T.S.Eliot / Waage

„Waage“ hat sowohl mit Wiegen im Sinne von Abwiegen und Abwägen zu tun – und mit Wagen, dem Wagnis. Dies prägt wesentlich die Dichtung von T.S.Eliot – hier mit den GZH:

So ein Blog wie dieser ist ja letztlich fast ausschließlich ein Selbstgespräch. Ähnlich aber das erste große Gedicht von T.S.Eliot – mit nur 27 Jahren, 1915, veröffentlicht – und ohne jeden Zweifel ein Schlüsselgedicht des XX. Jahrhunderts: „The Love Song of J. Alfred Pufrock“. (Es gibt Texte, die lassen einen ja über Jahrzehnte nicht los…mit diesem hatte ich mich schon im Studium zu befassen.)

Der gesamte Text ist mühelos mehrfach zu finden im Netz, u.a. auch eine Lesung des Autors selbst auf Youtube. Die Schlusszeilen des Gedichtes – sorry, kein echter Zeilenbruch:

„I grow old . . . I grow old . . .

I shall wear the bottoms of my trousers rolled. /  Shall I part my hair behind? / Do I dare to eat a peach? / I shall wear white flannel trousers, and walk upon the beach. / I have heard the mermaids singing, each to each. /

  I do not think they will sing to me.  

I have seen them riding seaward on the waves / Combing the white hair of the waves blown back / When the wind blows the water white and black.  / We have lingered in the chambers of the sea / By sea-girls wreathed with seaweed red and brown / Till human voices wake us, and we drown.“

Sorry, das kann man einfach nicht übersetzen – da geht der berühmte „Flow“ des Englischen komplett verloren.

Jahresregent Saturn, Stunde Mond… für T.S.Eliot war es die Vergangenheit, die Oberhand gewann über die Gegenwart- „past superior to present“. Eliot ging es um das Thema Zeit und Ewigkeit, das Ringen um die Wiedergeburt des Geistes und Aussöhnung mit den Ansprüchen und Forderungen der Vergangenheit. Aber er hätte es leichter gehabt, wäre er ein schlichter Mann von gestern gewesen, ein Konservativer der alten Schule – aber das Entscheidende: Eben dies war er (auch) nicht. „…like a patient etherized upon the table…“ – gemeint ist der Abend (oder das Ich selbst?), dessen Eichendorffscher Blütenschimmer von keinem Himmel mehr still geküsst wird. Weder Romantik noch „Realität“. Er ist ein Unzeitgemäßer, wie es ihn häufiger gab in den ersten Jahrzehnten des XX. Jahrhunderts (und wie es ihn gerade in diesen Jahren wieder zu geben scheint) – siehe die oben eingebrachten Schlusszeilen: Der Versuch, Zuflucht in den Bildern der romantischen Tradition zu finden scheitert – die „mermaids“ bekümmern sich nicht um ihn – und es sind dann die „human voices“ des Hier und Jetzt, die ihn ertrinken lassen. Er findet hier wie dort kein Zuhause. „Der unbehauste Mensch“, das war mal eine Metapher für den Menschen des letzten Jahrhunderts.

Saturn ist in der Waage erhöht – und – der Hinweis sei erlaubt – indisch-vedisch aspektiert er das erste Haus, legt seinen Schatten darüber. Sonne wie Mond stehen in Luftzeichen – Alles und Jedes hat sich der mentalen Diagnose zu stellen – mit der Folge, dass es allzu oft nicht reicht zum finalen Entschluss. So fehlt es auch nicht an komischen Elementen: „Do I dare to eat a peach?“ – Too much of a good thing – mit Blick auf das massive erste Haus,- welches dem ständigen Wiegen-Abwägen ausgesetzt ist “ : … time for a hundred indecisions…“ Wie ein roter Faden zieht sich die „overwhelming question“ durch das Gedicht – und oft genug sind es nicht die wirklich „existentiellen“ Fragen, sondern die des trivialen Alltagsgeschehens, die dem Ich des Gedichtes den Weg ins Dasein verstellen. Der Rahmen des Gedichtes ist offenbar eine Art großbürgerliche Party – das wird immer nur angedeutet- und es will dem Autor dank seiner Verzagtheiten nicht gelingen, den Schritt aus seiner Reflexionsfalle zu tun, er hat keine Beziehungsfähigkeit entwickeln können, unterliegt dann – wiederum die Waage – dem steten vergeblichen Drang, am Ende doch zu eben dieser Beziehungsfähigkeit zu gelangen.

Zum Schluss des Gedichtes – das Ertrinken des Ichs: In der Wage haben die Fische ihre „Ausfließen“ (siehe F.Frickler) – die Waage ist das achte, „finale“ Haus der Fische. Das Thema des Ertrinkens wird übrigens aufgegriffen in Eliots wohl wirkmächtigstem Langgedicht, „The Waste Land“.

Nachtrag: Nun fand ich doch eine, wie mir scheint, gelungene Übersetzung – hier aber nur der oben wiedergegebene Schluss:

Ich will weiße Flanellhosen tragen und wandern am blauen Meer. / Ich höre die Meermädchen singen, hin und her. / Ich glaube nicht, dass ihr Gesang mir gilt. / Ich sah sie meerwärts auf den Wellen reiten / und kämmen weißes Wellenhaar im Flug, / Als Wind das Wasser weiß und schwarz zerschlug.

In Meergewölben ward uns Aufenthalt / Bei Meermädchen in rotbraunen Seetangs Winken, / Bis Menschenlaut uns weckt, und wir ertrinken.

