…. cont.

Fortsetzung der Ausführungen zum Thema „Einfließen-Ausfließen“. Man gewinnt vertiefte Einsichten in den Zodiak, wenn man den Überlegungen Fricklers folgt. Wie zu erwarten, zeigt sich hier eine klare Ordnung: Die Kardinalzeichen erfahren Einfluss aus den veränderlichen Zeichen und üben ihren Einfluss aus in den fixen Zeichen, die fixen erfahren Einfluss aus den kardinalen Zeichen und münden in den veränderlichen. Die veränderlichen Zeichen erfahren ihren Einfluss aus den fixen und üben ihrerseits Einfluss auf die kardinalen aus. Zudem gilt, dass die Feuerzeichen Einfluss haben aus den Erdzeichen und Ausfluss haben in den Wasserzeichen. Luft wirkt auf Erde, Erde auf Feuer, Wasser auf Luft, Luft auf Erde und Feuer auf Wasser und Wasser auf Luft.

Manches scheint auf den ersten Blick sperrig. Wieso „mündet“ der Krebs in den Wassermann – wieso erfährt dieser Einfluss aus jenem Wasserzeichen? Man kann dem z.B. „substantiell“ nachgehen: Friert Wasser, so wird es zu Eis, also zu fester Substanz – der Wassermann ist ein fixes Zeichen! Oder Wasser kondensiert und nimmt die Form von Schneekristallen an. Im Wassermann kommen das „Uniforme“ und das Mannigfache zusammen – oft in paradoxer Weise. Jeder Schneekristall hat seine eigene individuelle Form (es soll bisher nur einmal gelungen sein, zwei der Form nach identische Schneekristalle gefunden zu haben). Aber bei jedem dieser Kristalle bleibt es bei dem regelmäßigen „uniformen“ Sechseck. Letzteres aber verweist auf die Jungfrau, das Zeichen, in dem der Wassermann finalen Ausdruck erfährt. Die Zahl Sechs ist eine merkurische, spezifisch die Zahl der Jungfrau – die der ökonomischen Formgebung und -verwendung (siehe z.B. den Bau der Honigwaben). – Man kann diese Zusammenhänge aber auch auf der Ebene des Gemeinschaftlichen /Gesellschaftlichen aufzeigen. Der im Krebs geborene J.J.Rousseau sieht die Befreiung des Einzelnen in der Gemeinschaft der Gleichen gegeben – im Raum des Wassermanns, in dem die Wiederherstellung des „reinen Menschenbildes“ möglich sein soll. Auch hier zeigt sich der fixe Charakter des Wassermanns, denn auch der „allgemeine Wille“, von dem Rousseau spricht, wird in diesem Kontext plausibler. In der Tat galt Rousseu als Vater der Französischen Revolution, die dann aber den Gedanken der Gleichheit auf gewaltsame, gar tödliche Weise forcierte. – Staaten und Gesellschaften, die stark vom Wassermann geprägt sind, entwickeln einen Sozialgedanken, der sich niederschlägt in der Arbeits-und Sozialordnung – wie sie in der Jungfrau gegeben ist, dem Zeichen, in dem der Wassermann ausfließt. Man denke etwa an stark calvinistisch geprägte Länder wie die Niederlande, in denen das Arbeitsethos betont wurde und wo es auch in irreligiösen Zeiten weiterhin wirksam ist. Wird der uranische Gleichheitsgedanke – gleich ob in rechten oder linken Gesellschaften – überwertig, so schlägt sich dies nieder in der Sozialordnung, in der nun Zwang sichtbar wird. So war die erste Phase des Nationalsozialismus insbesondere auf die Steuerung und Intensivierung des Arbeitsprozesses ausgerichtet – man denke etwa an die deutsche „Arbeitsfront“, den Reichsarbeitsdienst und vergleichbare Organisationsformen. In extrem pervertierter Form äußerte sich dies im berüchtigten Satz „Arbeit macht frei“ über dem Eingang zum KZ Auschwitz.

Oft gibt die Kunst hier reichlich Anschauung. Um zum Verhältnis Krebs-Wassermann zurückzukehren: das berühmteste Gemälde Rembrandts ist die „Nachtwache“ – und hier (wie auuch in anderen Bildern des Malers) wird das parataktische Prinzip des Wassermanns sichtbar. Es handelt sich um ein Gruppenbild, das die Gleichwertigkeit der Abgebildeten betont, eine übermäßige Zentrierung wird vermeiden – sieht man ab von der herausgehobenen Gestalt des Offziers.

Oder: warum das Ausfließen des Steinbocks in den Löwen? Wir werden hier erinnert an das alte Thema der Alchemie: die Verwandlung von Blei zu Gold. Zudem zeigt sich in der organisch-zentrierenden Weise des Löwen das hierarchische Element, das im Steinbock angelegt ist. Bezeichnend ist, dass auch (oder gerade) der so dominante Löwe Napoleon auf die Dauer nicht auf bewährte tradierte Ordnungen verzichten wollte. – Ich denke, die Beispiele belegen, dass es sich lohnt, näher diesen Zusammenhängen und ihren konkreten Erscheingsformen nachzugehen. Und: warum das Ausfließen der Fische in die Waage? Mit Blick auf die Kunst (wie auch auf den Mythos) ist hier augenfällig das Thema der Venus, der „Schaumgeborenen“. Hier wäre u.a. der in den Fischen geborene Maler Renoir zu nennen, der in zahllosen Bildern die Schönheit junger Mädchen dargestellt hat. …

Einließen-Ausfließen….

