Kun / 2025 cont.

Fortsetzung des letzten Beitrages. – Von Metaphern heißt es, sie verlören nicht etwa, sondern gewönnen an Ausdrucksstärke im Maße zunehmender Vielschichtigkeit, damit auch an Mehrdeutigkeit. Ähnliches wird man von astrologischen Bildern sagen können, auch von den Trigrammen. Kun bedeutet auch, wie bereits gesagt, die Massierung. Naheliegend ist beim Trigramm der Erde natürlich die Massierung im Substantiellen. Doch der Vorgang kann sich auch im Abstrakten vollziehen, so auch etwa in der Form der Zentrierung seelischer oder auch geistiger Inhalte. Kuns Dimension ist die des reinen Yin, damit auch die des Lunaren. Es mag überraschen, hier zu lesen, dass die Welt des Digitalen eben dort zu verorten sein soll. Das Verständnis des Lunaren in unserer Astrologie richtet sich gemeinhin auf das Reich des Empfindens, auch auf den emotionalen Ausdruck, wie er sich daraus ergeben kann. Wie aber reagieren wir, wenn es zur Erfahrung des Lunaren in der Dichtung Sylvia Plaths wie folgt heißt ? – This is the light of the mind, cold and planetary…/ The moon is no door. It is a face in its own right, / White as a knuckle and terribly upset. / It drags the sea after it like a dark crime; it is quiet / With the O-gape of complete despair. … (S.Plath, Ariel) – „Das ist das Licht des Geistes, kalt und planetenhaft“, so übersetzte Erich Fried die erste Zeile (wobei der Begriff „mind“ hier mit dem deutschen „Geist“ nur unzureichend wiedergegeben ist, es findet sich nun einmal kein treffendes Pendant). Wir neigen eher zur mondenen Empfindung, wie sie sich bei Goethe findet: „Füllest wieder Busch und Tal still mit Nebelglanz, lösest endlich auch einmal meine Seele ganz….“ Doch das eine ist so stimmig wie das andere. Die Nachtseite, die des Empfindens der Verlorenheit im Mondenen (Ausdruck G.Trakls) kommt gerade in der deutschen Romantik immer wieder zur Sprache (Eichendorff, Schubert…). In der Sphäre des Mondes kann man sich verlassen fühlen, dem Lunaren selbst gegenüber kann ich mich zwanghaft ausgesetzt fühlen. Die Welt der lunaren Erfahrung ist wesentlich die des astralen Traumbewussteins. Wie jeder weiß: Im Traum bin ich allenfalls reaktiv präsent. Die bewusste Steuerung durch das Ich ist dem Träumenden abhanden gekommen, er sieht sich dem Geschehen ausgesetzt, oft gar in hilfloser Weise. Daher rührt das wohl jedem bekannte Empfinden der Ohnmacht dem Traumablauf gegenüber, manch übler Traum entwickelt sich aus der beklemmenden Hilflosigkeit, dem Empfinden bleierner Schwere.

Mir kam das vor langen Jahren letztmalig gelesene Gedicht S.Plaths unvermittelt in den Sinn, als ich letztlich spätabends, abseits der Lichter der Stadt, in einem gänzlich abgedunkelten Bus saß. Um mich herum etliche erleuchtete Handys, die das Innere des Buses in ein geisterhaftes Licht tauchten: … the light of the mind, cold and planetary..„. Man lese einmal, sofern verfügbar, Valentin Tombergs tiefgreifende Meditationen der Großen Arkanen des Tarot, mit Blick auf das hier gegebene Thema die Karte XVIII, die des Mondes. ( V.Tomberg: Die Großen Arkana des Tarot. Basel 1983). Die ruhige Kontemplation des Bildes offenbart die dem Traum eng verwandte Bannung durch den Mond. Tomberg spricht von der Verhexung durch das Lunare, er geht gar noch einen Schritt weiter und spricht von der Vehexung des Intellekts und durch denselben. Und er zitiert zu Beginn der Betrachtung Henri Bergson: „Unser Intellekt…hat das anorganisch Starre zum entscheidenden Gegenstand.“ Und: „Der Intellekt charakterisiert sich durch eine natürliche Verständnislosigkeit für das Leben.“ Thomas Ring kam dem nahe, als er vom Mond als der rhythmischen Lebensbeseelung sprach, dies aber begründet und vermittelt sah durch das im Lunaren angelegte Prinzip des Funktionalen.

In der vedischen Astrologie ist Merkur ein Kind des Mondes. Der Mond hat dort keine Feinde, doch er selbst mag sich nicht mit Merkur anzufreunden, obgleich dieser sein eigenes Kind ist und obgleich der wiederum das gute Einvernehmen mit dem Mond sucht. Dabei stehen Krebs und Zwillinge in einem Spiegelverhältnis zueinander. Die Beziehung von Mond und Merkur ist offenbar eine komplizierte.