(Übersetzung K.G.Just)

Thomas Ring -tropisch/indisch

Was die Transsaturnier angeht, ist unter indisch-vedischen Astrologen die Meinung geteilt. Der eine nimmt sie als Ergänzung, der andere schenkt ihnen keine Beachtung. Beide Seiten können stichhaltige Argumente ins Feld führen. Ich nehme sie, die Transsaturnier meist hinzu, wenn ich ein Horoskop „indisch“ betrachte – aber erst, nachdem ich versucht habe, dem Horoskop allein auf der „klassischen“ Ebene auf die Spur zu kommen.

Über die Möglichkeit der vedischen Astrologie auf der Grundlage des tropischen Tierkreises (wie u.a. von Ernst Wilhelm angeregt und praktiziert) habe ich hier schon an anderer Stelle geschrieben. (Siehe dazu auch die lesenswerten Beiträge im Astrologie-Blog Starfish.)

Unbestritten ist Thomas Ring (28.11.1892, Nürnberg 18:00 LMT) einer der bedeutendsten deutschen Astrologen des vergangenen Jahrhunderts, für nicht wenige gar der bedeutendste. Ihm verdanke ich, dass ich näheren Zugang zur Astrologie fand. Leider werden seine Bücher nicht mehr aufgelegt, seine Begrifflichkeit gilt als „schwierig“ – möglicherweise der Grund dafür, dass er (meines Wissens) nie in andere Sprachen übersetzt worden ist. Dankenswerterweise aber hat man sich entschlossen, seine wichtigsten Titel online verfügbar zu machen, darunter sein Hauptwerk, die vierbändige „Astrologische Menschenkunde“ – kostenfrei aufzurufen im „Astrodienst“.

Gelegentlich ist zu hören, Th.Ring habe seine Astrologie fälschlicherweise als „traditionell-klassische“ ausgegeben. Gemeint ist u.a., dass er wenig Bezug auf die klassischen Würden genommen habe. Richtig aber ist, dass Th.Ring den Begriff „klassische Astrologie“ kaum je verwendet hat, er sprach von der „revidierten Astrologie“.

Untenstehend das Horoskop mit der Dispositorenstruktur – Th. Ring, der den Begriff „Dominantenverkettung“ verwendete, hat diese gerne berücksichtigt (Näheres u.a. in Band III der „Astrologischen Menschenkunde“). In diesem Horoskop sind es Mars und Jupiter, die „oben“ in der Sequenz der Verkettung stehen. Beide stehen in wechselseitiger Rezeption, was einen guten Zugang zum Verständnis des Horoskops an die Hand gibt. Mars ist aus vedischer Sicht für einen Krebs-Aszendenten der günstigste Planet (er herrscht über die Häuser fünf und neun). Hinzu kommt, dass beide, Mars wie Jupiter, im Zeichen eines Freundes stehen. Wir haben damit ein mächtiges Raja-Yoga vor uns, ein sicherer Hinweis darauf, dass es hier zu herausragenden Leistungen kommen konnte.

Weniger bekannt ist, dass Ring auch auf dem Felde des Künstlerischen, der Malerei, Bemerkenswertes schaffen konnte – siehe u.a. die Venus im fünften Haus, aus dem Kendrahaus (=Kardinalhaus) vier kommend. Eine Reihe weiterer Yogas in diesem Horoskop könnte hier aufgezeigt werden. An dieser Stelle soll nur auf das Viparita-Yoga hingewiesen werden, das sich hier durch den Herrscher über Haus 12 in Haus 6 ergibt: Erfolg nach ertragenen Schwierigkeiten oder gar Schicksalsschlägen (traumatische Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg, als Kriegsgefangener in Großbritannien wegen „Meuterei“ zum Tode verurteilt, dann begnadigt, Tod der ersten Ehefrau infolge schlechter Versorgung in französischer Deportation nach Ende des II. Weltkrieges).

Ein Wort noch zu Saturn erhöht in der Waage im vierten Haus: das ist ein sog. Sasa-Yoga. Da heißt es, der Native entwickle Autorität und Strenge aus der Erfahrung von Ängsten heraus. In der Tat: Ring macht es sich in seinen Büchern nie leicht – mitunter scheint er gar zu „ringen“ – wenn das zugestanden etwas saloppe Wortspiel hier erlaubt ist. Bezeichnenderweise geht Ring in der „Astrologischen Menschenkunde“ wiederholt auf analoge saturnische Anfechtungen ein. Da aber Saturn einen Aspekt des Wohltäters Jupiter erhält – verstärkt durch die Regentschaft Jupiters über Haus neun – blieben dem Nativen selbstdestruktive Tendenzen wohl erspart.

Bezeichnend ist, dass Ring immer auf die von ihm so genannte „Aussagegrenze“ (Saturn!) verwies, dort wo es um die astrologische Aussagegrenze ging. Dementsprechend zeigte er sich jeder Prognose gegenüber skeptisch bis ablehnend.

Th.Ring wurde fast 91 Jahre alt – eine Lebenszeit, die der Mehrheit der Männer meist verwehrt bleibt ( Frauen haben bekanntlich ein im Schnitt längeres Alter). Auch hier dürfte Saturn maßgeblich beteiligt gewesen sein. Es heißt, Saturn als Herrscher über Haus acht in einem Kardinalhaus im Domizil oder erhöht (wie hier gegeben) gewähre i.d.R. ein vergleichsweise langes Leben.

Die Lektüre Th.Rings lohnt nicht zuletzt der tiefreichenden Bildung des Autors wegen (was nichts zu tun hatte mit den bourgeoisen Etiketten „schöngeistiger Bildung“) und wegen ihres ungewöhnlichen begrifflichen Differenzierungsvermögens.

