Direktion 360/100

Es geht im Folgenden um eine weitere, vermutlich bislang unbekannte Direktion. Wobei gleich hinzuzufügen wäre, dass es nicht an Direktionen fehlt, dass da gar womöglich Inflation drohen mag. Immerhin führt Charles O.Carter rund sieben Formen der symbolischen Direktionen an. Diese sind fraglos wertvoll – wozu dann noch eine weitere mag man sich fragen? – Vorweg sei gleich gesagt, dass m.E. der Sonnenbogen an erster Stelle stehen sollte. Die nachfolgend gezeigte Direktion, auch sie solar bestimmt, ist m.E. geeignet, in Kombination mit dem Sonnenbogen wirksam Ergänzung zu schaffen. Womöglich ist die Kombination von Sonnenbogen mit der hier beschriebenen Direktion gar ausreichend, will man den grundlegenden Lebensthemen nachgehen. (Dies soll nun nicht etwa die von Carter empfohlenen Diretionen relativieren.)

Vorweg, das „Solare“ im Blick: Ein Kreis ist die Menge der Punkte, die von einem gegebenen Punkt den gleichen Abstand haben – dies ist eine präzise, den meisten wohl aus der Schule bekannte Definition. Der Kreis ist solarer Natur – so wie das Quadrat saturnaler Natur ist (womit sich natürlich umgehend das bekannte Thema der Quadratur des Kreises einstellen wird). Aber: Der Kreis hat paradoxerweise auch seine uranische Qualität: Denn, siehe die Eingangsfixierung, es gilt, dass ein jeder beliebiger Punkt auf dem Kreisbogen die gleiche Relation zum Kreismittelpunkt hat. Der Kreis hat eine konzentrische wie auch eine latent exzentrische Qualität. Würde die Sonne schlagartig verschwinden, würden die Planeten ihre auf diesen Mittelpunkt bezogene Bahn verlassen und ins All enteilen, damit aber auch ihren Zusammenhang verlieren. Jeder Punkt auf dem Kreisbogen ist in „gleichwertiger“ Weise auf den Kreismittelpunkt bezogen, auch dies verweist auf das latent Uranische des Kreises.

Dem Kreis sind 360 Grade zugeordnet. Dies betrachten wir als Selbstverständlichkeit – was aber ganz so evident, wie es scheinen mag, nun doch nicht ist. Denn hier kam es in babylonischen Zeiten zur Übertragung des dort gegebenen 60er-Zahlensystems auf den noch „leeren“ Kreis (360=6*60) – und dies, bevor der Zodiak klar bestimmt war (später dann primär durch die Bestimmung des Frühlingspunktes als Beginn des Tierkreises). – Vor langen Jahren kam mir in den Sinn, den Kreis, also auch den Tierkreis, der Zahl 100 gleichzusetzen. Dies ergab sich zunächst aus dem simplen Faktum, dass die 100 das Vierfache der 25 ist, somit tektonischer Natur ist – so wie sich dies ausdrückt in der Quadrantenlehre. Erst später las ich, dass Friedrich Glahn in seiner „Lebensuhr“ den Häuserquadranten je 25 Jahre zuwies. Dies dergestalt, dass es hier eine Bewegung im Uhrzeigersinn gibt: Die ersten 25 Lebensjahre sind gegeben durch die Bewegung vom AC zum MC, die folgenden 25 Jahre entsprechen dem Weg vom MC zum DC, das Alter von 50 bis 75 dem Lauf von DC zum IC, das letzte Viertel führt dann zurück zum AC. Die Befunde sind m.E. mitunter stimmig, doch halte ich den Huberschen 6er-Rhythmus (auf der GOH-Basis) für aussagestärker. – Doch wie gesagt: Die Gleichsetzung des Solaren, damit auch des auf der solaren Bewegung beruhenden Zodiaks, mit der Zahl 100, war mir schon vordem präsent. 100 – das ist das Vierfache der 25, das ist aber auch das Dreifache von 3 und einem Drittel (33.333…).   Und eben damit erweist sich die solare Prägung der 100, denn ein Solar auf den 34. Geburtstag erstellt (= 33 Jahre nach der Geburt) ergibt i.d.R. einen AC dicht am AC des Basis-Horoskops. Entsprechend das Solar 33 Jahre später. Die 100 ist, darin dem Kreis analog, in sich eine geschlossene Einheit. Ich komme dem Kern einer Zahl u.a. näher, indem ich diese und alle ihr vorhergehenden ganzen Zahlen sukzessive aufaddiere: 1+2+3+4… etc.  (Formel n/2* n+1). Die 100 ist die Potenz von 10.  Die genannte Aufaddierung für die 10 ergibt 55, für die 100 findet sich die Zahl 5050. Die Quersumme von 55 führt zurück zur 10, so auch die Quersumme von 5050 – wobei ich zurück zur 100 gelange, wenn ich die Summe 50+50 bilde. So wie der Kreis ist die 100 in sich „geschlossen“.

Setze ich für den Kreis die Zahl 100, heißt dies auch, dass das Horoskop, so wie von Glahn gesehen, in 100 Jahren durchlaufen wird. Dies führte mich zum Direktionsschlüssel 360/100 = 3.6 (im Programm als Dezimalzahl einzugeben!). Es zeigt sich umgehend, dass dieser Schlüssel als ein solarer wesentliche Lebensereignisse und -orientierungen aufzeigt.  – Beispiel das Horoskop der Bundesreublik, 09.11.1989, Mauerfall. Dieser betraf die vordringlich die DDR, doch langfristig nicht minder, bis in die Gegenwart hinein, auch die nach Jahresfrist erweiterte Bundesrepublik selbst.

