllosen Bildern die Schönheit junger Mädchen dargestellt hat. …

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