Albrecht Dürer

Wie so oft: auch beim wohl bedeutendsten deutschen Künstler gibt es Probleme mit der Geburtszeit. Die Fahrlässigkeit, mit der über Geburtszeiten oft verfahren wird, ist frappierend, nicht selten gar deprimierend. Am unangenehmsten dabei ist der Fall von Nativitäten, von denen es keine verlässlich dokumentierten Uhrzeiten gibt, für die dann munter spekulative Zeiten notiert werden – und bedenkenlos kopiert werden. Gegen Vermutungen, auch Überzeugungen ist nichts einzuwenden – so lange wie sie als solche kenntlich gemacht werden – was leider allzu oft nicht der Fall ist. Dann werden Spekulationen allzu oft zu falschen Sicherheiten umgebogen – und über kurz oder lang finden sie sich in diversen Publikationen als „verifiziert“ wieder. Mitunter aber ist dann nicht einmal dieses Etikett angegeben. – In der Wissenschaft ein bekanntes Phänomen: die Multiplikation von Fehlern. Aber da pflegen ja manche Astrologen die Nase zu rümpfen – iiih, „Wissenschaft“.. Nun, ein wenig an Selbstdisziplin, was Daten angeht, wird man schon erwarten dürfen.

Das Horoskop Dürers – ist die Zeit verlässlich? Befragt man das Netz, so findet sich die Angabe „11 Uhr“ – eine Quelle sucht man dann vergeblich. Das führt dann zu einem Jungfrau-AC. Nach Th.Ring („Genius und Dämon“) ist die Zeit 10:20 Ortszeit verbürgt: „..laut Angabe des Vaters und der Berechnung von Lorenz Behaim..“ Nun, auch das gibt nicht die letzte Sicherheit. Immerhin aber haben wir es mit einem Rückgriff auf eine klar benennbare Dokumentierung zu tun.

Es soll nun davon abgesehen werden, die Geburtszeit zu „verifizieren“. – Was mich hier interessierte: das Thema der Doppelregentschaft. Ich halte nun einmal fest an der klassischen Dipsositorenlehre (und halte es für einen schweren Fehler, diese kurzerhand als „überholt“ zu entsorgen).

Dahinter steht, zugestanden, auch die persönliche Situation – in meinem Fall sind die „Lichter“ beide vom Mars beherrscht, und dessen Situation stellt einen Schlüssel zum Verständnis meines Horoskopes dar (was nun für den Leser weiß Gott kein Grund sein muss, dem näher nachzugehen). Zum Thema Doppelregentschaft: bei Dürer regiert Merkur den mit vier Planeten besetzten Zwilling, dort vor allem auch Sonne und Mond. Zudem ist er der Dispositor des Jupiters- des „Lebensoptimums“ schlechthin. Merkur findet sich in Haus 10 in Konjunktion mit dem MC. Da mag der (wohl überflüssige) Hinweis genügen, dass Dürers größte Errungenschaften sich in seinem graphischen Werk finden.

Merkur auf 18 Grad Stier – damit engstens liiert mit der deutschen Schicksalsachse 17-18 Grad Stier/Skorpion. Kein Wunder, dass er zum deutschesten aller deutschen Künstler erklärt wurde – dem einen recht, dem anderen ein Graus. Nun, sein Rang als Künstler mit Weltgeltung ist so oder so gegeben. – Wie dem auch immer sei: Es lohnt sich, diesen Doppelregentschaften nachzugehen.

X und sein/ihr Land/Staat

Will man den wechselseitigen Bezüge zwischen einem Land und einem dort „mundan“ Wirkenden nachgehen, dann pflegt man üblicherweise den Blick auf die synastrischen Verbindungen zu richten. Ohne Frage zeigen sich hier markante Themen („Welche Aspekte bilden sich?“ etc). Was nach meinen Erfahrungen weitere Aufschlüsse erbringt: Ich nehme das entsprechende Staatshoroskop und berechne für den Tag der Geburt des Nativen die Tertiärprogressionen I (TP I – manchmal auch Tertiärdirektionen genannt, obwohl der andere Begriff der korrektere ist). Die Regentschaft von Königin Elisabeth II. von Großbritannien neigt sich dem (baldigen?) Ende zu. Auch wenn mancher sich als ihren Nachfolger Prinz William wünscht: Es wird wohl dessen Vater sein, der, wenngleich schon über die 70, es sich nicht nehmen lassen wird, britischer Monarch zu werden. Spekulationen darüber, wann dies sein mag, sollen hier unterbleiben.

Ein Blick auf die TP I von Großbritannien (1.1.1801, 0:00 Ortszeit, London) für den 14.11.1948, Tag der Geburt von Prinz Charles:

(Häuser Porphyrios: gleich große Häuser in den einzelnen Quadranten)

Die öffentliche Wahrnehmung des Prinzen wird für immer verbunden sein mit der gescheiterten Ehe Charles-Diana – auch wenn mit zunehmendem zeitlichen Abstand wo nicht Vergessen, so doch längst zumindest Nachsicht eingesetzt hat. Wir sehen eine präzise SA-UR-Konjunktion in der Waage in scharfer Opposition auf Venus. Saturn-Uranus: die Trennung aufgrund von Disharmonie und Unvereinbarkeit. Charles soll schon wenige Wochen nach der Hochzeit in zutiefst depressiver Stimmung im engeren Freundeskreis gesagt haben, er habe mit der Eheschließung den größten Fehler seines Lebens gemacht. Interesssant scheint mir auch, dass Mars und Venus beide im Exil stehen – aber dank wechselseitiger Rezeption in verdeckter – problematischer – Konjunktion stehen. Dass die Ehe nicht auf Rosen gebettet war, gelangte alsbald in die öffentliche Wahrnehmung (das besorgte in aller Schärfe die jegliche Initimität missachtende Yellow Press des Landes – siehe hierzu die Mars-Merkur-Konjunktion im dritten Haus).