Das Bild wirkt widersprüchlich – hier scheint Unvereinbares zusammenzukommen. Dies aber entspricht dem Geschehen selbst: MAd Konj., NEr =SAd/JUd – für die eine Seite ein Kollaps, der den eigenen Zusammenbruch, die eigene Auflösung einleitete, für die andere Seite ein Kollaps, der einer Befreiung gleichkam. PLd exakt auf dem AC: Der Vorgang sollte langfristige Folgen für das sich bildende Gesamtdeutschland haben, auch das westliche Deutschland sah sich über die Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte einer dauernden Transformation ausgesetzt.

Ein weiteres Beispiel, 60er Epochenbild, Wassermann-Oktilogramm 1984, New York City, die hier diskutierte Direktion für „Nine Eleven“:

Siehe u.a. die dirigierte Konjunktion UR Konj.SüdKN auf der Sonne, vor allem aber das exakte Quadrat URd auf SA – der (Ein-)Sturz (siehe die Karte XVI der Großen Arkanen des Tarot).

Ein letztes Bespiel: Hitlers Suizid:

In der Radix gegeben u.a.: AC=MO/SA – nun aber wendet sich das unheilvolle Thema gegen ihn selbst – siehe den AC mitsamt MO/SA nun auf der MA.VE-Konjunktion, mit VE als Regent über Haus acht.

Es lohnt, das zeigen weitere Beispiele, diese Direktion dauerhaft in den Focus zu nehmen.

Horst Mahler

Wer nach (ca.) 1970 geboren wurde wird ihn kaum kennen: Horst Mahler, inzwischen 86 Jahre alt, er steht derzeit erneut vor Gericht. Es geht ein weiteres Mal um Holocaustleugnung und antisemitische, von ihm verfasste Schriften. Auf die Frage des Richters nach H.s Staatsangehörigkeit antwortet Mahler „Deutsches Reich“. Hitler ist für ihn „der deutscheste der Deutschen“. – Mahlers Vita: erst Sozialdemokrat, dann linksradikal, Anwalt, als solcher Unterstützer straffällig gewordener Linksradikaler, Zugehörigkeit zur RAF, mehrjährige Gefängnisstrafen, im Zuge dessen zunehmend rechtsorientiert, NPD-Mitgliedschaft, dann Holocaustleuger und rabiater Antisemitismus. – Hier nun Mahlers Mittagsbild:

In der Dominantenverkettung steht Jupiter in der Relation der Dispositoren an führender Stelle (ich bevorzuge da grundsätzlich die klassische Herrscherordnung). Und da zudem Jupiter stark im Domizil steht, wird diese quasi-Regentschaft ausschlaggebend für das Verständnis des Ganzen: Weltanschauung im weiteren Sinne, Philosophie (Idealismus) im engeren Sinne schaffen hier „Sinn“ – dies Wort in seiner Doppelbedeutung, d.h. auch Weg-Weisung („Sinn“ wie „Uhrzeigersinn“). Dieser Jupiter steht im Quadrat zu Neptun: Fülle, Weite, Entfaltung durch Rechtsbewusstsein – oder besser Rechtsempfinden. Überwertigkeiten, Ungebundenheit, auch Lügen können sich einfinden. – Manchmal verschafft die Konzentration im 90-Grad-Bild besondere Prägnanz – so auch hier:

NE=SO/UR – „blinder Eifer schadet nur“ heißt es da bei Ebertin (K.d.G.). Das Exzentrische sieht sich ins Irrationale gesteigert. Uranus findet sich auf dem 2. Grad Stier – da (im „Gewittergrad“) ist die Neigung zum „Systemsprenger“ angelegt, um eine neuere Wortschöpfung zu verwenden: Aufbrechen von Gemeinschaftsformen. Und, nicht minder brisant, zeigt sich hier Neptun auf dem fulminanten 17. Grad Jungfrau (sabisches Symbol: „Ein Vulkanausbruch“).

Einige Hinweise zum Glahnschen Schüssel 2.5 Jahr pro Grad (siehe vorhergehende Beiträge): Auslösung der Antiszie NE (im Widder) im Sommer 1969: beginnende Radikalisierung, Anwalt für Linksradikale. NE direkt angetroffen 1977, das Jahr des „deutschen Herbstes“. 2001: PL-Auslösung: Mahler NPD-Mitglied. 2006: Auslösung UR-Antiszie: Haft (bis 2020, mit zweijähriger Unterbrechung). – Nun droht ihm die erneute Inhaftierung.

Glahn cont. – Spiegelpunkte

Aus dem Lehrwerk G.Hürlimanns:

„Die Antiszien sind Parallelkreise zur Ekliptik als Gegenstücke zu den Deklinationsparallelen. Ptolemaeus nannte die Antiszien «die sich anschauenden Grade». Jeder Planet ist – bildlich verstanden – dem positiven Pol einer Stromkraft vergleichbar. Die Antiszien oder Spiegelpunkte stellen den negativen Pol dar, einem Dynamo ähnlich, bei welchem der Strom vom negativen Pol ausgeht und über den positiven zurückfließt.

Glahn hat als erster die Behauptung aufgestellt, die Spiegelpunkte würden die innere Veranlagung aufzeigen. Kein Planet kann etwas bewirken, wenn die entsprechende Veranlagung im Menschen fehlt. Die Veranlagung aber ist geistig verankert und wird durch die Antiszien ausgedrückt. Oft bestrahlen sich zwei Radixplaneten günstig, von den Spiegelpunkten her aber quadrieren sie sich. Das ist ein Missverhältnis und wirkt sich kritisch aus.“ (Ich habe vor Jahren ein Büchlein über die Spiegelpunkte geschrieben – leider war mir die Glahnsche Sicht da nicht näher bekannt…ich würde heute einiges anders/ergänzend schreiben.)

