Deklinationen – z.B. Trump

Zu den Rätseln der Geschichte der Astrologie gehört das weitgehende Verschwinden der Deklinationen im letzten Jahrhundert. Der Astrologie der Antike waren die Deklinationen bekannt. Im 19. Jahrhundert hieß es, sie stünden den Hauptaspekten an Bedeutung und Wirksamkeit nicht nach (dies in der britischen Literatur, im deutschsprachigen Bereich führte die Astrologie damals ein Schattendasein). Doch auch in Großbritannien verlor sich über die Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts das Interesse an den Deklinationen. Einer der letzten, der sie wertschätzte, scheint C.O.E.Carter gewesen zu sein. In Deutschland war es wohl R.Ebertin, der dankenswerterweise wiederholt auf die Bedeutung der Deklinationen verwies – und ein eigenes Buch – leider seit langem vergriffen – zu diesem Thema veröffentlichte. – Nun, es erging mir wie so manchem vor Jahrzehnten: Die Deklinationen, so wurde mir in der Anfangsphase meiner Astrologielernzeit bedeutet, das sei ein verzichtbares Relikt. – Dabei reicht ein Blick auf die graphische Darstellung der Ordnungen der Himmelstopographie, um die Relevanz der Deklinationen vor Augen zu führen.

Parallelbeispiel: Über lange Jahrhunderte waren – mehr oder weniger genau – die Breitengrade bekannt – erstaunlicherweise bereits in der Antike. (Die Cheops-Pyramide wurde recht akkurat auf 30 Grad Nord errichtet.) Erst im späten neunzehnten Jahrhundert gelang es, ein verbindliches Meridiansystem einzuführen (mit Null Grad West-Ost in Greenwich). Erst dann war eine präzise Navigation möglich, erst dann war es möglich, einen beliebigen Ort auf der Welt mit Hilfe dieses nun gegebenen Koordinatensystems exakt zu bestimmen. – Wozu dieser Verweis auf die Nautik – um diese ging es damals? Vernachlässige ich die Deklinationen, berücksichtige ich also allein die ekliptikale Länge, so fehlt ein Teil des Referenzrahmens. Die genaue Bestimmung eines Ortes auf der Himmelskugel ist aber nur möglich durch den Miteinbezug der Deklinationen, welche den Abstand des betreffenden Objektes (i.d.R.Planeten) zum Himmelsäquator bestimmen. Selbst die schlichteste Graphik, welche die elementare Himmelsmechanik darstellt, belegt zwingend, dass ein Planet der genauen Bestimmung seiner Deklination bedarf, will ich seine Präsenz (buchstäblich, konkret) namhaft machen – und dies auch mit Blick auf seine Bedeutung im astrologischen Sinn.

Derzeit wieder in aller Munde: Trump. Im Bild – zweite Spalte oben links – die Dekliantionen. Da ist ein Orbis von einem Grad maximal) zu nehmen. Und dann sieht man gegeben SO 23:15 N, VE 22:50 N, ME 25.09 N out of bounds, UR 22:57 N, PL 23:51 N out of bounds, Mond 23.11 S. Fünf Planeten sind in dieser Weise massiert, alles orientiert auf den zentralen solaren Lebensantrieb und dessen Selbstbehauptung und -durchsetzung hin. – Zum Begriff „Out of bounds“ (hier Merkur und der Mond): Geht die Deklination über den Wert von 23 Grad 27 Minuten hinaus, so wird der betreffende Planet ein ungebundener, im kritischen Fall ein „Wilderer“. Was mit Blick auf Merkur und Pluto im Fall Trump klar bestätigt wird – also die Macht des Wortes, und sei dieses die Macht der Lüge. Bekanntlich war Merkur in der Antike auch der Gott der Lüge – Stichwort fake news.)

Zur Unterscheidung Deklinationen Nord – Süd. Im obigen Beispiel befinden sich die genannten Planeten in nördlicher Deklination, der Mond in südlicher. Es heißt, der Unterschied Parallele“ – „Gegenparallele“ sei zu vernachlässigen. Allerdings erbringe ein planetares Gegenüber Nord hier – Süd dort eine Verschärfung eines potentiell angelegten Dissenses – siehe den Mond im obigen Horoskop: Trump hat es verstanden, die Gesellschaft zu spalten.

P.S. Es soll hier nicht suggeriert werden, das Thema „Deklinationen“ sei gänzlich aus der Wahrnehmung herausgefallen. Offenbar zeigt sich neuerdings mehr Interesse am Thema. So hat der „Meridian“ im Heft 2/2018 dem Thema dankenswerterweise ein ganzes Heft gewidmet. Dennoch hat es den Anschein, dass wir es weiterhin mit einem marginal registrierten Thema zu tun haben.

Ein Gedanke zu „Deklinationen – z.B. Trump

  1. Sehr verdienstvoll, dass hier immer wieder auf vernachlässigte Themen aufmerksam gemacht wird. Bei der Frage, wie weit eine N-S-Spannung bei den Deklinationen das radix färbt, gehen die Meinungen auseinander;in der Antike machte man bei den Parallelen keinen Unterschied, egal ob beide nördlich, südlich lagen oder entgegenge-
    setzt. (z.B.bei einer Jupiter-Saturn-Parallele)Allerdings erinnert die Mond-Stellung (S)
    gegenüber der nördlichen Häufung an eine deutliche gefühlsmässige Beteiligung. Das
    erinnert ein wenig an einen Planeten in einem Geburtshoroskop, der, ganz abseits gelegen, das Radix dominiert.
    Michael

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