Die Stimmigkeit dieser Horoskope erweist sich nicht zuletzt darin, dass sie auf Transite ansprechen. So auch hier: Im Dezember 1992 wurde die Krise zum öffetlichen Skandal. Damals stand Saturn auf dem AC, Pluto stand in präziser Konjunktion mit dem Mond.

Charles ist „modern“ (AC) wie „konservativ“ (SA-UR – der konservative Rebell). So geißelte er wiederholt die moderne Architektur, und stieß damit manchen renommierten Architekten vor den Kopf. Zudem lässt er keinen Zweifel daran, dass er den monarchischen Traditionen treu bleiben wird. Andererseits gilt er als „progressiv“ in sozioökonomischer Hinsicht. Mancher fürchtet, dass diese Anlagen und Interessen in seine Regentschaft eingehen könnten, m.a.W., dass Charles die gebotene Neutralität nicht gebührend achten wird.

Ein weiteres Beispiel: USA (4.7.1776, AC 7,5 Grad Schütze – A.Lincoln):

Diese Horoskope können selbstverständlich nicht die sorgsame Betrachtung der jeweiligen Geburtshoroskop ersetzen. Auch sollte man diese TP-Horoskope nicht „überstrapazieren“, sich auf elementare Aussagen konzentrieren. Diese aber können klare Konturen die Relation des Nativen zu seinem Land betreffend aufweisen: So auch bei Abraham Lincoln. Im Wassermann-AC finden sich „Progressismus“ (unter Lincoln wurde die Industrialisierung des Nordens massiv forciert) wie auch der Gleichheitsgedanke – Lincoln verabscheute die Sklaverei zutiefst. Der Altregent des Wassermanns, Saturn, steht auf dem ersten Grad Skorpion im neunten Haus. Hier ist jemand von klar umrissenen Leitgedanken gesteuert, die (auch) verbindliche weltanschauliche Orientierung geben. Neuregent Uranus steht im vierten Haus – dort ist das Land gespalten. Indirekt ist Mars-UR (siehe Abb.) gegeben. Als der laufende Mars am 12.04.1861 das IC („das Innere des Landes“) erreichte, begann der Sezessionskrieg, der die Teilung des Landes erst vertiefte, dann überwand (wenngleich sich Wunden erhalten haben, die bis in die Gegenwart nachwirken).

Wallenstein vedisch-tropisch

Ich knüpfe an das am 10.05.2020 Geschriebene an (siehe dort, Thema „Aspekte indisch“). – Vedische Astrologie tropisch – „Ist das legitim?“ Nun, wie schon gesagt, nicht wenige vedische Astrologen tun dies, sie folgen Ernst Wilhelm, der auf die Quellenlage verweist, derzufolge in Indien urspünglich der tropische Tierkreis Verwendung fand. Das bedeutet nun aber nicht die definitive Abkehr vom siderischen Tierkreis. Dieser aber findet Anwendung nur dort, wo es um die Stellung der Planeten und des ACs in den Mondhäusern, den Nakshatras geht. Auch die wichtigste der planetaren Zeitrhythmen, die Vimshottari Dasas, bleiben erhalten (sie basieren auf den Nakshatras).

Das Horoskop Wallensteins hat nicht nur unter Astrologen Bekanntheit erlangt, auch die Biographen des berühmtesten Feldherrns des Dreißigjährigen Krieges pflegen darauf ausführlich einzugehen. Die Deutung des Wallenstein-Horoskops wurde auch deswegen so bekannt, weil kein Geringerer als Kepler sie niedergeschrieben hat (dies gleich zweimal).

Hier nun das Horoskop Wallensteins, in indisch-klassischer Weise (Ganzzeichenhäuser), ohne Transsaturnier, aber tropisch berechnet.

Eine ausführliche Deutung kann hier nicht erfolgen, es bleibt bei einigen Hinweisen auf das Augenfälligste.

„Er liebt es, bewusst oder nicht, mit kollektiven sozialen oder okkulten Kräften umzugehen, und er muss definitive materielle Ergebnisse sehen, wenn er zufrieden sein soll….“ Dies schreibt Dane Rudhyar („Der Sonne/Mond-Zyklus“) über den Glückspunkt im Stier. In Teilen der klassischen Astrologie (vor allem der hellenistischen) gilt die Berücksichtigung des Glückspunktes als elementar für die Gesamtdeutung. Er kann dann als ergänzender AC genommen werden. Dies bedeutet hier, dass der Herrscher des zweiten Hauses (gesehen vom Glückspunkt), Merkur, im Domizil steht und zudem durch Jupiter aspektiert wird, der gleichfalls im Domizil steht, und dies im elften Haus (wiederum gesehen vom Glückspunkt). Das elfte Haus aber ist aus indisch-vedischer Sicht das Haus (u.a.) des Gewinnstrebens.

Schon diese knappe Sichtung des Horoskops zeigt einen wesentlichen Teil der Biographie Wallensteins auf, der seinen Reichtum mit dem und durch den Krieg machte, in dem er als selbständiger Unternehmer agierte. Den ersten Schritt zum Wohlstand aber bildete die Heirat mit einer älteren, sehr vermögenden Witwe. Auch hier gibt der Glückspunkt Auskunft: der Herrscher über den Glückspunkt, die Venus, steht von diesem aus gesehen in Haus sieben. Der Großteil des Vermögens Wallensteins war sein bedeutender Grundbesitz. Wieder gibt der Glückspunkt Auskunft: er steht im Erdzeichen Stier im vierten Haus („Grund und Boden“).