Interessant u.a. mit Blick auf die Ausführungen zu Glahn in den letzten Beiträgen: Steht ein Planet auf den Graden 0 – 15, dann wird er im Schlüssel 1Grad = 2.5 Jahre vor dem Erreichen seines Spiegels erreicht – z.B. ein Planet auf 10 Grad wird erreicht nach 25 Jahren, sein Spiegelpunkt auf 20 Grad wird ausgelöst mit 50 Jahren. Befindet sich ein Planet in der zweiten Hälfte eines Zeichens, dann wird zunächst der Spiegelpunkt, danach erst der Planet selbst ausgelöst.

Ein Beispiel, ich greife zurück auf das Reichshoroskop vom 18.01.1871 (Abb. siehe den letzten Beitrag). Hier steht Neptun auf 19.08 im Widder, der Spiegelpunkt befindet sich also auf 10:52 in der Jungfrau. (Ich halte fest an der tradierten Spiegelung über die Achse Krebs-Steinbock.) Der Spiegelpunkt zu Neptun wird ausgelöst mit 27.16 Jahren – das führt ins Jahr 1898. Dies Jahr markierte eine bedeutende Zäsur: Das von General Tirpitz ausgearbeitete erste Flottengesetz wird vom Reichstag verabschiedet. Das Flottengesetz führt zu einem umfassenden Ausbau der Flotte, die Folge ist das Wettrüsten mit Großbritannien. Der Spiegelpunkt befindet sich im vierten Haus – folgen wir Glahn, dann ist eben dort die „innere Veranlagung“ zu finden – oder anders: Man folgte einem inneren, seelischen Impuls, hatte demzufolge nicht primär die Intention, eine ins Aggressive gehende Rivalität zur See auszulösen. Der Radix-Neptun selbst wird erreicht im Herbst 1918 – die verhängnisvolle Rüstung zur See war ein entscheidender Grund für den Krieg, an dessen Ende die Auflösung des Kaiserreiches steht.

Noch einmal G.Hürlimann: „Die Spiegelpunkte geben Hinweise auf die latenten Charakteranlagen, das innerste Weseneines Menschen, die Ursachen eines Geschehens, die Absichten, die Überzeugungen und Ansichten des Horoskopträgers. Die Spiegelpunkte beantworten die Frage, aus welchen Gründen oder Motiven etwas geschieht. Die Art und Weise des Fühlens und Denkens, also das eigentliche Ich, wird durch die Antiszien dargestellt.“

Glahn cont. – Potenzierung

Noch einmal Glahn… siehe vorhergehende Beispiele. Bekannt ist aus der Homöopathie das Prinzip der Potenzierung. Der Begriff ist deutlich genug: Die Potenzierung einer Zahl verstärkt ihre Wirksamkeit – entweder bezogen auf deren Intensität oder auf die Zeitspanne, in der diese sich äußern kann. U.a. W.Döbereiner hat diese Potenzierung genutzt (49 als Potenz der 7). Um auf Glahn zurückzukommen: Im Schlüssel 1 Grad = 2,5 Jahre wird ein Zeichen in 75 Jahren durchlaufen. Die Potenz von 2.5 ist 6.25. Und erste Sichtungen zeigen, dass hier stimmige Befunde sich einstellen. Beispiel: noch einmal das Reichshoroskop vom 18.01.1871. Ich denke nicht, dass dieses Horoskop das „gültige“ Staatshoroskop des heutigen Deutschlands ist . Aber de iure – so zweimal vom Verfassungsgericht verbindlich konstatiert – besteht das 1871 ins Leben gerufene Reich weiterhin. Dies wird bestätigt dadurch, dass wesentliche Zäsuren der Bundesrepublik im Reichshoroskop ihre Entsprechungen finden. – Das Reich:

Ein Blick auf Pluto, auf 17:00 Stier. Nehmen wir den Wert 2.5, dann wird Pluto 1913 ausgelöst – gehen wir auf den „deutschen Schicksalsgrad“ 17.5 Stier/Skorpion, dann ist die Auslösung im Spätsommer/Herbst 1914 fällig. Nehmen wir nun den Potenzwert von 6.25, dann agiert der Planet „in Vergrößerung“ ein weiteres Mal 1977, das Jahr des „deutschen Herbstes“, der Höhepunkt des RAF-Terrors. Hier gilt ja auch PL=JU/NE – zum Hass auf den Staat gesellte sich damals eine realitätsfremde Fantastik, dergestalt, dass man da tatsächlich glaubte, mit einem Dutzend Terroristen einen wehrhaften Staat auf die Knie zwingen zu können.

Neptun – im Schlüssel 2,5 ist der Planet fällig im Herbst 1918 – die Vorgänge sind bekannt. Mit dem Schlüssel 6.25 geraten wir ins Jahr 1990 -keine Wiederholung, aber auch hier ein wenig reflektierter Rausch – dem ja alsbald die in Teilen bis heute andauernde Ernüchterung folgen sollte.

Uranus – im Schlüssel 2.5 ist er 1932 fällig – die Republik auf der Kippe (schon an anderer Stelle erwähnt). Im Schlüssel 6.25 erneut aktualisiert 2024, eher zur Jahresmitte hin. In etwa zeitgleich ist gegeben die Auslösung des Mondes – auf demselben Gradwert, fällig 2025. Die beiden agieren also in quasi konjunktiver Weise. Wiederum in etwa zeitgleich: die Auslösung des Spiegels des Mars. Es kommt somit das Trio UR-MO-MA zusammen – was auf den ersten Blick dem Horoskop nicht zu entnehmen ist. 2024/2025 läuft das Land Gefahr, in sich schon jetzt abzeichnende Globalkonflikte, womöglich solche militärischer Art, hineingezogen zu werden. (Siehe diesbezüglich u.a. Artikel von Cl.Weiss in „Astrologie heute“ primär das Verhältnis USA – China in den Focus nehmend.)