Thomas Mann sagte von seinem Jahrhundertwerk „Der Zauberberg“, man solle diesen zweimal lesen (nungut, das lässt sich von jedem hervorragenden Roman sagen). Aus astrologischer Sicht lohnte dies allemal, denn hier bestätigte die erneute Lektüre, dass Franz Frickler unbedingt recht hatte: Jedes Tierkreiszeichen hat sein „Einfließen“ und sein „Ausfließen“ (zu Frickler siehe den Eintrag in Astrowiki). Das achte Zeichen von einem jedem Zeichen aus gesehen erfährt dessen Einfluss, dort „stirbt“ das Zeichen insofern, als dort seine finale Artikulation erfolgt. Gleichzeitig ist das „aussendende“ Zeichen folglich selbst das Feld eines Einflusses, eben des sechsten Zeichens von ihm aus gesehen – oder, anders, des achten der ihm vorhergehenden Zeichen. Nun mag man sich z.B. fragen: Was hat der Löwe mit den Fischen zu tun? Er hat dort sein „Ausfließen“, sucht dort Gestaltung. Claude Debussy, Sonne wie AC im Löwen – eines seiner Hauptwerke ist „La Mer“. Überhaupt zeigt sich der lichtdurchflutete Impressionismus in nahezu allen Kompositionen Debussys. Es lohnt unbedingt, dem Fricklerschen Thema einmnal in Ruhe nachzugehen.

Zum „Zauberberg“: Über das magnum opus Manns kann hier nicht ausführlich geschrieben werden, die Beiträge,auch im Netz, sind da reichlich gegeben. Was die Mannsche Ironie, gerade auch in diesem Werk, angeht, sei auf die umfangreiche Literatur verwiesen. Th.Mann hatte die Sonne in den Zwillingen. Hier nur ein Blick aus der Fricklerschen Perspektive: In den Zwillingen „mündet“ der Skorpion. Und dementsprechend ist die Ironie Manns gerade im „Zauberberg“ keine leichtfüßig-sanguinisch Daherkommende (wenngleich sie dies zuweilen auch ist). In den entscheidenden Passagen des Romans zeigen sich typisch skorpionische Einschläge: eine zum Zynismus gesteigerte Ironie, bizarre Szenen, zuweilen auch solche erschreckender Art und ins Karikaturhafte getriebene Charaktere. Vor allem aber geht es um das Verhältnis von Leben und Tod. Nun ist Manns „Tod in Venedig“ geläufiger (nicht zuletzt der genialen Verfilmung Viscontis wegen). Doch das Thema der unumkehrbaren Finalität des Daseins, des Todes, auch des (konkret beschriebenen) Sterbens ist im „Zauberberg“ um ein Vieles präsenter.

Andererseits haben die Zwillinge ihr Ausfließen im Steinbock. Dies kommt im „Zauberberg“ in doppelter Weise zum Ausdruck. Der Protagonist des Romans, Hans Castorp, hat sieben lange Jahre im Sanatorium zu verbringen – sieben: die Zahl der zeitlichen Abläufe schlechthin (siehe die Mond- und Saturnphasen). Die Spannung von objektiv messbarer und subjektiv erfahrener Zeit ist neben dem Thema des Todes im Roman von der ersten bis zur letzten Seite gegeben – wobei es keineswegs „nur“ um den individuell begrenzten Lebenshorizont geht. Je weiter der (rund 1000 Seiten umfassende, TB) Roman fortschreitet, desto mehr relativieren sich die objektiven Erfassungen der Zeit. „Was ist – schon – eine Woche, Monat, ein Jahr?“ – diese Frage steht dem Protagonisten beständig vor Augen. Und, auch hier der Steinbock: Das Sanatorium liegt in der Schweiz, hoch in den Bergen (unübertroffen die Mannschen Beschreibungen der Berglandschaften um Davos – der Autor hatte dort seine eigenen Erfahrungen gemacht).

Monatsbild USA

Zum Thema „Monatshoroskop“ siehe den Beitrag zu Beethoven. Man kann das Monatsbild auch für Staaten verwenden, und auch dort gilt, dass die „affektive Dimension“ im Horoskop sichtbar wird – schließlich ist auch ein Staat mit seinem in ihm lebenden Kollektiv Stimmungen und Affekten ausgesetzt. Möglicherweise gilt dies in Zeiten der medial erzeugten Emotionen im besonderen Maße.

Hier das Monatsbild der USA – der Sonnenstand auf 15:00 Zwillinge, der Unabhängigkeitserklärung (4.7.1776) vorausgehend. Im laufenden Jahr befindet sich Neptun auf dem AC oder im engen Orbis zu ihm – ohne Zweifel ein Hinweis auf die Pandemie, die gerade auch die USA so massiv betroffen hat, darüber hinaus wohl auch die allgemeine Desorientierung des Landes anzeigend. Zudem ist über Monate hin die Konjunktion des laufenden Pluto mit dem Mond gegeben – sie wird ein letztes Mal Ende November dieses Jahres exakt sein. Man denke u.a. an die heftigen emotionalen Ausbrüche im Zusammenhang mit der Rassismus-Debatte in den USA.

