Elemente – Wandlungsphasen

Wer, aus der westlichen (oder auch vedischen) Astrologie kommend, einen Einblick in die chinesische Astrologie gewinnen wird, sieht sich scheinbaren Unvereinbarkeiten gegenüber. Diese betreffen zunächst einmal die Elemente. Zudem wird dem Interessierten recht schnell klar, dass es sich im chinesischen System gar nicht um „Astrologie“ im gewohnten Sinne handelt. Es gibt zwar einen Jahreskreis (die bekannten „Tiere“: Ratte, Büffel…), es finden sich dort jedoch keine planetaren Konstellationen – dies jedenfalls im wohl bedeutendsten chinesischen System der „Astrologie“, dem Bazi-Suanming, der Lehre von den „vier Säulen“ (Jahr, Monat, Tag, Stunde). Was die „Elemente“ angeht, da ist es ratsamer, von Wandlungsphasen zu sprechen. Denn anders als die vier klassischen Elemente der westlichen Tradition sind die Wandlungsphasen dynamischer Natur: Sie erzeugen einander, greifen einander an, überwinden einander etc. Auch sind die Wandlungsphasen weniger substanzieller Natur: Zwar kann die Wandlungsphase „Holz“ im wörtlichen Sinne Dinge aus Holz abbilden, doch weitaus wichtiger ist, dass es hier um Wachstum, um Aufbruch geht („Holz“ ist dem Frühjahr zugeordnet). Dann: es gibt bekanntlich fünf dieser Phasen gegenüber den vier Elementen. Es macht daher wenig Sinn, die beiden grundverschiedenen System in Einklang bringen zu wollen – auch wenn es Überschneidungen geben kann. So entspricht die Wandlungsphase Erde weitgehend dem westlichen Erdelement. Doch auch hier finden sich Unterschiede. Ähnliches gilt für das Wasser: Dieses hat im Bazi Suanming u.a. auch die Bedeutung des kommunikativen Austausches. Doch wie verhält es sich mit der Phase „Metall“ (dem Herbst zugeordnet)? Hinzu kommt, dass jede der Wandlungsphasen in doppelter Gestalt erscheint, als Yang- und als Yin-Phase: Yang-Holz und Yin-Holz, Yang-Feuer und Yin-Feuer etc.- Hat man erst einmal begriffen, dass es sich um ein gänzlich anderes System handelt, wird der Zugang alsbald leichter fallen – eben weil man sich nicht ständig am vermeintlichen Dissens Westen-Osten reibt. – Man hüte sich also vor einer Gleichsetzung der Elemente mit den Wandlungsphasen. Gerade weil das System des Bazi Suanming nicht Astrologie in unserem („westlichen“) Sinne ist, kann eine Beschäftigung damit lohnend sein, eben da potentiell irritierende Überschneidungen nicht gegeben sind. Doch geht man fehl, sähe man das Bazi Suanming als ein archaisch-primitives Relikt. Tatsächlich handelt es sich da um ein überaus komplexes System, das intensive Zuwendung über lange Jahre erfordert.

„Bazi“ bedeutet „vier Säulen“. Siehe die Abb. Von rechts nach links zu sehen: Jahr, Monat, Tag, Stunde.

Yang-FeuerYang-WasserYang-WasserYin-Erde
Pferd (F)Hund (E)Affe (M)Schlange (F)

Jede der vier Säulen beinehaltet einen „Himmelsstamm“ (oben) und einen sogenannten „Erdzweig“ (unten, mitunter auch „Ast“ genannt). Himmelsstamm und Erdzweig einer Säule haben jeweils dieselbe Polarität: entweder Yin oder Yang. So ist (Abb.) z.B. im obigen Beispiel das Jahr bestimmt durch den Himmelsstamm Yin-Erde in Verbindung mit dem Erdzweig Schlange, welche gleichfalls Yin-Qualität hat. Zudem hat jeder Erdzweig (es gibt deren 12) seine eigene Prägung durch eine feststehende Wandlungsphase (in der Abb. in Klammern hinzugefügt: H= Holz, F= Feuer, E = Erde, M= Metall, W= Wasser). – Heißt es von jemandem z.B., er oder sie sei ein „Tiger“, so ist i.d.R. das Jahrestier gemeint (das Jahr des Bazi Suanming setzt ein mit dem 4.2. des Jahres). Damit ist Wesentliches gesagt – und doch nur ein Fragment des Gesamten angesprochen. Tatsächlich richtet sich der Blick des Kundigeren zumeist zunächst auf den Himmelsstamm des Tages – hier ist es Yang-Wasser. Dies ist das „Selbst“, auch „Day Master“ genannt. Alle wesentlichen Interaktionen der Erdzeichen und Himmelsstämme werden organisiert vom Day Master – oder von diesem aus gedeutet. Einen ersten Eindruck eines solchen Vier-Säulen-Bildes erhalte ich, indem ich feststelle, ob Yin oder Yang überwiegt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Bild allein Yin oder allein Yang gegeben ist. Hat ein Mann nur Yin-Prägung, so ist er damit nicht etwa physisch-biologisch weiblicher Natur, wohl aber ist er „weiblich“ was Wahrnehmung und Empfinden angeht. Dann erfahre ich einiges, indem ich mir die Verteilung der Wandlungsphasen anschaue: Wie oft ist Holz, Wasser etc vertreten? . Eine gänzlich gleichmäßige Verteilung ist nie gegeben, immer wird ein Ungleichgewicht gegeben sein. Ein Ziel der Betrachtung eines solchen „Horoskops“ wird es sein, das Gleichgewicht weitgehend herzustellen, indem ich in meinem Leben Inhalte, Themen verwirkliche, welche aufgrund ihrer „elementaren“ Prägung geeignet sind, im Geburtsbild ausgleichend zu wirken. Im obigen Bild finden wir dreimal Feuer, zweimal Erde, einmal Metall, zweimal Wasser. Es fehlt Holz. Fehlt Holz gänzlich, so läuft der oder die Native Gefahr, zu wenig an Ordnung und Struktur in der Lebensführung zu haben. Selbst mit Führung kann sich zuviel an Eigensinn ausbilden. Das obige Geburtsbild ist das von J.W.Goethe. Bekanntlich vertraute er sich in noch jungen Jahren der Führung durch Charlotte v. Stein an, die ihn über Jahre hin „formte“, seinen sperrigen Eigensinn zu mindern wusste. Oft ist es eine Person, die sich einfindet, die man sucht, um ein gegebenes Defizit auszugleichen. Oder es findet sich ein Beruf, der hier geeignet ist, Balance herzustellen. Auch dies war im Falle Goethes gegeben: In Weimar wurde er „Geheimer Rat“, übte über Jahre hin Regierungsgeschäfte aus – eine Tätigkeit, die (Selbst-)Disziplinierung erforderte. – Dies soll genügen, es ist natürlich keine Einführung, es ist nicht mehr als ein Hinweis auf das m.E. hochinteressante System des Bazi Suanming. (Im Netz finden sich Seiten, auf denen man ein Bazi-Chart berechnen kann – Vorsicht bei der Zeitangabe, mal ist die Einagbe der wahren Ortszeit gefordert, mal die amtliche (MEZ, …) Zeit mitsamt der Eingabe der geographischen Länge.)

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