Glahn / Simultanität

Zur „Methode Glahn“ (2.5 Jahre pro Grad) siehe das Vorhergehende. Hier das Deutschland-Horoskop von 1495 (das dem Abschluss des Wormser Reichtages vorhergehende Löwe-OG). Hier lösen sich nach dem Glahnschen Schlüssel in etwa zeitgleich JU und PL aus – Anfang 1519 und Mitte 1519. Die beiden stehen im Halbsextil, ein schwacher Aspekt – der aber hier plötzlich eine wichtige Rolle spielt: 1519 – die Reformation weitet sich aus, Luthers Standpunkt verhärtet sich, es zeichnet sich die Spaltung ab (1521 mit dem Erscheinen Luthers vor Karl V. dann unumkehrbar). JU-PL = (auch) die Glaubensgewissheit, hier aber verbunden mit der Gefahr der aggressiven Ausbreitung: JU/PL = MO.MA/SA, auch die Schwächung der kaiserlichen Zentralgewalt ist latent gegeben (SO/NE). Die Knotenachse steht im Aspekt (Sextil bzw. Trigon zu PL, auch sie wird mitausgelöst – ist selbst im Glahnschen Schlüssel fällig im Herbst 1521 – dem für den Fortgang der Reformation so entscheidenden Jahr.

Hat man zwei Planeten in verschiedenen Zeichen auf dem gleichen Grad stehen, so lohnt immer der Blick auf die Befunde, welche der Glahnsche Schlüssel erbringt. – Ein weiteres Beispiel: Im Horoskop des Reiches vom 18.01.1871 (Versailles, 12.55 LMT, AC 10,5 Grad Zwillinge) steht Uranus auf 24:24 Krebs, der Mond auf 24:39 Schütze – die beiden stehen also im Quinkunx-Verhältnis. Das Quinkunx stellt i.d.R. vor Entscheidungprobleme (oft verbunden mit der bangen Frage: „Geht es gut?“). Exakte Auslösung des Uranus Anfang 1932, die Republik auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Die exakte Auslösung des Mondes dann im Sommer 1932: Die NSDAP wird mit Abstand die stärkste Partei im Reich. Beim Quinkunx ist zu beachten: Welcher der beiden Planeten steht im achten Haus vom anderen aus gesehen ? Nach Frickler: Im achten Haus von ihm aus gesehen gelangt der Planet in die „finale“ Phase – hier ist es der Mond, der im Krebs („Nation“) auf den Uranus trifft. Die Verbindung Mond-Uranus findet sich durchgehend in Horoskopen faschistischer Verbindungen (Staaten, Parteien, Persönlichkeiten…).

Ein letztes Beispiel: Das Epochenbild von 1874 – Wassermann-Oktilogramm, bis 1955 wirksam (81 Jahre – 9*9). Da steht Mars auf 25:57 Fische, Neptun auf 26:00 Widder (genau auf dem DC), also wieder ein Halbsextil. Die Auslösung des Mars war fällig Ende 1938 (1938: Sudetenkrise, Novemberpogrom), die Auslösung Neptuns im Februar 1939. Ein zeitlicher Orbis von bis zu einem Jahr scheint bei dem Glahnschen Schlüssel legitim – also der Kriegsausbruch liegt noch in dieser Zeitspanne. Mars-Neptun: der sich stetig ausweitende, am Ende globale Krieg.

Rektifizierung… Edgar Reitz

Der Begriff „Rektifizierung“ ist hier im Grunde abwegig – denn rektifizieren kann ich dort, wo ein Wert – in diesem Fall: eine Uhrzeit – vorgegeben ist. Im Falle „Edgar Reitz“ ist dergleichen nicht gegeben, auch seine ungemein interessante (und blendend geschriebene) Autobiographie gibt hier keine Hinweise, die Geburt betreffend.

Ich habe unlängst Zweifel, die Rektifierung ex nihilo“ betreffend, geäußert – gemeint war eine „Rektifizierung“ bei fehlender Geburtszeit. Es sollte nicht gesagt werden, die Auffindung einer stimmigen Geburtszeit sei „illegitim“. Problematisch aber sind die zahlreichen gemutmaßten Zeiten – wobei aus Vermutungen allzu rasch Wahrscheinlichkeiten, am Ende Gewissheiten werden, oft genug falsche Gewissheiten werden. So ist derzeit z.B. ein Horoskop W.Putins im Umlauf mit einem AC um die 9 Grad Skorpion – ohne, dass sich hier Belege fänden, vor allem: ohne den Hinweis auf die hier gegebene Vermutung. – Wenn also hier ein Horoskop von E.Reitz eingebracht wird, so mit dem Zusatz, dass es sich um eine spekulative Geburtszeit handelt. Ich halte diese Zeit für wahrscheinlich – aber eben nicht ewa für gesichert.

Die Reitz-Autobiographie – gut 600 Seiten stark – bietet eine Fülle von Daten und Zäsuren. Mit fortschreitender Lektüre schien mir ein Wassermann-AC zunehmend plausibler. Was dafür sprach:

-die immense Bedeutung, die Reitz den Freundschaften beimisst,

-das parataktische Prinzip des Wassermanns, also die Gleichwertigkeit der dargestellten Phänomene und Menschen, besonders markant in Heimat II gegeben,

-die Fliegerei, die im Leben von Reitz eine wichtige Rolle spielt, aber auch in „Heimat“ von besonderer Bedeutung ist (eine der Hauptfiguren dort erlernt das Fliegen, es wird zum Lebensthema).