Ein solches Monatshoroskop reagiert in der Regel recht deutlich auf Transite, Solare und Direktionen (was sich hier u.a. sehr einprägsam zeigt, wenn ich den Ereignisse von „Nine Eleven“ nachgehe). Wie im Bild angezeigt, ist hier gegeben: Null-Widder= MA/PL=MO/U. Dies wurde schlagartig ausgelöst, als im April 1861 Neptun in den Widder eintrat (der Ingress erfolgte nur einen Tag nach Beginn des US-Sezessionskrieges). Die Mehrzahl der Kommentatoren der politischen Szene der USA nimmt an, dass die Zerwürfnisse im Land nach den anstehenden Wahlen kaum verschwinden dürften, möglicherweise sich gar ausweiten könnten – unabhängig davon, wer in den Wahlen das Rennen machen wird. Niemand (auch kein Astrologe) kann wissen, welche konkreten Entwicklungen dem Land in den kommenden Jahren bevorstehen. Man wird aber annehmen dürfen, das der kommende Ingress des Neptun in den Widder das Land einem tiefgreifenden Einfluss aussetzen wird. Dies wird 2025/2026 der Fall sein. Ist es bis dahin nicht gelungen, die sozialen und ökonomischen Krisen in den Griff zu bekommen, wird dem Land ein Szenario bevorstehen ähnlich dem der Jahre 1861 – 1865.

Trump: Hexagramm 52

Mit dem Yi Jing (diese Transkription ist angemessener als „I Ging“) habe ich mich befasst, bevor ich zur Astrologie kam – und ich komme immer wieder darauf zurück – weil oder obwohl es ein Fass ohne Boden scheint. Auf diese Weise kam ich u.a. zur Astrologie der „Neun Sterne“ (engl. Nine Star Ki).

Nach Wen Kuan Chu / Wallace A.Sherrill („Astrologie des I Ging“) gibt es die Möglichkeit, das der Geburt entsprechende Hexagramm eines Nativen zu finden sowie die dort für den Betreffenden spezifische (sich bewegende) Linie.

Hier das Hexagramm für Donald Trump: Gen, Nr 52, das „Stillehalten“. Es gehört zu den Hexagrammen, die aus identischen Trigrammen zusammengesetzt sind – hier ist es das Trigramm des „Berges“. Die Eranos Übersetzung nennt das Hexagramm das der „Begrenzung“. Hier wird sich bei manchem augenblicklich das konkrete Bild der von Trump geforderten und in Teilen realisierten Mauer entlang der Grenze zum südlichen Nachbarstaat einstellen. Oft findet man einen guten Zugang zum Hexagramm, wenn man dessen Kernhexagramm nachgeht (Näheres in jedem halbwegs ausführlichen Buch zum Thema). Da findet sich in diesem Fall das Gegenhexagramm 40, die „Befreiung“: „Dem durch eine Beschränkung eingegrenzten Blickfeld ist die Eröffnung weiterer Einsichten durch Analyse gegenübergestellt“ (Eranos-Übersetzung). Gemeint ist die Befreiung auf der Grundlage der analysierenden Betrachtung. Ein wensentliches Merkmal von Hexagramm 52 ist die „Konfrontation mit einer Begrenzung, die das Blickfeld einschränkt und zum Innehalten zwingt“ (Eranos). Zu den vielen tradierten Bildern von Gen gehört auch die geschlossene Tür, auch der in sich ruhende, unbewegliche Berg. Gen kann beinhalten die Selbstdisziplin, die Meditation – in kritischeren Fall aber Immobilität bis hin zum hartnäckigen Sichverweigern. Ein weiteres mit Gen verbundenes Bild ist das der Wache, auch das des treuen Wachhundes (wobei es interessant ist, dass Trump in einem chinesischen Jahr des Hundes geboren wurde – 1946. Tatsächlich sieht er sich als verlässlicher Bewahrer und Beschützer des ihm anvertrauten Landes. Stimmig ist auch das sich hier einstellende Bild des Turms (der ja traditionell immer auch ein Wachturm war – Trumps hochgeschossiges Domizil in New York City nennt sich ja „Trump Tower“).

Das Eine ist die mit dem Hexagramm verbundene Immobilität, die gar zum Starrsinn führen kann (man kennt den diesbezüglichen charakteristischen Gesichtsausdruck Trumps zur Genüge). Das Andere ist das, was im Berg „kreißt“, das was sich in ihm langsam an Kräften aufbaut (man denkt dabei natürlich auch an den Vulkan, der unversehens erwachen kann). Die Ordnung des Yi Jing kennt die sog. „vorweltliche Ordnung“ der Trigramme. Sie liegt der „saisonalen“ Ordnung wie eine Matrix zugrunde. „Hinter“ einem jedem Hexagramm steht das korrespondierende Hexagramm der Matrix. Das ist im Falle von Gen Hexagramm 51: Dschen, das Erbeben, der Donner. Das Erbeben erschreckt, es erschreckt gerade auch, weil es unvermittelt (und meist ungebeten) kommt. Sattsam bekannt sind die affektgesteuerten impulsiven Entscheidungen Trumps („You’re fired!“).