(Ein Hinweis auf das Thema „Exil“ – dort finden sich Mars und Venus in diesem Horoskop: Die indisch-vedische Astrologie kennt den Begriff des Exils nicht – und wo sie dennoch den Blick darauf wirft, sieht sie hier keine wirklich gravierende Schwächung. Oft ist es in diesem Fall so, dass die Umwelt des Betreffenden dessen Aspirationen nur wenig an Unterstützung gewährt, und nicht selten wirkt der Native abseits seiner Heimat – so auch bei Wallenstein. Im Übrigen: ein exilierter Planet aspektiert ja aus indischer Sicht mittels Opposition sein eigenes Zeichen und stärkt dieses dadurch.)

Das dritte Haus ist in der vedischen Perspektive bestimmt durch die Themen „Mut“, „Initiative“, – eben „Courage“ (die Courage eines Wallensteins hatte diejenige der Brechtschen „Mutter Courage“ zur Folge). Dort regiert Mars – und er findet sich im „Gunst verleihenden“ neunten Haus. Aber natürliche Übeltäter im neunten Haus können sich nachteilig auf das Ethos des Nativen auswirken. Die in schwindelnde Höhen führende Karriere Wallensteins aber verdankt sich wohl vor allem der gegenseitigen Rezeption der Regenten über Haus 9 und 10. (ein „Adipathi-Yoga – ein kraftvolles Raja (=König)-Yoga.

Mars ist „Atmakaraka“ – d.h. der Planet, der den höchsten Grad im Zeichen erreicht, das „Selbst“ repräsentierend – ein zugestanden unscharfer Begriff, aber er dürfte gebunden sein an die „höchsten“ Aspirationen des Nativen – im Falle Wallensteins eben das Militärische. – Zurück zum Thema „Exil“ – bezeichnend ist ja, dass es Wallenstein nach den Höhen und Tiefen der militärischen Karriere zurückzog ins inzwischen überaus opulente Heimische in Böhmen, bevor er dann, vom Kaiser gefordert, sich aufs Neue ins Kriegerische begab – letztlich zu seinem Unglück.

Der Mond ist laut Kepler hier „verworfen“ – gemeint ist wohl der Steinbock, aber in den GZH kommt hinzu die Stellung im zwölften Haus (bei Kepler, Häuser nach Regiomontanus-Manier, im elften). Aus vedischer Perspektive: der Mond im „Kemadruma“ – d.h. kein Planet in den beiden flankierenden Häusern, Rahu (=aufsteigender Mondknoten) zählt hier nicht. Ein Kemadruma-Mond hat in der Regel Probleme damit, sich einen Platz in den gewohnten sozialen „Netzwerken“ zu verschaffen. Folglich war Wallenstein ein Fremdling – geachtet, gefürchtet – aber nicht geliebt.

In der gesamten Zeit seiner militärischen Karriere regierte in den Vimshottari-Dasas Rahu, der nördliche Mondknoten. Er steht im elften Haus – dem der materiellen Gewinne, und dies war wohl das leitende Motiv im Leben Wallensteins („Der Krieg muss den Krieg ernähren“). Der Regent über den Mondknoten ist im zweiten Haus zu finden – auch hier der Hinweis auf den Drang zur Sicherung und Erweiterung des Eigenbestandes.

Deutschland 2022

Vorweg: wie schon angedeutet, sehe ich die Möglichkeiten der Prognostik im Mundanen in Zeiten grassierender Unübersichtlichkeit eher skeptisch – zu vieles an Unwägbarkeiten stellt sich dem unbefangenen Urteil entgegen.

Dann: ich knüpfe an an das, was im Beitrag 1870 – 1945 – 2020 geschrieben wurde. In der Geschichte konvergieren die unterschiedlichsten Zeitrhythmen, man könnte gar von einer über die Jahrhunderte in kontrapunktischer Weise angelegten Verlaufsstruktur sprechen. – Die Zahl 108 gilt in den östlichen Traditionen als „heilige Zahl“, nicht nur in Indien. Über sie ist etliches in Erfahrung zu bringen via Internet – zu vieles, als dass dies hier darzustellen wäre. Die Zahl taucht in der Geschichte Deutschlands wiederholt an entscheidender Stelle auf. Hier geht es um die Jahre 1266 – 1806 – 1914 – 2022.

1266: das Ende der Staufer-Herrschaft – in Italien, wie im eigentlichen Reich. (Zwar kommt es noch zum Versuch des halbwüchsigen Konradins, dem Einhalt zu gebieten, doch er scheitert, der gerade einmal 16 Jahre alte letzte Staufer wird in Neapel auf Befehl Karls von Anjou hingerichtet.) Damit zeichnet sich, zumindest im Reich, das Ende des Hochmittelalters ab. 1806, 540 Jahre (5 mal 108 Jahre) später, wird das „Heilige Römische Reich deutscher Nationen“ aufgelöst. Die Schaffung des Rheinbundes durch Napoleon erzwingt die Abdankung des letzten Kaisers. Dann 1914: Krise und sich abzeichnender Untergang der Hohenzollern. Und in absehbarer Zeit, 108 Jahre später: 2022.

Das muss kein Doomsday-Jahr sein, doch spricht etliches dafür, dass grundlegende Neubestimmungen damit einhergehen werden – nicht solche kurzlebiger Art wie etwa „nur“ ein Regierungswechsel – und wenn doch ein solcher Fall gegeben sein wird, dann wird es einer mit richtungsweisender Bedeutung für die Dauer von Jahrzehnten sein.

