Deutschland 2024/2025 cont.

Ich verweise eingangs auf M.Kellers Kommentar zum vorhergehenden Beitrag.

Einige klärende Worte zum Rhythmus der 33 (genauer: 33 und ein Drittel), von dem dort die Rede war. Dieser Rhythmus ist solarer Natur. Erstelle ich für ein beliebiges Horoskop das Solar für das 34. Lebensjahr, dann findet sich ein Solar-AC nahe am Radix-AC, nicht selten in enger Nachbarschaft. Man erlangt hier mehr Einsicht, geht man aus von der 100 (=3 mal 33,3…). Die 100 ist die potenzierte 10. Diese wiederum ist die Summe der Addition 1+2+3+4. Man kommt der Qualität einer Zahl näher, verfahre ich in dieser Weise (nach der Formel n/2 * (n+1) – z.B. für die 10: 10/2 * (10+1) = 55. Die Quersumme der 10 ist die 1, die Quersumme der Zahl 55 wiederum führt ebenfalls zurück zur 1. Verfahre ich wie beschrieben mit der potenzierten 10, also mit der 100, so erhalte ich den Wert 5050 – und auch hier gelange ich zurück zur 1. Hier schließt sich der Kreis – und in der Tat kann ich die 100 verstehen als die numerische Abbildung des Kreises. Im Verhältnis der 4 zur 10 und zur 100 ist das alte Thema der Quadratur des Kreises angelegt (siehe den Ausklang des „bleiernen“ Saturn/Steinbock im „goldenen“ Löwen!). Die Division der 100 durch vier wiederum erbringt die Potenz der 5, die 25. Möglicherweise hatte Friedrich Glahn dies vor Augen, als er seine Gedanken zum „Lebenskreis“ entwickelte. Er setzte pro Quadrant des Horoskops 25 Jahre an, ein voller Umlauf dauert 100 Jahre. Dabei verläuft die Bewegung im Uhrzeigersinn: Die Bewegung vom AC zum MC erfasst die ersten 25 Jahre, das DC ist mit 50 Jahren erreicht, das IC mit 75. Hier ist nicht der Ort, die Stimmigkeit der Glahnschen Überlegungen im Einzelnen zu diskutieren. Für das Thema hier – Deutschland 2014/15 – allerdings mag signifikant sein, dass sich im Horoskop der Bundesrepublik in der Glahnschen Lebensuhr 2024 Mars am IC auslöst. Die Bundesrepublik wird im kommenden Jahr 75 Jahre alt. Auf die Bedeutung des Rhythmus‘ der 25 Jahre hat vor wenigen Jahren Claude Weiss hingewiesen, dazu stimmige Belege erbracht (Zeitschrift „Astrologie heute“). 25 Jahre nach der Staatsgründung, also 1974, geht die idealistische Ära Brandt zu Ende (Mai 1974: Kanzler Brandt tritt wegen der Guillaume-Affäre zurück). Das utopistische Jahrfünft der Brandtschen Kanzlerschaft wird abgelöst durch den Realismus des „Machers“ Helmut Schmidt. 1999, gut 50 Jahre nach der Staatsgründung, sind die Grünen erstmals in der Regierung des Bundes vertreten, es beginnt die Zeit der ökologischen Aspirationen, Vorstellungen, die in Teilen auch von den anderen Parteien aufgegriffen werden und derzeit – Stichwort „Klimadebatte“ – ein Gutteil des politischen Diskurses im Land bestimmen. Es spricht also einiges für die Annahme, dass das kommende Jahr, spätestens das Jahr 2025, eine Neubestimmung politischer Programmatik und Strategie erbringen wird.

Ich habe wiederholt exemplarisch dargelegt, dass die zeitliche Mitte zweier Ereignisse diese in einen Sinnzusammenhang bringen kann. Ein augenfälliges Beispiel: Mit der Französischen Revolution (1789) nimmt der Nationalstaat konkretere Formen an, zunehmend begleitet von nationalem Überschwng, schließlich auch verbunden mit einem aggresiven Nationalismus (1792 beginnen die ideologisch begründeten Revolutionskriege). Das Jahr 1939 – 150 Jahre nach Beginn der Revolution – ist auch zu verstehen als Potenzierung dieser Themen. Die Mitte von 1789 und 1939 fällt in das Jahr 1864: das Jahr des ersten der drei Einigungskriege, die 1870/71 zur Reichsgründung führen, verbunden mit dem von Bismarck forcierten Ende Österreichs als deutscher Staat (1866) und die damit verbundene, für den späteren Gang der deutschen Geschichte so verhängnisvolle preußische Dominanz.