Trumps bestimmende Linie seines Hexagramms ist die zweite. Der Originaltext (Eranos-Übersetzung):

„Die Begrenzung: Die eigenen Waden. / Nicht retten: Das eigene Folgen. / Das eigene Herz nicht begeistert.“

Bei Richard Wilhelm: „Er kann den nicht retten, dem er folgt. Sein Herz ist nicht froh.“

Man kennt Trumps brachialen, oft brutal verletzenden Humor, ein froher Mensch ist er nicht. Wem „folgt“ er? Wen kann er nicht retten? Die traditionellen Leitlinien seines Landes? Eine bewegende Linie wandelt das Hexagramm – es entsteht in diesem Fall Hexagramm 18, „die Arbeit am Verdorbenen“.

Man kann hier einen Schritt weitergehen. Mit rund 40 Jahren (ist im jeweiligen Fall genau zu bestimmen) kommt zum Einfluss des Grundhexagramms ein ihm folgendes, das sich ergibt daraus, dass das obere Trigramm des Basisbildes zum unteren wird, das untere gelangt nach oben – dabei bliebt die bestimmende Linie (die zweite bei Trump) dergestalt erhalten, dass sie mitwandert. D.h.bei Trump ist im Folgehexagramm die fünfte Linie gegeben im Hexagramm 53: Die Entwicklung. Der Kommentar zu 53/5 ist rätselhaft – das Ziel ist erreicht – nach Phasen der Vereinsamung, der „falschen Menschen“ (Berater?) – mit der Gefahr der Sterilität, des Fehlschlages. Am Ende aber kann das Überwinden dieser Hindernisse stehen. Offen bleibt hier, wann „das Ende“ erreicht ist, die Wandlung erfolgen kann. Offenkundig nicht in der noch währenden Amtszeit… Dennoch: die Wirkungen des Basishexagramms treten etwas stärker in den Hintergrund, sie bleiben indessen zeitlebens erhalten.

Man kann hier noch einen Schritt weitergehen und den zeitlichen Auslösungen nachgehen. Eine Yin-Linie entspricht einem Jahrsechst, eine Yang-Linie einem Jahrneunt. Derzeit (seit 2-3- Jahren) ist für Trump die Yang-Linie drei des Hexagramm 53 wirksam. „…Diser Mensch neigt dazu, aufgrund einsamer Entschlüsse zu handeln. Bei seinen Vorhaben und Geschäften möchte er den Erfolg herbeizwingen und ist manchmal sehr rücksichtslos, wenn sein Fortschritt auf dem Spiel steht…“ (Sherrill/ W.K.Chu, Astrologie des I Ging).

Hegel – geboren in einem Jahr der Fünf

1770 – vor 250 Jahren geboren: Hölderlin Hegel, Beethoven.

Ein jeder ein Idealist – aber dies auf je unterschiedliche Weise. 1770 – wen wundert’s: ein Jahr des Jupiter. Hegel: 27.08.1770 – eine Uhrzeit findet sich nicht – (und alle spekulativen Uhrzeiten werden von mir ausnahmslos ignoriert). Darin seinem Freund (?) Goethe verwandt: Das Weltgeschehen ist ein vernünftiges, und es ist allein mit der Vernunft zu begreifen. Beide wurden mit einer Jungfrau-Sonne geboren. 1770: nach der Ordnung der „Neun Sterne“ ein Jahr der Fünf – und Hegel wurde zudem geboren in einem Monat der Fünf. Die Fünf steht in der Mitte – und sucht die Stabilisierung aus dieser Mitte. Die elementaren Strategien der Fünf: konsolidieren, führen, ordnen, katalysieren. Das Weltgeschehen mag auf den ersten Blick ein chaotisches sein – und in seiner mitunter grotesk anmutenden Wortwahl spricht Hegel vom Walten des Weltgeistes als das eines mal hier, mal dort werkenden Maulwurfs (dieses Bild wohl entlehnt aus dem „Hamlet“). Der Weltgeist aber ist bei all seinem oft widersprüchlich anmutenden Agieren die steuernde Mitte – eben das Walten der Kräfte der Fünf.

Als Zentrum des magischen Quadrates, des BaGua, stellt die Fünf auch die Nabe des sich drehenden Rades dar. So können Menschen, die in einem Jahr der Fünf geboren wurden, Katalysatoren im Leben anderer sein – im problematischen Fall aber sind sie als nicht immer willkommenes Korrektiv wirksam. Die „doppelte Fünf“ – Jahr wie Monat im Zeichen der Fünf – stellt eine Potenzierung bis hin zur (im kritischen Fall) Zwangsfixierung, „Sturheit“ dar. Kein Wunder, dass Hegel die Überzeugung pflegte, der Weltgeist habe zu sich selbst durch ihn, ben Hegel gefunden, gewissermaßen in diesem und mit dessen Werk die Augen aufgeschlagen. Diese offenkundige Selbsterhöhung wird nicht jedermanns Beifall finden – was nun nicht bedeuten muss, dass es sich nicht lohnt, sich ein wenig auf das Hegelsche Denken einzulassen. – es muss ja nicht gleich die „Phänomenologie des Geistes“ sein – ein zugestanden schwer verdaulicher Brocken.