Das Horoskop der Bundesrepublik, 24.05.1949, 0:00 MESZ, Berlin. Auf der Vertikalen die bekannte deutsche Schicksalsachse – 17-18 Grad Stier/Skorpion. Und eben dort wird es am 28.06.2022 zur Konjunktion des transitierenden Uranus mit dem Regenten über Haus 10, Mars am IC kommen. Dies wird sein am 28.06.2022 – Zufall ?, vermutlich aber nicht – das ist der Jahrestag des Attentats von Sarajewo 1914. Dass hier geschichtsträchtige Umschichtungen sich abzeichnen, wird nicht zuletzt angezeigt durch die Tatsache, dass der laufende Uranus die Halbsumme Jupiter/Saturn aktiviert. „Überraschend schnelle Reife einer Sache“, so heißt es im alten Witte-Regelwerk dazu. Und: “ Trennung, von Glück begünstigt… Eine Entscheidung herbeiführen … / Plötzlicher Sach- oder Gebäudeschaden.“ Und Ebertin: „Plötzliches Aussetzen des Bewusstsein (durch Krankheit, Schreck, Tod)…“ Wie so oft: es gibt der Möglichkeiten viele… (was man nicht zwingend als Negativhypothek verbuchen sollte). Da aber der Radix-Mars, Regent über das MC, zeitgleich durch die laufenden Planeten dem Thema UR=SO/NE ausgesetzt sein wird, ist nicht damit zu rechnen, dass hier über die kollektiven Geschicke in „souveräner“ Weise, sondern eher in reaktiv -„resignierender“ Weise bestimmt werden wird.

Die „kleine Zwölfer“- Direktion

Direktionen gibt es nicht wenige. Der eine belässt es allein beim Ein-Grad-System bzw. beim Sonnenbogen, andere nutzen die Vielfalt der Direktionsschlüssel – was die Gefahr der Unübersichtlichkeit mit sich bringen kann. Charles O.Carter war der Ansicht, man könne mit einer Handvoll der „symbolischen Direktionen“ alle markanten Ereignisse sichtbar machen. Hier soll nur eine der von ihm verwendeten symbolischen Direktionen beschrieben werden – einach aus dem Grunde, weil ich sie für überaus nützlich halte.

Zunächst: Was ist das „kleine Zwölfer“? Es gibt den Zwölfer-Schüssel (den übrigens auch manche indische Astrologen verwenden). Er ergibt sich aus der Division 30 durch 12 = 2,5. Das „kleine Zwölfer“ geht einen Schritt weiter und teilt 2,5 durch 12 – was 12’30“ ergibt. Ein Bogengrad entspricht dann dem Alter von 4,8 Jahren, 5 Grade = 24 Jahre, 10 Grade = 48 Jahre, 15 = 72 Jahre. Also ein überaus langsamer Schlüssel.

Dieser Schlüssel eignet sich sehr gut für Korrekturen (bei denen ich aber generell sehr vorsichtig bin). Besonders hilfreich ist der Schlüssel bei sog. „plaktischen“ Aspekten, d.h. Aspekte mit vergleichsweise großem Orbis. Die Diskussion, welche Orben wann zulässig sind, soll hier unterbleiben. Statt dessen ein instruktives Beispiel:

Das ist das Geburtsbild Friedrichs II. von Preußen. Die Geburtszeit wird angegeben mit „mittags“ – was natürlich eine genaue, aber auch sehr ungenaue Angabe sein kann. Man wird aber wohl von einem Zwillings-AC ausgehen können – allein die Physiognomie und die Gestalt des Königs weisen in diese Richtung, natürlich auch die Tatsache, dass er etliche seiner Gedanken verschriftlichte und stete Korresponenz übte. Wir haben hier einen Sonnenstand von 3:41 im Wassermann und einen Mars im selben Zeichen auf 12:13. Ein grenzwertiger Orbis – aber man wird noch von einer Konjunktion sprechen können. Nun wird diese Konjunktion im Sonnenbogen nach rund neun Jahren fällig. Bekanntlich litt der Kronprinz schon als Kind unsäglich unter der harten Hand des Vaters, des „Soldatenkönigs“. Paradoxerweise aber wird es nicht der Vater, sondern der Sohn sein, der das Land in Kriege führt, die Staat und Volk immense Opfer abverlangen. Gleich im ersten Jahr der Regentschaft schlägt Friedrich zu und annektiert widerrechtlich Schlesien. Der ausgreifendste Krieg aber war der Siebenjährige Krieg (1756-1763), auch „Dritter Schlesischer Krieg“ genannt. Der Krieg beginnt mit der Eskalation britisch-französischer Rivalitäten. Die Ende August 1756 einsetzende Besetzung Sachsens durch die Preußen verschafft dann dem Krieg eine gesamteuropäische Bedeutung. Das „kleine Zwölfer“ zeigt die direktive Sonne hier in gradgenauer Konjunktion mit Mars. Die direktive Konjunktion war schon ca. 3 Jahre zuvor exakt geworden (hier betrieb der König die fortschreitende Militarisierung des Landes), war aber weiterhin voll wirksam, als der Siebenjährige Krieg begann.

Aspekte indisch – hellenistisch ?

