Wahlkampf – einmal chinesisch

Man gelangt nicht in Probleme mit „unserer“ Astrologie, wenn man bisweilen in die chinesische Astrologie schaut – genauer in das System der „Vier Säulen“, = Ba Zi Suan Ming. Denn da geht es nicht um planetare Läufe, sondern primär um die komplexen Wandlungsphasen – bisweilen auch „Elemente“ genannt, was etwas irreführend sein kann, denn es geht da vordringlich nicht um Substanzielles, sondern Formen des Wandels und der rhythmischen Bewegung. Es gibt Gemeinsamkeiten mit den uns geläufigen vier Elementen, aber auch deutliche Unterschiede.

„Vier Säulen“ – das sind die vier Paarungen von je einem Himmelsstamm („Element“) und „Tier“ (wobei Letzteres auch je einem Element = Wandlungsphase zuzuordnen ist). Die vier Säulen: die des Jahres, die des Monats, des Tages und der Stunde. Hat man keine halbwegs verlässliche Zeitangabe, dann entfällt die Stundensäule, und die Deutung kann nur in Teilen gelingen. Immerhin ist auch dann noch einiges an Befunden gegeben, vor allem deswegen, weil die Tagesdominante („Day Master“ = Himmelstamm des Tages) gegeben ist. Dieser verkörpert das „Ich“ – alle entscheidenden Bewegungen und Rhythmen werden von diesem bestimmt und organisiert.

Nun liegt in wenigen Tagen die Bundestagswahl an – und gleich vorweg: Hier folgt keine Prognose. Es soll eher gefragt werden, was Deutschland mit diesem oder jenem Kanzler zu erwarten haben wird – Scholz oder Laschet. A. Baerbock ist wohl nach Stand der Dinge aus dem Rennen. Auffallend: alle drei haben die Wandlungsphase Yang-Wasser als Tagesdominante. Da es 10 der Wandlungsphasen gibt (die 5 Phasen jeweils als Yin und als Yang), ist das ungewöhnlich zu nennen. Yang-Wasser gibt physische wie psychische Stärke, Entschiedenheit, auf Initiative gestimmt. Man folgt dort innerer Vision, ist oft gar abenteuerlustig gestimmt, zukunftsorientiert, strategisch planend – um das etwas knapp zu umreißen. Nun aber ist Wasser auf die „Mutter“ (=Erzeuger, Ernährerin) Metall angewiesen. Davon findet sich nichts in den drei bekannten Säulen bei Scholz – dieses aber zweimal im Chart Laschets. Wasser ist am stärksten im Winter, am schwächsten im Sommer – und Scholz wurde im Juni geboren. Er scheint somit deutlich weniger zum Ausdruck zu bringen was da oben an Charakteristika für das Yang-Wasser angeführt ist. Laschet wurde an einem 18.02. (1961) geboren, das gilt chinesisch als Frühlingszeit, d.h. hier ist das Wasser mittelstark. Aber Laschets Wasser ist definitiv stärker als das von Scholz. Er wäre somit der innovativere Kanzler. Vor allem aber: Scholz hat in den drei uns bekannten Säulen viermal Erde (zweimal Yang-Erde, zweimal das Tierzeichen Hund, dieses auch von Yang-Erde-Qualität). Die Wandlungsphasen sind beständig mal fördernden, mal kontrollierenden, mal retardierenden Einflüssen ausgesetzt. Wasser wird durch Erde kontrolliert, und dies ist im Fall Scholz‘ in deutlichem Maße gegeben. Scholz wirkt sachlich (hinzu kommt: der Jahresplanet ist Saturn!), mitunter auch stoisch, verlässlich. Von ihm ist keine dramatische Veränderung der Strukturen zu erwarten. Nun, der deutsche Michel will Stabilität, Sicherheit, scheut das Risiko. Da scheint ihm Scholz genehmer als Laschet. Zudem hat Scholz zweimal den Hund im Chart – den treuen Wächter des Heims, also auch der Heimat, des Landes. Es verwundert nicht, dass Scholz kaum je ein Wort verliert über Deutschlands Außenpolitik, über die künftige Rolle im Mit- und Gegeneinander der Großmächte.