Elemente – Wandlungsphasen

Die westliche (wie auch die indische) Astrologie kennt vier Elemente. Die chinesische hat deren fünf – wobei es ratsamer ist, bei der Letzteren von Wandlungsphasen zu sprechen. Denn im Gegensatz zu den uns vertrauten „Elementen“, die uns (auch) „substanziell“, auch eher statisch erscheinen, sind die Wandlungsphasen in steter Interaktion. Sie können sich „erzeugen“, untereinander schwächen, stärken – sie vermögen sogar eine komplette Wandlung einer der Phasen zu bewirken. Es ist ratsam, hier „westliche“ und chinesische Themen nicht unbesehen in eins zu setzen, auch wenn die „Erde“ wie auch das „Wasser“ hier wie dort Übereinstimmungen zeigen. Wichtig ist auch die Beachtung der jeweiligen Polarität der Wandlungsphasen – Yin oder Yang.

Die chinesische „Astrologie“ ist keine Astrologie in unserem Sinne – auch wenn sie einen Jahreskreis von 12 Tierkreiszeichen hat. Sie basiert im wesentlichen auf kalendarisch überlieferten Zeitrhythmen. Das sog. Bazisuang-Ming-Bild offenbart die Wirksamkeit der Wandlungsphasen im individuellen Lebensgang. Man spricht auch von den Vier Säulen: die Säule des Jahres (in der Abb. rechts außen), die des Monats, des Tages und die der Stunde. Jede Säule besteht aus zwei Teilen: dem sog. Himmelsstamm – jeweils oben in den Säulen -, und dem sog. „Erdzweig“, das ist eines der „Tiere“ des Kalenders. Die wichtigste Säule ist die des Tages – alle wesentlichen Berechnungen und Deutungen gehen von hier aus. Man gelangt hier in recht komplexe Bereiche (und wird sehr schnell erkennen, wie ungemein differenziert ein solches Strukturbild ist). Die Himmelsstämme sind die Wandlungsphasen mitsamt ihren jeweiligen Polaritäten. So ist die zentrale Wandlungsphase, die der Tagessäule, hier im obigen Beispiel, Yang-Wasser. Die Wandlungsphase des Tages-Himmelsstamms ist der sog. „Day Master“, er stellt die Grundlage des individuellen Empfindens und Handelns dar. Doch auch die Erdzweige beinhalten je eine der Wandlungsphasen. Die komplexen Interaktionen. die sich hier ergeben, wie auch deren Relationen zu den einzelnen Lebensbereichen können an dieser Stelle nicht einmal ansatzweise aufgezeigt werden.

Hier soll nur ein Blick auf die Verteilung der Wandlungsphasen geworfen werden. Es handelt sich in der Abb. um das Bazi-Chart von Prinz Harry, dank hinlänglich bekannter Gründe das „Sorgenkind“ der Royal Family. Wir finden hier kein Feuer, dagegen viermal Wasser – was eine klare Überwertigkeit bedeutet. Ein überdurchschnittliches Maß an Wasser kann auf die Neigung verweisen, sich Verpflichtungen zu entziehen. Oft finden sich ungelöste persönliche Probleme, meist auch Selbstzweifel verbunden mit irrationalen Ängsten. Bekanntlich hatte Harry jahrelang unter solchen Ängsten leiden müssen. Hinzu kam, dass die vergangenen zehn Jahre ein zusätzliches Maß an Wasser erbrachten („Dekade“ Yang-Feuer – Ratte / siehe ganz rechts oben – die Ratte istbestimmt von Yang-Wasser ). Und zudem ist das laufende Jahr 2020 auch von Wasser geprägt (es ist ein Jahr der Ratte).

In einem Bazi-Chart verkörpert der Erdzweig der Tagessäule den Partner. Dabei kann es sein, dass eben diese (r) das Zeichen selbst in seinem bzw. ihrem Chart hat, was indessen nicht so sein muss. Ist aber dieser Erdzweig aktiviert, so wie hier durch das Yang-Wasser in der „fließenden Dekade“, so wird die Folge sein, dass es zur partnerschaftlichen Begegnung (oder auch Wandlung) kommen wird.

Offenbar brauchte der Prinz eine Partnerin, die hier Defizite ausgleichen konnte, ihm den Mut und die Leidenschaft („Feuer“) gab, sich aus dem familiären Verbund zu lösen – denn diese Lösung fällt meist nicht leicht, wenn das Feuer im eigenen Geburtsbild fehlt. Aus eigener Kraft wäre dies dem Prinzen vermutlich nicht möglich gewesen. So gesehen dürfte die Partnerschaft für ihn die richtige gewesen sein.

Something wicked this way comes…

Deutsch, frei übersetzt: „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ (W.Shakespeare)

Noch einmal ein – aktuelles – Monatsbild. Vorweg zur Erinnerung: Ein solches Horoskop kann nie das Geburtsbild ersetzen, es gewährt aber Einblicke in das, was im Nativen an oft unreflektierten, nicht steuerbaren Impulsen affektiver Art durchdringt. Grundsätzlich gilt: Bis zu (etwa) dem Alter von 18 Jahren hat das Monatsbild Dominanz, danach sollte es in seinen Ansprüchen zurücktreten – aber es wird sich immer (bei einem jedem) dort Geltung verschaffen, wo das Ich sich unter Druck gesetzt fühlt, den schwierigen Herausforderungen des Lebens oft nur in impulsiver Weise glaubt begegnen zu können.