Dass die indische Astrologie zumindest vorübergehend mit der hellenistischen in Verbindung stand, vor dort Anregungen bezog, ist schon seit langem bekannt. Die Forschungen des „Project Hindsight“ haben da weitere Entsprechungen entdeckt. Dies betrifft nicht allein die Verwendung der Ganzzeichenhäuser. Interessant wäre es in Erfahrung zu bringen, ob es auch Parallelen gab, was die Aspekte angeht. Wenn es dort jemals Entsprechungen gab, dann haben sich irgendwann die Wege getrennt. Die Unterschiede sind nicht unbeträchtlich, denn die Hauptaspekte der westlichen Astrologie – Sextil, Trigon, Quadrat – werden in der indischen Tradition nicht in generalisierender Weise verwendet. Hier gilt das Folgende:

  • Alle Planeten aspektieren nicht allein andere Planeten, sondern auch Häuser/Zeichen – auch dann, wenn diese keine Planetenbesetzungen haben. (Hier scheint es in der Tat Entsprechungen zur hellenistischen Astrologie gegeben zu haben.)
  • Mars aspektiert zudem das vierte Haus von ihm aus gesehen und das achte Haus. (Steht Mars etwa im zweiten Haus, dann aspektiert er neben dem opponierenden Haus auch das fünfte Haus, zudem das neunte. )
  • Saturn aspektiert das dritte, das siebte und das zehnte Haus (aus seiner Sicht).
  • Jupiter aspektiert das fünfte und das neunte (aus seiner Sicht).

Es ist wichtig, dies mit den Ganzzeichenhäusern zu verbinden.

Die Frage, die sich stellen mag: Kann dies auch auf tropisch berechnete Horoskope Anwendung finden? Nicht wenige – auch indische ! – Astrologen verweisen zunehmend auf gesicherte Quellen, denen zufolge ursprünglich auch in Indien der tropische Tierkreis Verwendung gefunden hatte. Sie bleiben in allem der indischen Astrologie treu (das „Instrumentarium“ betreffend), haben sich aber für den tropischen Tierkreis entschieden. Allerdings: der siderische Tierkreis behält seine volle Gültigkeit für die Nakshatras (Mondhäuser). Ein Planet ist also zu befragen auf seine Stellung im tropischen Zeichen und auf seine Positionierung in den Nakshatras. (Hier ist zu empfehlen das Studium der Schriften und Youtube-Videos von Ernst Wilhelm. Auch der Astrologieblog „starfish-blog“ (Birgit Braun ist unbedingt lohnend.)

Ein Blick auf Goethes Horoskop, wobei es hier allein um die oben näher beschriebenen „indischen“ Aspektierungen geht (nur dies soll hier der Überschaubarkeit halber in Betracht genommen werden):

Der Geburtsherrscher befindet sich hier im dritten Haus, in Erhöhung und in gegenseitiger Rezeption mit Saturn. Das dritte Haus ist der indisch-vedischen Tradition zufolge auch der Bereich des energetischen Ausdrucks, der Kunst und des Dramatischen. Sieht man ab von der zeitlich eher begrenzten Sturm und Drang-Phase war Goethe, auch was den künstlerischen Ausdruck anging, eher dem sachgebundenen-natürlichen Ausdruck als dem romantischen zugetan. Einem energisch betriebenen Disput ging Goethe dabei nie aus dem Weg – man denke nur an die Leidenschaftlichkeit, mit der er seine „Farbenlehre“ gegen die Newtonsche Lehre der Optik stellte. Grundsätzlich gilt, dass der Geburtsgebieter temporärer Wohltäter ist. So war denn der Aspekt des Mars auf das zehnte Haus der Karriere überaus förderlich, und dies ermöglichte nicht zuletzt die politischen Ämter und Würden, zu denen der Geheime Rat von Goethe in Weimar gelangen sollte.

Ein Planet, der das von ihm regierte Haus aspektiert, stärkt dieses. Dies gilt für Saturn mit Blick auf dessen Aspektierung des dritten Hauses, dies gilt auch für das sechste Haus, welches vonMars aspektiert wird. Und da dieser Mars in seiner Erhöhung ohnehin gestärkt ist, konnte der Dichter es auch wiederholt mit schweren Erkrankungen aufnehmen, überhaupt den Sorgen und Nöten des Alltags die Stirn bieten.

Als Herrscher über Haus fünf und neun ist der ins Domizil gestellte Jupiter Ausdruck des „Lebensoptimums“ schlechthin, der sowohl das neunte wie das erste Haus und deren Aspirationen aspektiert. Man denke an die Gestalt des „Olympiers“, dem das ruhige organische Wachstum und Reifen lieber war als das als unnatürlich empfundene Diskontinuierliche – kein Wunder, dass Goethe, anders als Schiller und Hölderlin, die Französische Revolution schon in deren Anfängen ablehnte.

Luther : 1483 ? – 1484?

Die allermeisten Biographien nennen den 10.11.1483 (jul.) als Geburtsdatum Luthers. Dabei ist der Fall durchaus strittig. Melanchthon zufolge soll Luthers Mutter gesagt haben, sie sei sich des Tages und der Stunde sicher – nicht aber des Jahres. Luthers Bruder sagte, die Familie habe sich aufs Jahr 1483 festgelegt. Luther selbst sagte, er sei 1482 oder 1484 geboren.

