Varga D-9 („Navamsa“) / Harmonic 9

Die Harmonics dürften in Anlehnung an die indischen Vargas entwickelt worden sein. Allerdings korrelieren die Qualitäten der Zahlen da nur sehr bedingt (wobei ich hinzufügen würde, dass, was die Qualität der einzelnen Zahlen der Harmonics betrifft, hierzulande durchaus unterschiedlich gedeutet wird). Ein wichtiger Unterschied: Die einzelnen Vargas sind zu lesen im Ganzzeichenhäuersystem (wie auch die Basishoroskope). Zudem gilt auch hier, dass Planeten auch Häuser aspektieren (auch dann, wenn diese leer sind!). Dabei gilt (wiederum wie im Basishoroskop), dass alle Planeten das Oppositionshaus aspektieren, dass MA zudem das 4. und 7. von ihm aus aspektiert, JU das 5. und 9. von ihm aus, SA das 3. und 10. von ihm aus gesehen. Bei Aspekten spielt der Orbis eine untergeordnete Rolle, zwei Planeten, beispielsweise, die 20 im selben Zeichen stehen und 20 Grad an Orbis haben, stehen denoch in Konjunktion. Zudem sind die tradierten Relationen unter den Planeten selbst zu beachten (Freundschaft/ neutral/Feindschaft). Und es gelten die akzidentiellen Würden. Wichtig: Wesentlich sind hier nicht die exakten Gradzahlen von AC und Planeten (sie werden i.d.R. auch gar nicht eingetragen), es geht allein um die Hausbestzung, die Würden und die Aspekte. – Ich folge Ernst Wilhelm (und Birgit Braun/Starfish) und betreibe die vedische Astrologie auf tropischer Grundlage (ein seit langem kontrovers diskutiertes Thema…)

Von den zahllosen Vargas gilt das Navamsa (auch D-9 genannt)als das wichtigste. Es heißt, es lasse die Früchte erkennen, welche der Baum (=Grundhoroskop) hervorbringt Zudem gebe es nähere Hinweise auf die Partnerschaft des/der Betreffenden.

Beispiel: Queen Elizabeth II, Navamsa

Man kümmere sich hier nicht um die Zwischenhäuser, das Bild ist mit den GZH zu betrachten, also 1. Haus Krebs, 2. Löwe, 3. Jungfrau – etc. (Wie gesagt: die genauen Gradangaben spielen hier eine eher marginale Rolle.) Es sind primär die sieben klassischen Planeten ins Auge zu fassen, die Transsaturnier sind nicht auszublenden, sind aber von nachrangiger Bedeutung (es sei denn, sie haben enge Kontakte zu den klassiken Planeten. Wir sehen ein stark kardinale Prägung: AC, MO, SO, MA, JU in Kardinalzeichen. Drei Planeten – MO, MA, SA befinden sich im Domizil, und ganz wesentlich: MO in eins im Domizil und MA als Herr über 10 eben dort im Domizil – und dies gemeinsam mit dem „Freund“ JU. (Im Radixbild der Queen steht nur ein Planet in starken Würden, die VE ist dort erhöht, dies aber als Regentin über die SO). Es verwundert nicht, im Navamsa einen stark wirkenden SA zu haben – man denke vor allem an die Traditionsverbundenheit der Königin. Die SO steht im Steinbock nicht sehr günstig (im Zeichen eines Feindes), doch ihr Regent steht im Domizil und aspektiert das ohnehin überaus starke 10. Haus. -Als die „positivsten“ Häuser gelten (auch in „ethischer“ Hinsicht) die Häuser 5 und 9. Die Herrscher über diese Häuser, MA und JU, stehen kardinal im zehnten Haus. – SA ist als Herr über 8 nicht unproblematisch. Er aspektiert die VE im fünften Haus (die dort im Exil steht – ich beziehe das Exil mit ein, auch wenn es in der vedischen Überleiferung meines Wissens keine sonderliche Rolle spielt). Mit Blick auf dieses 5. Haus: Bekanntlich gaben die Kinder der Königin nicht immer Anlass zu Freude, man denke an deren Scheidungen und Skandale (zuletzt diejenigen von Prinz Andrew). – Ein Hinweis noch: Befindet sich ein Planet in der Radix und im Navamsa im selben Zeichen, so steht er „Vargottama“, damit erfährt er eine deutliche Stärkung-auch dann, wenn er in einem für ihn eher ungünstigem Zeichen steht. Ein Planet in schwachen Würden in der Radix und in starken Würden (Domizil, Erhöhung) im Navamsa, erfährt eine Milderung der ungünstigen Situation in der Radix – Analoges gilt bei Umkehrung des Verhältnisses.

Tatsächlich gibt das obige Navamsa mehr von der royalen Stellung der Königin wieder als die Radix selbst. Dies ist nicht misszuverstehen als Relativierung der Radix, schließlich ist das Navamsa die „Frucht“ des Basishoroskops.