Die „Grünen“ ließen unlängst aus dem Munde ihrer Vize-Chefin Ricarda Lang in einem Interview mit der „Welt“ mitteilen, sie wollten künftig sich dafür einsetzen, den Zugang zur „reproduktiven Gesundheitsversorgung“ bei angehenden Ärzten abhängig machen von deren Bereitschaft abzutreiben. Schnörkelloser: Wer nicht abtreiben will, dem soll die Approbation erschwert werden – womöglich gar gänzlich verwehrt bleiben. Ich habe diese Nachricht zunächst nicht glauben wollen, habe mich dann versichert – sie stimmt.

Das Monatsbild der am 17.01.1994 in Filderstadt geborenen R.Lang.

MC= JU/PL – das mag die Beförderung sein (immerhin in noch recht jungen Jahren im Vorstand der „Grünen“…), es ist aber auch ein weltanschaulicher Zwang, zumal JU und PL im Skorpion stehen, beide über den Regenten Mars aufs achte Haus hin orientiert. Der Mond im fünften Haus, dem der Kinder – im Quadrat auf die UR-NE-Konjunktion. Mond und Saturn umfassen klammerartig das gesamte planetare Geschehen, das wesentlich aufs achte Haus, dem der „Negation“, des „Todes“, fokussiert ist – das Ganze beherrscht vom mächtigen Saturn im Domizil im zehnten Haus.

Wie gesagt: Man soll es bei der Deutung der Monatsbilder bei der Benennung der essentiellen Aussagen belassen. Diese aber sind hier nur allzu deutlich:

Dahinter steht der Wille, das Lebensrecht aushöhlen zu wollen – und dies stolz und selbstbewusst verlautbart von einer Partei, die von sich sagt, sie sei Gewähr für gesunde „Umwelt“. Der Mensch gehört offenkundig nicht in diese „Umwelt“, er ist offenkundig ein störendes, unwillkommenes Objekt. Da könnte der frühere Papst Benedikt recht gehabt haben: Er sprach von der Ausbreitung einer „Kultur des Todes“. Selbstverständlich gibt sich dieses Vorhaben der „Grünen“ einen „humanen“ Anstrich – aber bekanntlich ist hinter dem Ideal das Übel am besten verborgen. – In Deutschland zeichnen sich inzwischen totalitäre Strukturen ab, die denen der Jahre ’33-’45 analog sind.

Mit Blick aufs Ausgangszitat (Shakespeare): Vermutlich sind die Schritte des Bösen gar nicht mehr so leise – nur scheint die fortschreitende kollektive Ertaubung da die Wahrnehmung zu verhindern.

Beethoven: Monatsbild

In den Foren astrologisch.eu und APZ-Forum finden sich Beispiele des sog. Monatsbildes (nähere Begründungen in Text über die „Neun Sterne“ – abrufbar unter „Materialien“ im APZ-Forum).

Der Begriff „Monatsbild“ mag zugestanden etwas irreführend sein – ich habe nun einmal diesen Ausdruck gewählt, und sehe mich inzwischen dagegen an, ihn zu ersetzen (Monatsbild: Sonnenstand auf 15:00, der Geburt des Nativen vorhergehend). Im Monatsbild kommt vor allem das zum Ausdruck, was ich „affektive Dimension“ genannt habe, auch der Verweis auf das „Kindheits-Ich“, so wie von der Transaktionsanalyse beschrieben gehört hierher.

Hier nun das Monatsbild Beethovens (16.12.1770, dessen 250. Geburtstag nun aus bekannten Gründen (Corona) nicht in der ihm gebührenden Weise gefeiert werden kann. Hier also berechnet auf 15:00 Schütze, 1770). – Schon in seiner Bonner Zeit (B. ging 1792 nach Wien) hatte er den Spitznamen „Raptus“ – seiner sich zeitlebens meist unvermittelt einstellenden heftigen, oft aggressiven Stimmungsumschwünge wegen, die oft genug auch vor dem Wiener Adel nicht haltmachten – von dem der Komponist nicht allein in finanzieller Hinsicht abhängig war. Keine der Biographien versäumt es, hier mit Beispielen zu säumen, sie müssen hier nicht eigens angeführt werden.

Man sollte diese Monatsbilder nicht überstrapazieren – und vor allem: Sie haben die erwähnte affektive Dimension zum Thema, nicht mehr, nicht weniger. Die Deutung sollte nicht darüber hinausgehen. Auch ist das Monatsbild nicht in etwa gleichzusetzen mit dem vorgeburtlichen Neumond bzw. Vollmond, diese zeigen die Einbindung des Nativen in die überpersönliche Sphäre an.