Obenstehend das Frühjahrsäquinoktium 2021. In der Sequenz der Chaldäischen Reihe ist hier das Jahrsiebt von 2021 bis 2028 abgebildet. Dieses Jahrsiebt ist unterstellt der Regentschaft des Mondes. Näheres zur Chaldäischen Reihe und zu den damit verbundenen mundanen Phasen siehe in meinem Text hier: https://files.homepagemodules.de/b635222/f12t2358p21198n2_GtSgcDbw.pdf

Das diesem Jahrsiebt vorhergehende, also 2014-2021, war bestimmt durch den Merkur. Die übergreifende Phase ist die von 1979 – 2028, die ebenfalls bestimmt wird durch Merkur. In etwa seit 1979 ist das mundane Geschehen merkurial bestimmt – siehe die IT-Welt, die um 1980 sich anschickte, global dominant zu werden (um 1980: die ersten PCs) . In der Zeit 2014 – 2021 war die Regentschaft Merkus also in doppelter Weise gegeben: Das Internet, verbunden mit der Handykultur, eroberte sich die letzten Winkel des Globusses. Nun aber, seit 2021, sieht sich dieses Dasein in das kalte Licht des Mondes gestellt. Die Schattenseiten der Internetkultur sind offenkundig geworden. Die Gefahren, die von ihnen ausgehen, müssen hier nicht eigens näher beschrieben werden, sie lassen kaum jemanden unberührt. Derzeit ist das Thema KI in den Focus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt – den einen ein Segen, den anderen ein drohendes Verhängnis.

Das obige Horoskop ist auf Null Grad Länge/Null Grad Breite bezogen, da eine spezifische Lokalisierung nicht angeraten scheint. Der Mond, Herr dieses Jahrsiebtes, befindet sich in den Zwillingen und, denkbar stimmig, in Konjunktion mit dem aufsteigenden Mondknoten, Rahu. Hier entwickelt sich ein lunarer Sog im Raum des Merkurialen, der auch Suchtpotential (auch hier: Stichwort Massierung) mit sich bringen kann – siehe auch das applikative Quadrat des Mondes zu Neptun. Auch hier also der Verweis auf die Schattenseiten der Totaldigitalisierung, auf das Verfangensein in den Traumwelten (ja, von solchen muss man sprechen), den Traumwelten des Digitalen, denen wir uns alle ausgesetzt sehen.

Der verstorbene Astrologe Bernd Westphal, Schöpfer des APZ-Astrologieprogramms, legte großen Wert auf den Bezug mundaner Horoskope zu „Null-Null“, wie hier mit diesem Horoskop geschehen. Da wäre im Auge zu behalten der Lauf des Uranus über den AC. Dank Rückläufigkeit wird es drei Mal zum Überlauf kommen: Juni ’24, Dezember ’24, März ’25. Auch der zeitgleich gegebene Lauf des Saturns durch die Fische (zehntes Haus hier) dürfte Folgen haben.

(Evtl. Fortsetzung)

2 Gedanken zu „Kun / 2025 cont.

  1. Danke Klaus für deine Fortsetzung des Themas. 2024 wird also eine (ME/)SA Phase folgen, wenn ich es richtig verstanden habe? Wassermann AC mit Saturn in 1 Konjunktion Venus in den Fischen und Uranus in 3 im Stier. Der Mars direkt auf dem AC. MC Schütze mit Jupiter in Haus 3. Pluto übrigens in 12 aus 9: aus den Augen aus dem Sinn und nix verstehen… Beinahe alles im I. Quadranten, dazu Mars ganz knappes Quadrat zu Uranus. Das wird ein heftiges Erwachen…. Falls mein Horoskop dazu stimmt.
    Grüße
    Katharina

    1. Hallo Katharina,
      Auf den ersten Blick etwas verwirrend, auf den zweiten recht transparent. Beginn der Großepoche 7*7*7 Jahre = 343, beginnend mit dem Fühjahrsäquinoktium 1734. 343= 7 Subphasen à je 49 Jahre. Diese folgen der chaldäischen Reihe: Also 1734 bis 1783 SA, dann 1783 – 1832 JU, dann 1832-1881 MA etc. Die jetzt laufende setzte ein 1979, von ME beherrscht (bei näherem Hinsehen wird das nur allzu deutlich, es gibt gar ein lesenswertes Buch mit dem Titel „1979“, da wird gesagt, da hätte eine tiefgreifende Zäsur vorgelegen. Das Buch erschien zeitgleich mit meiner Sichtung der Phasen der Chaldäischen Reihe. Ich kam durch Transpiration plus Inspiration auf das Jahr 1734 als Ausgangsjahr – und ich muss sagen: es stimmt definitiv). Die Subphase 1979 ist wiederum auch in sieben Phasen unterteilt, auch hier die Sequenz der chald. Reihe: also 1979 bis 1986 SA, 1986-1993 JU etc. Nun, seit 2021 MO – dies aber zu verstehen mit Blick auf den Regenten der übergreifenden 49er-Phase, also ME. Und die Jahre innehalb der Jahrsiebte folgen ebenfalls der chald.Ordnung, also 2021 SA, 2022 JU, 2023 MA, 2024 SO. Also Äqui 2024, Wien, AC so wie Du schreibst. Näher dort zu betrachten: PL auf dem gewitternden Grad 2. Grad Wassermann (der wird da dreimal stehen), NE nähert sich der SO, in ca. zwei Jahren exakt, der MO hier auf 3,x Grad Löwe – da steht er ebenfalls im Horoskop des Islams (OG 622, Mekka). Da wäre ein weiterer Beitrag fällig: Kun mit Bezug auf den lunaren Islam. Parallel zum Thema Digitalisierung gehört auch der Islam (gemeinschaftsorientiert) in diesen Wirkungsraum.
      Grüße,
      Klaus

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