Die eingehende Sichtung des Materials legte den Schluss nahe, einen AC Wassermann um die 13-14 Grad anzunehmen. Die wichtigsten Orientierungen ergaben sich aus: wichtige Daten im beruflichen Werdegang, vor allem mit Blick auf das Hauptepos „Heimat“, Tod der Eltern, Umzüge und Ehrungen -dies mittels Transiten, Sonnenbogendirektionen und des Huberschen 6er-Rhythmus. Es zeigte sich schließlich, dass die hier gegebene Uhrzeit für das berühmte Oberhausener Manifest von 1962 im Sonnenbogen die direktive Sonne am MC ergibt. Reitz gehörte zu den Unterzeichnern des Manifestes, welches für die Biographie des Regisseurs und den deutschen Film von immenser Bedeutung war, es machte den Weg frei für den „Autorenfilm“. Noch einmal, der Klarheit halber: Das nachstehende Horoskop scheint mir sehr stimmig – Gewissheit wird man hier indessen nicht erlangen (möglicherweise ist eine Geburtsurkunde auffindbar…)

Glahn, cont.

Siehe den vorletzten Beitrag (15.11.), den Astrologen Glahn betreffend. Da ist eine Ergänzung, faktisch wohl auch Korrektur zu machen: Die Rede war von der symbolischen Direktion 2.5. Da gilt 2.5 Grad gleich ein Jahr, in zwölf Jahren also wird da ein Zeichen durchlaufen. Bei Glahn aber liegt eine Umkehrung vor: 2.5 Jahre entsprechen einem Grad – womit sich für den Durchlauf durch ein Zeichen 75 Jahre ergeben – ich nenne es im Moment die Glahnsche 2.5-Direktion, da ich keinen anderen Begriff zur Hand habe. – Hier nun ein weiteres Beispiel: J.F.K. Kennedy – mit Mars im achten Haus – hier mit den Ganzzeichenhäusern. (In der Mehrzahl der inäqualen Häusersysteme steht Mars an der Schwelle zum achten Haus.) Es heißt traditionell, ein Mars im achten Haus weise auf die Möglichkeit, wenn nicht gar Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Todes hin. Wir gehen heute vorsichtiger um mit deterministischen Zuschreibungen dieser Art. Doch im Falle Kennedys traf die traditionelle Bestimmung wohl zu. Mars steht auf 18:26 Stier – die Auslösung war exakt gegeben mit 46 Jahren und knapp einem Monat. Da hier ein Grad der recht langen Zeitspanne von 2.5 Jahren entspricht, ist es angebracht, mit Blick auf die Wirksamkeit der Auslösung einen nicht allzu knapp bemessenen Orbis zu wählen. Denkbar: Ein Grad (gesehen von x:00 bis hin zu x:59) ist eine in sich geschlossene Einheit. In dem Moment, in dem ein Planet – gleich ob im Transit oder direktiv – diesen „Raum“ betritt, werden sich die dort angelegten Inhalte aktualisieren. Im Hinblick auf die hier diskutierte Glansche Direktion bedeutet dies, dass ein oder gar zwei Jahre vor dem exakten Überlauf des Planeten dieser seine Bestimmungen zeigen wird. Doch natürlich gilt auch hier: je enger der Orbis, desto deutlicher die Konturen und Auslösungen.

Sehr sprechend scheint mir der vor 42 Jahren bundesweit erregt diskutierte Fall Marianne Bachmeier.Sie hatte den Mörder (Sexualstraftäter) ihres Kindes im Gerichtssaal erschossen – ein Fall der Selbstjustiz.

Hier die Radix von M.Bachmeier:

Die Sonne im Quadrat zu Saturn – Letzterer Herr über Haus 5: Kinder. Zum Zeitpunkt der Tat war recht akkurat in der hier zur Diskussion stehenden Direktion die Sonne ausgelöst – mit 30.08 Jahren (Sonne: Signifikator für „Kinder“) – mithin das Quadrat: Tod des Kindes – aber auch (Saturn) der Gerechtigkeitsimpuls. Saturn- Herr über Haus fünf – wurde in der 2.5 Glahnschen Direktion recht genau zwei Jahre später ausgelöst, nahezu exakt der Zeitpunkt der Tat im Gerichtssaal.

Zwischen der Auslösung Sonne und der Auslösung Saturn vergingen rund zwei Jahre – also hier sind nicht allein „Mord“ und „Prozess/Tat“ abgebildet, sondern auch die inhaltliche Verbindung der beiden Themen wird deutlich. Ein m.E. sehr instruktiver Beleg für die Glahnsche Direktion.

Es muss wohl nicht eigens betont werden, dass hier nicht die eine gegen die andere Direktion gestellt werden soll. Über die Verlässlichkeit des Sonnenbogens (z.B.) wird man nicht diskutieren müssen. Es bleibt das Problem – oder sage ich schlicht: Kuriosum? – dass es hier wie dort „Löcher“ auf der Ebene der tradierten Befunde gibt – so auch hier im Fall Bachmeier wo – m.E. die Glahnsche Direktion fraglos am meisten überzeugt. Das bekannte Heraklit-Fragment: „Die Natur neigt dazu sich zu verbergen.“ Das wird wohl auch auf die Astrologie zutreffen.