Bei einer so bedeutenden Persönlichkeit werden sich die überindividuellen Kräfte in besonders starkem Maße ins Werk setzen. Das Jahr 1483 war ein Jupiter-Jahr, das dann folgende ein Jahr des Mars. Beides scheint einsichtig: Jupiter, Planet des „Glaubens“ und der Religion, Mars: Tatkraft, Widerstand, aggressives Aufbegehren. Weitere wesentliche Jahresprägungen: 1483 war ein Jahr des (chin.) Hasen (genauer: des Wasser-Hasen), das Jahr 1484 eines des Holz-Drachen. Und gerade Letzteres spricht klar für das Jahr 1484. Die Qualitäten des Hasen – Diplomatie, Friedfertigkeit, Konfliktscheu … – sind mit Luther kaum in Einklang zu bringen. Es bleiben vielleicht die Hase-Themen der Fürsorglichkeit, der Wertschätzung der Familie, die bei Luther fraglos gegeben waren. Doch der „dramatische“ Drache mit seiner Exaltiertheit, seiner Unbesonnenheit, dem Wagemut, der es gar auf ein Alles-oder nichts ankommen lässt: all dies scheint Luther wesentlich gemäßer. Wir haben es mit dem jupiteranalogen Holz-Element zu tun, das sich mit dem Drachen 1484 verbindet. Dies passt zur Emphase Luthers, die immer wieder, oft in hitziger Weise zum Ausdruck gelangte. – Aus der Sicht des Neun-Sterne-Ki: 1483 ist ein Jahr der 4, 1484 eines der 3. Die 4 entspricht dem Trigramm des „Sanften“ (Trigramm Sun), die 3 dem „Donner“ (Trigramm Dschen), dem vitalen Aufbrechen. Hier zeigt sich fast immer Kühnheit gepaart mit dem Risiko, Opfer eigener Unbesonnenheit zu werden. Der 4-Geprägte neigt eher zur mitunter weitschweifigen Sichtung der Dinge, bevor er zur Tat schreitet, das Draufgängerische ist ihm eher fremd. Auch hier spricht der Befund eher für das Jahr 1484 als das Geburtsjahr des Reformators.

Dies ist der vorgeburtliche Vollmond Luthers, sofern ich das Jahr 1484 nehme (12.11.1484, greg.). Der Vollmond ist konjunktiv liiert mit der Großen Konjunktion des Jahres im Zeichen des Skorpions – dem Zeichen des Glaubens wie auch des Zweifels, deren Mit- und Gegeneinander Luther zeitweise in schwerste innere Konflikte stürzte. In den Jahren 1517 bis 1520 rang Luther mit sich selbst, den Bruch mit den kirchlichen Autoritäten zunächst scheuend, dann aber verschärfend herausfordernd. In dieser Zeit überlief Pluto im Sonnenbogen die Vollmondachse und die mit dieser verbundene Große Konjunktion.

Von „Beweisen“ möchte ich hier nicht sprechen. Aber ich denke, die Befunde sprechen doch recht klar für das Jahr 1484 als das Geburtsjahr des Reformators.

Warum – auch – Ganzzeichenhäuser ?

Was haben die Ganzzeichenhäuser mit dem I Ging zu tun – genauer: mit der Ordnung der Trigramme hier?

Mit dem I Ging hatte ich mich schon länger beschäftigt, bevor ich zur Astrologie kam. Dass es aber (u.a.) zum Online-Buch über die Neun-Sterne-Astrologie kam, vor allen Dingen zu den Oktilogrammen, verdanke ich meinen (zugestanden bescheidenen) Grundkenntnissen des I Ging.

Was man oben im Bild sieht ist die „vorweltliche“ polare Anordnung der Trigramme, auch genannt die Ordung des „Frühen Himmels“. Es handelt sich um die „ewige“, „stabile“ Ordnung. Die Ordnung des Späten Himmels (hier nicht abgebildet) ist die der saisonalen Abfolge, sie zeigt die dynamische Sequenz der Trigramme. Dies ist nicht der Ort, all dem auch nur ansatzweise nachzugehen. Es fehlt ja nicht an Erläuterungen im Netz. Worum es hier geht – mit Blick auf das Thema der Ganzzeichenhäuser: Man kann die Ordnung des Späten Himmels auf die des Frühen Himmels legen. Im frühen Himmel findet sich das reine Yang, das Trigramm Kien im Süden (im Bild oben). Eben dort findet sich nun in der Ordnung des Späten Himmels das Trigramm Li, das Feuer. Nun kann man sagen: „Hinter“ den Trigrammen des Späten Himmels stehen die Trigramme des Frühen Himmels, Letztere scheinen hindurch durch die Trigramme des Späten Himmels. Beispiel: das Feuer (Li) ist im Späten Himmel im Süden, im Frühen Himmel finden wir es im Osten. Dort, im Osten, steht nun im Späten Himmel das Trigram Dschen, der „Donner“. Hinter der massiv aufbrechenden Energie (Dschen, auch „die Erschütterung“ genannt) steht die Wandlungsphase des Feuers (das Wort „Element“ sollte man mit Blick auf die Trigramme meiden, es suggeriert fälschlich etwas rein Statisches). Das reine Yang, Kien = „das Schöpferische“ findet sich in der polaren Ordnung im Nordwesten. Im Frühen Himmel steht dort Gen, „der Berg“, „das Stillehalten“.

Was hier für die Trigramme gesagt wird, hat auch Gültigkeit für jedes der 64 Hexagramme (die ja jeweils aus zwei der Trigramme zusammengesetzt sind). Es ist sehr aufschlussreich, was sich hier an Einsichten offenbaren kann. Es lohnt sich, dem kontemplierend nachzugehen. So steht hinter Hexagramm 25, „die Unschuld“, Hexagramm 22, „die Anmut“ – man denkt spontan an den berühmten Kleist-Text über das Marionettentheater. Oder: hinter der „Bescheidenheit“ (15) findet sich vielsagend „das Wachstum“ (42).

Ich denke mir in analoger Weise das Verhältnis der „frühen“ Ganzzeichenhäuser zu den „späteren“ Häusersystemen, gleich ob Koch, Placidus, Regiomontanus etc. Auf diese Weise hat sich mir manches Horoskop erschlossen – auch dem eigenen bin ich da näher gekommen.