Lunares – cont.: August Strindberg

Das Horoskop August Strindbergs. Da es hier um die Rolle des Mondes geht so wie begriffen in der vedischen Astrologie (tropisch verstanden), sind hier Ganzzeichenhäuser abgebildet. – Wir sehen einen einsamen Spannungsherrscher Jupiter im achten Haus im Löwen. Dessen Singularität wird zudem hervorgehoben durch die Tatsache, dass er dominant in der Dispositorenverkettung des Horoskops steht: im Kreislauf Saturn-Sonne Jupiter. Auf die grundsätzliche Bedeutung der Dominantenverkettung hat Thomas Ring mit instruktiven Beispielen hingewiesen („Astrologische Menschenkunde“, Bd III). Jupiter regiert Haus 12 wie Haus 3 – gemäß der klassisch-vedischen Tradition zwei schwierige Häuser. Er verliert damit einen Gutteil seiner „positiven“ Kräfte. Hier kann nicht ausführlich auf Leben und Schaffen des Autors eingegangen werden. Ins Auge fällt so oder so die Selbstbezogenheit Strindbergs wie auch der teils gewählte, teils erzwungene Drang in die Vereinzelung und Einsamkeit. Der Steinbock-Mond im ersten Haus kommt aus dem siebten, begreift das Du funktional bezogen auf die Eigenperson. Hier aber soll es um das Verhältnis Mond – Jupiter gehen. Der auf den ersten Blick so dominante Jupiter steht im achten Haus vom Mond aus gesehen. Wir haben damit ein sog. Shakata-Yoga vor uns. Genauer: Dies ist gegeben, wenn sich Jupiter im 6. oder 8. Haus vom Mond befindet und wenn Jupiter nicht in einem Kardinalhaus und auch nicht in seinem Domizil oder im Zeichen seiner Erhöhung steht. Die tradierten klassischen Texte, oft überscharf formuliert, sind zu übertragen ins Gegenwärtige, damit meist auch zu relativieren. Es bleibt indessen die Feststellung, dass sich hier wenig an Daseinszufriedenheit einstellen wird, oft gar eine grundlegend unglückliche Natur die Folge sein wird. Strindberg (einer seiner Werke hieß „Inferno“ ) war folglich alles andere als eine Frohnatur.

Anders sähe es aus, befände sich Jupiter im 6. oder 8. Haus vom Mond und dabei im Domizil oder dem Zeichen seiner Erhöhung (ein sog. Mukuta Yoga): „Der Mensch wird eine Krone tragen…“ – nun, wenige werden die Möglichkeit haben, zu Königinnen oder Königen zu avancieren. Gemeint ist matürlich schlicht, dass der Native es leichter haben wird, wenn es darum geht, „Bedeutung“ zu erlangen, eine „Respektperson“ zu werden.

Magnus Carlsen – Mondperspektive

Von Magnus Carlsen, dem seit rund sieben Jahren amtierenden Schachweltmeister, gibt es keine halbwegs verlässliche Geburtszeit. Was tun, wenn man sich nicht auf das fragwürdige Abenteuer der Rektifikation ex nihilo einlassen will (was ich bei fehlender Uhrzeit prinzipiell nicht tue)?

Dies hier führt ein wenig fort, was im letzten Beitrag (über Goethe) geschrieben wurde: die Sichtung des Horoskops aus der Perspektive des Mondes. Dies wird dann problemlos sein, wenn das Zeichen des Mondes, gleich um welche Uhrzeit es sich handeln mag, gesichert ist. Was der Fall ist bei M.Carlsen – der Mond steht im Stier – dem Zeichen seiner Erhöhung. „Schach ist die gewalttätigste aller Sportarten.“ – das sagte Garri Kasparov, der gewiss wusste wovon er da redete. „Ich genieße es, wenn ihr Ego bricht“ – Zitat Robert Fischer, Weltmeister von 1972 über seine Gegner. Schach ist Spiel – aber der homo ludens macht sich in harten Turnieren und Kämpfen um höchste Schachtitel eher rar (was nicht heißen soll, dass es da nicht auch ein entspanntes Spielen geben mag). Die indisch-vedische Sicht pflegt einen Blick zu werfen auf die Nachbarzeichen des Mondes, genauer: auf dort möglicherweise stehende Planeten. Finden sich Planeten im zweiten Haus vom Mond – ausgenommen Sonne und die Mondknoten – so hat man es mit einem sogenannten Sunapha Yoga zu tun. Im Falle von M.Carlsen findet sich dort der Mars. Dazu heißt es in den klassischen Texten: „Der Mensch wird König werden, oder Armeeführer, tapfer sein, grimmig, grausam … stolz, feindselig, reizbar.“ Es versteht sich von selbst, dass diese Aussagen mit Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche Standards zu relativieren sind, d.h. auf den Kern reduziert werden müssen – deshalb das oben eingebrachte Zitat von G.Kasparov.

Wie schon bei Goethe: Der Blick geht auf das zehnte Haus vom Mond aus gesehen – „Erfolg“, „honores“. Das zehnte vom Mond aus ist hier das des Wassermanns (hier sind die Ganzzeichenhäuser zu nehmen). Der nähere Blick auf die Horoskope bedeutender Schachspieler zeigt, dass in etlichen Fällen ein starker Saturn mit auf den Weg gegeben sein wird. So auch hier: Carlsens Saturn, klassischer Regent des Wassermanns, steht in seinem Domizil. Finden sich Planeten im vierten, siebten oder zehnten Haus vom Mond aus gesehen, wird dessen Position deutlich gestärkt werden. Da findet sich hier im vierten Haus vom Mond Jupiter – in einem Zeichen eines „Freundes“. Und Jupiter aspektiert das Zeichen in dem Sonne, Venus und Merkur stehen. Die vedische Astrologie bezieht nicht nur die Aspekte auf Planeten, sondern auch auf Häuser ein – auch dann, wenn diese leer sein sollten.Das bedeutet indessen nicht, dass ein präziser Aspekt auf einen Planeten von sekundärer Bedeutung wäre. Hier wird von Gewicht sein, dass Jupiter ein genaues Trigon zur Venus hat, die Dispositorin des Mondes.

  • Falls dies dem einen oder anderen als eine etwas entlegene Sichtweise erscheint: Mnches von dem, was genuin „indisch“ erscheint, findet sich auch in der klassischen hellenistischen Astrologie, so z.B. der Gedanke, dass Planeten auch Häuser aspektieren, auch dann, wenn sich dort keine Planeten befinden.