Arnold Gehlen

Ich halte es für ratsam, in der Astrologie (nicht nur dort) der Bewegung des Pendels zu folgen, wechselweise zwischen dem Komplexen und dem Einfachen (nicht Simplen!) unterwegs zu sein. Ich glaube gar, dass diese Bewegung in allen denkbaren Bereichen, in denen es um Erkenntnis geht, hilfreich ist, will man ins Zentrums des Denkens, Geschehens… gelangen. – Hier nun ein weiteres Mal ein Blick auf den Mond – im Horoskop des Philosophen und Soziologen Arnold Gehlen (der Zwillings-Mond im unten abgebildten Horoskop kann als gesichert gelten – erst kurz vor Mitternacht wechselt der Mond in den Krebs).

Zum Zwillingsmond: Gehlen war scharfzüngig, auch ironisch-sarkastisch – deswegen auch von Adorno so geachtet wie respektiert und gefürchtet. – Gehlen trat 1933 in Hitlers Community ein – aber: Gehlen war nie Antisemit, war nie Rassist – und hat, anders als der große Verschweiger Heidegger, nach ’45 deutliche Selbstreflexion gezeigt. – Also: Warum die Anlehung an das Nazi-Regime – ein tumber Barbarenhaufen, dem er intellektuell doch um Etliches überlegen war? –

Wohl so: Der Wassermann, Philantrop, hat das Thema des Menschen im Auge – sofern er philosophisch wahrnimmt, empfindet – und schriftlich dokumentiert (Gehlens Hauptwerk: „Der Mensch“). Dies gilt auch fürs Narrative – Beispiel Georges Simenon, demzufolge der Mensch so schlecht gerüstet ist fürs Leben , im Grunde unfähig, das ihm zugemutete Dasein zu bestehen, dass es immer wieder erstaunt, dass die Mehrheit an diesen Herausforderungen nicht zugrundegeht, sich recht und schlecht durchs Leben schlagen kann. Und doch scheitern in den Romanen Simenons Etliche, tragisch .gefangen in schuldhaft-schuldlosen Verstrickungen. (Liest man Simenon, dann begreift man auf anschaulichste Weise, was den Kern des heute sinnlos-inflationär verwendeten Wortes „Tragik“ ausmacht.) Doch warum hier der Verweis auf Simenon? Auch er ist ein Wassermann. Die Parallele zu Gehlen: Wie Simenon sieht auch Gehlen die notorisch gefährdete Lage des Menschen, seine Schwäche, er nennt ihn – der berühmt gewordene Begriff – : „das Mängelwesen“. Auf das seit Jahren nicht nur in esoterischen Kreisen endlos bemühte Wort vom „Einklang mit der Natur“ hätte er wohl nur sarkastisch reagieren können – hätte wohl auch verweisen können auf den Wolf, der blutig-grausam in der Schafsherde wütet – auch dies „im Einklang mit der Natur“.

Arnold Gehlen, Mittag

Vom Mond aus gesehen: Jupiter in 10 erhöht, SO Konj. SA im Haus der Weltanschauung (Haus 9 vom Mond) – der Philosoph ist klar dokumentiert. Eigenartiges Bild: SO/SA=JU/UR – aber eben dies trifft das Entscheidende. Das „Mängelwesen“: dies gilt im umfassenden Sinn, impliziert das Biologische wie auch das soziale Dasein. Wie kann die Gemeinschaft der Individuen (Wassermann!) ihr Dasein, damit auch das des Einzelnen sichern? Gehlens Antwort: dadurch, dass das Kollektiv starke Institutionen ausbildet – faktisch den starken Staat (womit er natürlich den Hegelschen Faden aufgreift) – siehe SO Konj. SA, Herr über den Wassermann (Dabei geht es Gehlen nicht etwa um den ideologisch legitimierten Staat.) Institutionen fördern die „Entlastung“ des „Mängelwesen“ Mensch. SO-SA ist hier nicht als Verhängnis zu sehen, sondern, siehe flankierend JU und UR, als Wahrung und Sicherung des Einzelnen und der Gemeinschaft. – Ja, es wird auf den ungeliebten, gar „bösen“ Staat geschimpft (unter Astrologen eh…) – aber nur allzugerne nimmt man dessen Dienste in Anspruch – und sei es auch nur die Polizei, die bei Bedarf rechtzeitig zur Stelle ist, die Bundeswehr, die die Deiche sichert, damit dem eigenen Haus die Überflutung erspart, der in wenigen Minuten verlässlich vor der Haustür dastehende Rettungswagen etc. etc … Gehlen sagte in etwa dies: Der mangelnde Respekt vor dem Staat und seinen Institutionen wird am Ende zum Bumerang, der den Verächter selbst treffen wird. Gehlen war kein „Staatsfetischist“, war aber skeptisch, am Ende wohl pessimistisch was die Zukunft der Institutionen anging.

F.Glahn – Direktionen

Er gehört zu den weitgehend – zu unrecht – Vergessenen: Friedrich Glahn, er selbst nannte sich Frank Glahn („frank“ wie „frank und frei“). Leider gehörte er zu den nicht wenigen Astrologen, denen 1933 das „Heil“ auf die Lippen geriet. (Nun, es waren bekanntlich etliche namhafte „Kulturschaffende“, die den nationalen Versuchungen erlagen. Glahn starb Anfang 1941, inwieweit ihm zum Lebensende dämmerte, dass er aufs falsche Pferd gesetzt hatte, ist nicht dokumentiert). Näheres zu ihm und seiner Vita in Astrowiki. – Glahn verdient Beachtung mit Blick auf seinen „Lebenskreis“, auch der von ihm favorisierten Direktionen wegen. (Näheres findet sich im Klöcknerschen dreibändigen Lehrbuch, vergriffen, vermutlich nur noch antiquarisch zu bekommen). – Zum Lebenskreis: Glahn nahm 100 Jahre für den rhythmischen Gesamtlauf durch das Horoskop, wobei er 25 Jahre für jeden der Quadranten nahm – dies „gegen die Laufrichtung“ des Tierkreises, also im Uhrzeigersinn: AC – MC – DC – IC – AC.