Der Ac im obigen Monatsbild auf dem 23. Grad Jungfrau – ein Grad, über den man ein ganzes Buch schreiben könnte, er spielt in der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts eine bedeutende Rolle. Offenkudig ist der Grad uranisch bestimmt, diesen Hinweis gibt W.Döbereiner, meines Wissens gibt es analoge Kommentare aus der Hamburger Schule. Wie dem auch sei: Der Grad ist potentiell ein rebellisch aufgeladener. Hier kommt hinzu das Quadrat des Mars auf den AC. Und es gilt (u.a.): MA=MO/UR. Dazu Ebertin: „….Unbeherrschtheit, unüberlegtes Handeln.-Gewalttaten, Verletzung.“ Hinzu kommt MA=ME/PL – wiederum Ebertin: „Unermüdlichkeit, große Aufgaben meistern können, scharfe Kritik, Angriffslust..“ Beide Lichter stehen in Feuerzeichen, der Mond in applikativer Konjunktion mit Saturn – nicht selten waren Beethovens Verbalattacken hilfloser Ausdruck der immer wieder drohenden depressiven Heimsuchungen, die vor allem bedingt waren durch die schmerzhafte Erfahrung der unerbittlich zunehmenden Ertaubung. – Beethoven war keineswegs krankhaft stolz – ihm war einfach bewusst, dass er einer der „Großen“ war und dies auch gerade für die Nachwelt bleiben würde – hier dürfte das Thema MC-JU miteingehen (siehe Markierung im Abb.): „Ausdehung, Glück, Glaube des Nativen…“ ((APZ-Lexikon).

Spieglein, Spieglein…

Wir kennen dies aus der Optik, elementarer Physikunterricht: die fundamentalen Gesetze der Spiegelungen, allen voran „Einfallswinkel = Ausfallswinkel“. Wer sich mit Halbsummen – direkten wie indirekten – befasst, der begibt sich auch in dieses Feld. Denn die Symmetrie der Optik erscheint hier in analoger Weise. Zeit und Raum sind kommensurabel – das eine mit dem Maß des anderen ausdrückbar. Nichts anderes tun wir, wenn wir z.B. von einem Zehnminutenweg sprechen oder von der Entfernung einer „Autostunde“.

W.Döbereiner sieht das Jahr 1967 als ein Spiegeljahr. Spiegeln wir das gegenwärtige Jahr zurück über dieses Jahr, dann gelangen wir ins Jahr 1914. Es zeigt sich, dass hier nicht etwa eine blind ablaufende Rekapitulation vorliegt – die Geschichte wiederholt sich nie. Sie lässt aber oft analoge Verlaufsstrukturen sichtbar werden. Und meist ist hier ein Verhältnis der „Reflexion“ gegeben – dies in wörtlicher wie in übertragener Weise. So auch in der Relation der Jahre 1914 – 2020: Zwei Krisenjahre, in beiden Jahren ging es bzw. geht es um den Verlust der Stabilität der europäischen Ordnung bzw. um den Versuch, diese zu bewahren.

Es finden sich aber eine Reihe von Spiegeljahren – im kollektiven Geschehen wie auch im individuellen Lebensgang. Mit Blick auf Letzteres sind die Untersuchungen Gudrun Burkhards eine lohnende Lektüre („Das Leben in die Hand nehmen“ und weitere Titel, in denen es um die „Arbeit“ an der eigenen Biographie geht). Ein weites, bislang in der Geschichtsschreibung weitgehend unbeachtetes Feld ist das der Spiegelungen im Gang der Jahrhunderte. Hier ist u.a. das Jahr 1684 ein Schlüsseljahr. Es ist das Jahr, in dem – der chinesischen Kalenderordnung entsprechend – eine neue, 360 Jahre umfassende Epoche einsetzt. Einige Beispiele müssen hier genügen: Spiegele ich das Jahr 1939 zurück über das Jahr 1684, so gelange ich in das Jahr 1429. Das ist das Jahr, in dem die Franzosen dank der von Jeanne d’Arc ausgehenden Inspiration im Hundertjährigen Krieg erstmals dauerhaft siegreich gegenüber den Engländern bleiben. Auch 1939 sieht sich Frankreich – aber auch England / Großbritannien – existenziellen Bedrohungen ausgesetzt. Nun aber bilden Franzosen und Briten eine Koalition. – Derartigen Akzentverschiebungen begegnet man häufiger, wenn man den Spiegelungen in der Geschichte nachgeht.

Spiegele ich das laufende Jahr (2020) über 1684, dann gelange ich ins Jahr 1348 – und dies ist das Jahr des „Schwarzen Todes“, das Jahr der großen Pest, der Schätzungen zufolge ein Drittel der Bevölkerung Europas zum Opfer fielen. Die hier offenkundig werdende Parallele „Pest“ – „Corona“ sollte denjenigen zu denken geben, die, wie Trump, die fortwährende Verharmlosung der laufenden Pandemie betreiben. Aber auch hier gilt natürlich: Die Tatsache des hier gegebenen Spiegelverhältnisses besagt nicht etwa, dass annähernd identische Entwicklungen gegeben sind. Wie dem aber auch immer sein mag: Das Jahr 1348 kündigt das bevorstehende Ende des Mittelalters an, womöglich markiert auch das Jahr 2020 eine tiefgreifende Zäsur.

Auch das Jahr der Mitte einer Epoche hat Spiegelcharakter. Dies wäre das Jahr 1864 – das Jahr der Mitte der Epoche 1684 – 2044. Gehe ich von dort 50 Jahre zurück, so gelange ich ins Jahr 1814: Nach den Wirren und Zerstörungen der napoleonischen Zeit versucht der Wiener Kongress eine stabile europäische Friedensordnung herzustellen. 50 Jahre später, 1914, ist diese Ordnung allzu fragil geworden und nicht mehr zu retten.

Wie gesagt: Es lohnt, hier vertiefte Einblicke zu nehmen.