1524 – 1525 kam es in Deutschland zum Bauernkrieg, der das Land in weiten Teilen verheerte, am Ende von den Obrigkeiten mit aller Brutalität niedergeworfen wurde. Die erste umfassende Sozialrevolution in Deutschland scheiterte nicht zuletzt weil sich auch Luther, in Sorge um die Früchte seiner Reformation, vehement gegen die Bauern und ihre Anliegen stellte („Schlagt sie tot!“ in seiner Schrift „Wider die räuberischen und möederischen Rotten der Bauern“). In der Folge ergab sich die Stärkung der landesherrlichen Gewalten, die die reformatorischen Bestrebungen mit dem Eigeninteresse zu verknüpfen wussten, langfristig zudem die unumkehrbare Schwächung der kaiserlichen Zentralgewalt bewirkten.

2024-2025 wird dies 500 Jahre zurückliegen, gewiss wird es auch zu einem medialen Rückblick auf das damalige folgenreiche Geschehen kommen. Mit Blick auf das Thema „Mitte“ (s.o.): Wir gelangen hier in die Jahre 1774-1775, damit in die Hochphase des „Sturm und Drang“, der über das Literarische hinaus die Gemüter bewegte, diese gar mächtig aufwühlte, denkt man etwa an den Geniestreich des jungen Goethe, den „Werther“, 1774 erschienen. Im Sturm und Drang kam vieles zusammen: die Auflehnung des „heilig glühenden Herzens“ (Goethe, „Prometheus“) gegen das als übermächtig empfundene Regiment der aufklärerischen „Vernunft“, der Geniekult mit der Verherrlichung der freien Tat des Individuums, mehr oder weniger offen auch die Kritik am Feudalismus – wobei aber festzuhalten ist, dass das von adeligen Autoritäten dominierte Gesellschaftssystem jener Zeit von Sturm und Drang und Aufklärung gleichermaßen abgelehnt wurde.

Nachstehend das Neunerhoroskop (nach der Sequenz der „Neun Sterne“) für die Zeit von 1766-1775, also die Hochphase des Sturm und Drang abbildend. Das Horoskop ist bezogen auf Leipzig, Ort der Publikation des „Werthers“:

Wassermann-Oktilogramm 1766, Jahrneunt 1766-1775

Nach der Ordnung des „Neun Sterne-Ki“ war dieses Jahrneunt bestimmt von der Drei = dem Wirken des Trigramms „Dschen“, „der Donner“. Dementsprechend war das Jahrneunt geprägt durch das Empfinden eines elementaren Aufbruchs, ein Wetterleuchten, das rückblickend auf die kommenden Eschütterungen der Französischen Revolution hindeutete. – Im Bild Neptun am Jungfrau-AC, verbunden mit der Knotenachse auf der Achse der Individuation Löwe-Wassermann: die Auflösung der als tyrannisch empfundenen Vernunft. Die Sonne in der Halbsumme MA/UR – der sich entladende Drang zur Aktion, „zu plötzlicher Kraftsteigerung fähiger Körper“ (Ebertin), gesteigert durch die dynamische Emphase (siehe die Opposition auf Jupiter).

Der Bauernkrieg von 1524-1525 wird also über den Höhepunkt des Sturm und Drang in die anstehenden Jahre „hineingespiegelt“. Die gerade in diesen Tagen vermerkte kollektive Ermüdung im Land – gar von einem Erschöpfungssyndrom ist die Rede, einem resignativen Rückzug ins Private – scheint kaum hinzudeuten auf Entwicklungen „elementarer“ Art. Doch man täusche sich nicht: Ausgesetzt einem sowohl innen- wie außenpolitischen Druck (Sozialkrise hier, Krieg im Osten dort) kann sich in Kürze der Drang zur Revolte Gehör verschaffen.

(Fortsetzung folgt)

3 Gedanken zu „Deutschland 2024/2025 cont.

  1. Eine ausgezeichnete Fortsetzung. Bei Israel bleibt zu erwähnen, dass der AC nach 75 Jahren (1948+75) gerade auf dieses Jahr fällt, somit direkt beim IC, den innenpolitischen Unruhen. Und das Thema der Mitte verdient in der Astrologie unbedingt seinen Platz;oft werden Ereignisse isoliert betrachtet, statt wie hier, im Zusammenhang. Im 729jährigen Ablauf der Neunerstrukturen fällt gerade das Jahr 1590, mit dem Löwe-OG, auf: dort liegt die Mitte 1226-1955. Die Mitte wird sträflich vernachlässigt, selbst zwischen zwei Systemen: Nimmt man die jene zwischen 964 (Sechzigerstrukturen) und 1226 (Neuner), stösst man aufs Jahr 1095, den Beginn der Kreuzzüge mit der Rede des Papstes. Entscheidend ist somit, auch Systemanfänge miteinander zu vergleichen und sie in Beziehung
    zu setzen.
    Viele Grüsse, Klaus
    Michael

  2. Dank für die Rückmeldungen –
    ja – die Mitte …- sollte ich mich noch einmal dazu aufraffen können, dann wäre es ein ausgiebiger Text allein darüber. Es würde ein Licht auf manche Zusammenhänge im Gang der Geschichte werfen.

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