Mich interessierte aber primär Glahns Blick auf die Direktionen, und zwar spezifisch der Direktionswert von 2:30′ – oder dezimal 2.5. Er findet auch bei Carter („Symbolische Direktionen“) gebührende Beachtung. Auch die vedische Astrologie, obwohl eher focussiert auf die Rhythmen der Dasas, zählt den Wert zu den wichtigsten Direktionen, für manche dort ist er der einzige, der Berücksichtigung finden sollte. – Die symbolischen Direktionen – zu diesen gehört der hier in Frage stehende Wert von 2.5 – sind entweder ganzzahlige Werte oder Teilungen, Brüche derselben. So auch der Wert 2.5 – er ergibt sich bei der Division 30/12 – die Gradzahl des einzelnen Tierkreiszeichens dividiert durch die Zahl der Tierkreiszeichen. Nun sagt Glahn, dass die Auslösung eines Planeten fällig ist dann (besser wohl: auch dann), wenn sein Längenwert bezogen auf 0:00 seines Tierkreiszeichens, mit dem genannten Direktionswert multipliziert wird. Also, ganz simpel: Steht Planet X auf z.B. 17:20, also dezimal 17.333.., dann habe ich einen Wert von 17.333 mal 2.5 = 43,33.. – m.a.W. der in Frage stehende Planet löst sich aus im 44. Lebensjahr.

Dies aufgezeigt am Beispiel des Horoskops des Deutschen Reiches, 18.01.1871, Versailles:

U.a.: Pluto: fällig Sommer 1913 – und da gilt PL=JU/NE – „Der Dreizack gehört in unsere Hand“, Wilhelm II. – die riskante Flottenpolitik… // Auslösung Neptun: Herbst/Winter 1918 – Novemberrevolution, Ende des Kaiserreiches.

Uranus-Auslösung 1932 – die Republik auf der Kippe, die NSdAP wird die stärkste Partei. / Zeitlich parallel fällig der Mond im „Aufbruchzeichen“ Schütze, Quinkunx zu Uranus: Mitte 1932 fällig – exakt die Zeit der Reichstagssommerwahlen 1932.

Man kann da auch die Spiegelpunkte nehmen, z.B. SP Neptun: Auslösung 1898 – das verhängnisvolle Flottengesetz, einer der Gründe für den Ausbruch des WKI.

Oder Sonne – Auslösung 1941 – man wähnt sich – noch – als Sieger, „sonnt“ sich (noch) im trügerischen Triumph der schnellen Siege…

Ergänzung – siehe diesbezüglich die hier gegebenen Kommentare. Sprechend sind hier wohl auch die Halbsummen, vornehmlich die direkten. Im Bild das 81er-Epochenhoroskop (1874-1955). Angezeigt – siehe Pfeilmarkierung – ist die Halbsumme SA/PL – mithin auch SA/PL = MA/WID ( Widder= Allgemeinheit). Die Auslösung nach Glahn, also ausgehend von 0 Grad Fische, ist fällig Anfang 1944. 1944: der Krieg ist definitiv der von Goebbels geforderte totale geworden: die Rüstung auf dem Höhepunkt weltweit, wenig später dann die Invasion. Was mancher nicht weiß – dies mit Blick auf SA/PL: im letzten Kriegsjahr starben mehr Menschen als in den Kriegsjahren zuvor.

Edgar Reitz und die „Heimat“

Edgar Reitz‘ „Heimat“- Projekt hat nicht seinesgleichen in der Filmgeschichte: „Welche Ausdruckskraft, welche Konsequenz, welche Erzählkunst“ (Corriere della Serra). „‚Heimat‘ ist nicht nur das Kronjuwel des Neuen Deutschen Film, sondern markiert darüber hinaus einen Wendepunkt im europäischen Film“ (The Guardian). Reitz‘ Tiefenerkundigungen der deutschen Geschichte ermöglichen eine neue Sichtung des eigenen Landes und seiner Lebensformen. Unnötig zu sagen, dass „Heimat“ anrührt, bewegt, aber keinen einzigen Moment an billiger Sentimentalität aufweist.