Ein verknappter Blick auf das D-9 von Charles III. :

Wie gesagt: im vedischen System hält man sich zurück bei Transiten im Navamsa (generell in den Vargas). Aber es ist bemerkenswert, dass Charles König wurde – im Moment des Todes der Mutter – als UR ganz exakt auf dem AC des Navamsas stand, also eine grundlegende Neubestimmung seiner Position bewirkte. Wir finden den AC-Regenten in 10 in Konjunktion mit dem dort im Domizil stehenden Hausregenten – ohne Frage eine mundan exponierte Position. Es wird somit auch klar, dass alle Spekulationen, einen möglichen Verzicht des Prinzen auf seine royalen Aspirationen betreffend, gegenstandslos waren. SA kommt aus dem „ethischen“ Haus 9, bestimmt dort über die „Lichter“. D.h. Charles mag den Traditionen (Steinbock) treu bleiben, bringt aber ein hohes Maß an „Ethos“ in seine Regentschaft – man denke etwa an seinen passionierten Einsatz für die ökologische Landwirtschaft, an seiner scharfen Kritik an Teilen der modernen Architektur – etc. – Problematisch ist MA als Herr über Haus 12 und 7 und im 12. Haus vom 7. stehend. Die kollektive Erinnerung an die gescheiterte Ehe des Prinzen verfolgt Charles bis heute. Und die Aspektierung der Lichter und des ACs durch MA ist problematisch, die scharfe Kritik, die Charles an Missständen (aus seiner Sicht) äußerte, brachte ihm nicht nur Freundschaften ein. Von seiner Mutter hieß es ein wenig boshaft, sie habe in Würde 70 Jahre lang Hüte und Handtaschen getragen. Charles III. dürfte wohl auch als König „Position beziehen“.

Grundlegende Unterscheidung Vargas – Harmonics: Beide haben ihren Wert, sind stimmig. Die Vargas ergeben ein „geschlossenes“ Horoskop mit Häusern, Würden, Regenten, Aspekten (nach der vedischen Aspektenlehre)… Die Harmonics nehmen eher die Aspekte in den Focus, dies nach westlicher Art. Ich selbst schaue mir i.d.R. zunächst die Navamsas an (D-9) – da bin ich „vedisch“ geprägt.

Hier findet sich ein Vergleich der Zuschreibungen: Harmonics – Vargas: https://www.astro.com/astrowiki/de/Harmonisches_Horoskop . Die Charaktierisierung des D-9 als „Auflösung, Chaos“, die dort gegeben wird, ist jedoch abwegig. Stimmig ist wohl die Charakterisierung von D-4 und D-5 . Hier lohnt die eingehende Betrachtung (wer die Harmonics nicht im Rechenprogramm hat: sie finden sich in der Astrodienst-Berechnung).

Eine klare Übereinstimmung findet sich für D-5 (Panchamsa) = 5. Harmonic: „Ruhm, Macht“ – Kraft, Aggression, Bewegung“ (H.J.Walter). Nachfolgend Hitlers D-5:

Auch hier: Vedisch als GZH zu nehmen – dann MA im Domizil in 10 (mit VE), aspektiert das erste Haus. (MA aspektiert das 4. von ihm aus). SA sehr stark im Domizil in Haus 1 wiederum aspektiert das 10. von ihm aus gesehen – also Haus 10 mit MA und VE. Da ist also vedisch eine starke Rezeption von MA und SA gegeben. Hinzu kommt die Opposition von SA auf ME als Herr über Haus acht. Die Harmonic-Betrachtung sieht natürlich – u.a. – spezifisch die MA-PL-Quadratur.

2 Gedanken zu „Varga D-9 („Navamsa“) / Harmonic 9

  1. Hallo Klaus,

    bei der 9. Teilung des Kreises (360Grad) und dem Nonil-Aspekt
    fällt mir als Bibelfestem Pseudo-Katholik sofort die Zahl 40 auf.

    Das dieses Harmonic 9 mit der Partnerschaft im (Gesellschaftlichen / Kastenwesen) weitesten Sinn bezieht, ist bei dem Phänomestischem Religiösen im Indischen offensichtlich.

    Dein Hitler Harmonic 5, korrespondiert mit Macht/Herrschaft,

    Die Zahl 70 sticht sofort hervor. Die Zahl sieben ist immerhin die meist genannte Zahl in der Heiligen Schrift.

    Das Septil (Manus=dieHand) beträgt also 72 Grad, mit Kommata 7,2.
    Abgerundet 7.

    Meine Ex-Frau würde sagen, jede Statistik ist nur so gut wie der, die Statistik fälscht. Ich habe mich oft gefragt, ob Sie wohl Recht bekommen wird…..in unseren Anfängen.

    Sternengrüße
    Thomas

    1. Ja, die 40 – in der Bibel (und in der Kabbala) die Zahl des (fast) endlosen Wartens –
      40 Jahre Wanderung durch die Wüste, 40 Tage Hunger in der Wüste (Jesus). Und 40Jahre warten auf die Wiedervereinigung…etc

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