Astrologische Zuordnungen von Sprachen

Mancher unterliegt ja gelegentlich dem Zwang, „alles und jedes“ astrologisch „zuordnen“ zu müssen. Begreiflich – schließlich schult dies ja auch die Wahrnehmung. Schon in der Antike wurden Länder – besser vielleicht: Regionen astrologisch zugeordnet. Manches ist schon damals unterschiedlich gesehen worden, manches ist bis in die Gegenwart geblieben – so z.B. die Gleichung Germania/Deutschland=Widderland. Nicht selten aber wird dann manches vermischt was besser getrennt werden sollte. So ist die Sprache einer Region oft oder gar meist nicht dem Zeichen zuzuordnen, das gemeinhin als bestimmend für das Land gilt. Dieser Differenz nachzugehen, kann übers bloße Kategorisieren hinausgehen. Sprachen werden oft leichtfertig etikettiert: leicht-schwer, schön-unschön … dabei aber wird oft Sprache aufs bloße Phonologische, den Lautcharakter reduziert. „Französisch ist schön -Deutsch hässlich“ etc. – Deutsch ist nicht die Sprache des Widders (die traditionelle Landeszuordnung), sondern steht eindeutig unter der Regie des Steinbocks. Daher gerade die für das Ohr des Nichtdeutschen so prägnante, nicht selten unangenehme Härte des Deutschen – eine Härte, die im Mittelhochdeutschen gemildert war (man denke an die Dichtungen der Minnesänger), mit dem Ausklingen des Mittelalters dann aber zunehmend vernehmbarer wurde. Interessant ist es, einem Deutsch sprechenden Italiener zu hören. Auch wenn er das Deutsche gut beherrscht, wird es ihm (unbewusst) widerstreben, ein Wort mit einem harten Konsonant zu schließen – was ja für das Deutsche charakteristisch ist. Er, der Italiener, wird, kaum vernehmlich, eine leichte Vokalisierung vornehmen (die einen reizenden Akzent erbringen wird), die unangenehme Härte des Konsonanten vermeidend. Ähnlich auch das Französische: „Il pleure dans mon coeur comme il pleut sur la ville….“ Offenkundig haben die romanischen Sprachen, vor allem das Französische, eine lunare Färbung, die dem Deutschen abgeht – obwohl doch gerade den Deutschen die romantisch-lunare Gefühlsstimmung nachgesagt wird. Dabei ist Frankreich unstreitig das Land des Löwen – da herrscht ein klarer Konsens.

Was nun die „Verhärtung“ zum Konsonantischen angeht: Diese Entwickung hat sich in den anderen germanischen Sprachen, so z.B. im Niederländischen, im Dänischen oder im Schwedischen nur in verhaltenerer Weise durchgesetzt. Dies gilt auch für das Englische – auch hier tendiert die Sprache dahin, den Auslaut nach Möglichkeit zu „mildern“. England wird der Achse Steinbock-Krebs zugeordnet („My home is my castle.“). Die Sprache indessen, zur Weltsprache avanciert, scheint deutlich stärker von der Achse Zwillinge-Schütze geprägt zu sein. Im Gegensatz zum Deutschen sucht die englische Sprache das „Linking“, damit einen „Flow“ erzeugend, der dem Deutschen abgeht. Typisch ist der Drang zur Verbalisierung des Nomens – erkennbar u.a. im Gerund und in den Partizipialkonstruktionen. Es heißt ja, dass derjenige das Englische hinreichend beherrsche, der die Progressivformen in der richtigen Weise anwende. Der Zug in die Verbalisierung aber gibt dem Englischen einen entschieden dynamischen Impuls. Es wird erkennbar, wie es diesem Land möglich war, mit vergleichsweise geringen Mitteln ein weltumspannendes Imperium aufzubauen. – Das Deutsche dagegen tendiert hin zur „Sachlichkeit“, zur Konkretion, zur genauen Begrifflichkeit, dies verbunden mit dem Zug ins Nominale – der genaue Gegensatz zum Englischen also. Dementsprechend neigt das Deutsche dazu, das Verb nach hinten, oft gar ans Satzende zu verschieben – was das Erlernen der Sprache nicht eben erleichtert. Dass hier die Gefahr der „Verholzung“ – Steinbock – gegeben ist, ist vielfach beschrieben und auch beklagt worden. Die erwähnten Partizipialformen im Englischen haben einen dynamischen Charakter, im Deutschen einen „statischen“. Auch die berühmt-berüchtigten Schachtelsätze, die sich nicht nur im Amtsdeutsch finden, sind Ausdruck der (überzogenen) Nominalisierung.

Andererseits: kaum eine andere Sprache verfügt über einen solchen Reichtum der Wortbildung wie die deutsche, positiv gesehen Ausdruck des Drangs in die sprachliche Präzisierung (wiederum Steinbock!) – gemeint sind die berühmten Compositabildungen (deren Schattenseite indessen die Überlänge mancher Nomen ist). Und wohl nur wenige Sprachen sind, was die Möglichkeiten der Syntax angeht, so flexibel wie das – nur auf den ersten Blick – „steif-verhärtete“ Deutsch. Und es ist gewiss kein Zufall, dass etliche der bedeutenden Philosophen von Weltrang Deutsche bzw. Deutsch Schreibende waren: Kant, Fichte, Schelling. Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Wittgenstein, Heidegger…