Was tun, wenn ich keine Geburtszeit habe? Ich selbst halte nicht viel von einer Rektifizierung „ex nihilo“ heraus – meist überlagert die oft fragwürdige subjektive Erwartungshaltung die unbefangene Wahrnehmung. Die Erfahrungen mit der indisch-vedischen Astrologie („Jyotish“) auf tropischer Grundlage (wie von Ernst Wilhelm gelehrt) haben mir gezeigt, dass man im Falle des Fehlens einer Geburtszeit den Mond in den Focus nehmen sollte. Denn grundsätzlich gilt im Vedischen, dass ein Horoskop nicht allein vom AC aus gedeutet werden sollte, sondern auch vom Mond her: Dieser wird mit seinem Zeichen (Ganzzeichenhäuser!) dem ersten Haus gleichgesetzt. Es gelten dann die elementaren Regeln des Jyotish (=vedische Astrologie): die spezifischen Formen der Aspekte wie auch die wichtigen Yogas (=planetare Verbindungen). Ein Problem tritt natürlich auf, wenn nicht klar ist, in welchem Zeichen der Mond steht – hier muss man mit Vorsicht vorgehen, will man das richtige Zeichen finden. Im Falle von Edgar Reitz bedarf es da keiner Mutmaßung: Der Mond stand bei seiner Geburt (am 01.11.1932, Morbach, Hunsrück) eindeutig im Schützen. – Hier ist daran zu erinnern, dass es der Mondist, der im Jyotish den „Geist“ repräsentiert – und nicht etwa die Sonne. Dies irritiert den „Westler“ und löst nicht selten spontanen Widerspruch aus. Das Problem liegt begründet vor allem im Begriff „Geist“. Das englische „mind“ kommt dem indischen „manas“ deutlich näher. Der Mond steht auch im Jyotish nicht „über“ der Sonne, aber er ist derjenige, der wesentlich unserem Dasein Rhythmik gibt, uns mit den wichtigen Lebensaufgaben und Lebensfeldern konfrontiert. Dies hat interessanterweise auch Thomas Ring so gesehen, obwohl es in seinem Fall wohl kaum zu einer näheren Kenntnis des Jyotish gekommen sein dürfte. Er verwendet für den Mond den Beriff der „Funktion“ mit Blick auf den „welteingepassten Lebensvollzug“. „Funktion“ meint hier „lebensfunktionales Prinzip, der Reizung entsprechendes Eingehen auf die Außenwelt, Umlauf der Verrichtungen, Kontakte“ (Th.Ring: Das Grundgefüge. Die Stellung des Menschen in Natur und Kosmos. Freiburg 1986). Wir kommen hiermit der vedischen Sichtweise erstaunlich nahe.

Der Mond hier im Schützen – u.a. der Raum der bewegten Bilder, eben auch des Films. Das seelische Empfinden ist getragen vom Gefühl der Unabhängigkeit, das sich im Blick auf den entfernten Horizont äußert, sich zu dokumentieren sucht im weitausgreifenden Wurf – und eben dies kam zum Ausdruck in dem alle Maßstäbe sprengenden Heimat-Projekt (an die 60 Stunden lang). Jupiter, Regent über den Mond, findet sich im zehnten Haus vom Mond – auf dem „eruptiven“ 17. Grad Jungfrau. Jupiter ist als Herr über Haus eins (Haus des Mondes) zwar grundsätzlich „positiver“ Natur, befindet sich aber im Zeichen eines Feindes, auch die benachbarte Venus ist nicht sein Freund. Dementsprechend war der Lebensgang von E.Reitz alles andere als gradlinig nach oben führend, er musste über 50 Jahre alt werden, bevor sich Achtung und Würdigungen, dann aber europaweit, einstellten. Im Jyotish sind die den Mond in den Nachbarzeichen flankierenden Planeten, sofern gegeben, zu beachten. Hier Merkur im zwölften vom Mond: Die Tradition spricht von künstlerischen Fähigkeiten, auch „technischer“ Agilität, auch ist die Rede von bemerkenswerten Fähigkeiten im verbalen Ausdruck (zum 90. Geburtstag erschien die ausführliche Autobiographie des Filmemachers). Vor allem aber: Reitz, Sohn eines Hunsrücker Uhrmachers, hatte bei seinem Vater weitgehende Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich der Feinmechanik erworben, die ihm zustatten kamen, als er in der Mitte der 50er Jahre Abstand von seinen Theaterambitionen nahm und sich dem Film zuwandte. Dann sehen wir Saturn im zweiten Haus vom Mond: ausdauernd einer Sache gewidmet, dabei in „jeder Art von Geschäften erfahren“ und „in seiner Stadt geachtet“ (so die tradierte indische Beschreibung). Saturn aspektiert im Jyotisch – wie alle Planeten – das gegenüberliegende Haus, aber auch das dritte von ihm aus wie das zehnte. Das dritte von ihm aus aber ist das vierte vom Mond aus: Es geht um das Thema „Zeit“, auch um das damit untrennbar verbundene Thema der Vergänglichkeit – und dies bezogen auf den Schauplatz der „Heimat“. Von Interesse ist zudem Rahu (der Nordknoten) im vierten vom Mond aus, in den Fischen stehend – und auch dies ist stimmig, denn „Heimat“ ist bei Reitz der Bereich, an den man gebunden ist- dem man aber auch ausgeliefert sein kann – dem man folglich zu entkommen sucht (um dann am Ende doch häufig wieder zurückzukehren – so wie der Protagonist am Ende der „Zweiten Heimat“, der nach einem Jahrzehnt in München wieder den Weg zurück findet).

Natürlich ist auch im Jyotish die Sonne die Lebenskraft, die vitale Energie – eine schwach gestellte Sonne kann dem Erlangen von Lebenszielen entgegenstehen. Hier aber ist eine stark wirkende gegenseitige Rezeption von Mars und Sonne gegeben, zudem stärkt Mars das Zeichen der Sonne (Mars aspektiert das vierte Haus von ihm aus gesehen). Und die Sonne steht im Skorpion im Zeichen des Freundes Mars, und dieser im Zeichen des Freundes Sonne. – Die Sonne im Zeichen Skorpion: immer wieder ist bei Reitz das Thema des Todes angesprochen. So sind zwei Teile der „Zweiten Heimat“ den Toden von engen Freunden des Protagonisten gewidmet, im ersten Teil der „Heimat“ kommt der Vater dieses Protagonisten um. Und wer „Heimat“, Teil 1 kennt, dem wird u.a. die letzte Folge, „Das Fest der Lebenden und der Toten“ bildhaft vor Augen stehen. Es versteht sich von selbst, dass bei einem Künstler wie Reitz keine nekrophilen Anwandlungen auf die Leinwand gelangen, ebenso wenig, wie eingangs schon gesagt, billige Sentimentalität.